Natürliche Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten sind im Biosphärenreservat Rhön größtenteils in einem hervorragenden Zustand. Dank der ohnehin schon vielerorts üblichen sensiblen und mit dem Naturschutz abgestimmten Bewirtschaftung werde das von der Europäischen Union beschlossene Schutzgebietssystem „Natura 2000“ keine einschneidenden Veränderungen mit sich bringen.
„Es kommt nichts wesentlich Neues hinzu“, versicherte Thomas Keller, Leiter des Sachgebiets Naturschutz an der Regierung von Unterfranken zuständig für Naturschutz.
Landwirte arbeiten vorbildlich
Viele Landwirte und Waldbesitzer arbeiten bereits vorbildlich und engagiert im Sinne der Natura 2000 Vorgaben – vor allem in den Naturschutzgebieten. „Wer heute schon Flächen in Naturschutzgebieten hat, der kennt die notwendigen Maßnahmen schon.“ Zu diesem Ergebnis kam die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken, im Rahmen der Erfassung und Bewertung der vorhandenen wertvollen Lebensräume.
Raritäten im Blick
Um die Rhöner Flächen für das europäische Natura 2000 Netz melden zu können, fand zunächst eine intensive Bestandsaufnahme inklusive Kartierung statt.
Im Blick standen die seltenen heimischen Arten und Lebensräume in den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen (außer des Truppenübungsplatzes Wildflecken), wie beispielsweise Berg-Mähwiesen, Pfeifengraswiesen, magere Flachland-Mähwiesen und Hainsimsen-Buchenwälder. Zu den wertvollen Vogelarten gehören insbesondere Wachtelkönig, Schwarzstorch und Neuntöter.
Maßnahmen werden vorgeschlagen
Die Naturschutzverwaltung habe Managementpläne für diese Gebiete erarbeitet, in denen Maßnahmen vorgeschlagen werden, um die Lebensräume und Arten zu erhalten und im günstigsten Fall zu erweitern und zu vermehren, erläutert Keller. Das Gesamtwerk für die beiden Rhöner Landkreise, ein Gemeinschaftswerk der staatlichen Forstverwaltung und der Naturschutzverwaltung, stehe kurz vor dem Abschluss.
Nur Fachpublikum statt Betroffene?
Letzte Impulse sollten beim Runden Tisch in Waldfenster aufgenommen werden, zu dem die Bevölkerung, speziell die betroffenen Landwirte und Waldbesitzer eingeladen waren.
Aus der Versammlung heraus wurde allerdings kritisiert, dass zu diesem Runden Tisch nahezu ausschließlich Fachpublikum aus den beteiligten Behörden und Institutionen gekommen war und weniger betroffene Land- und Forstwirte. Keller wollte hierin kein Problem sehen, denn die Öffentlich sei über die üblichen Wege eingeladen worden, auch der Bauernverband habe Informationen erhalten.
„Keine Angst vor dem Managementplan“, sagte er, mit Hinweis auf die ohnehin schon gute Ausgangslage im Biosphärenreservat.
4800 Hektar für Natura 2000
Gut eine Stunde umfasste der Vortag zu den naturschutzfachlichen Details. André Fichtner von der Höheren Naturschutzbehörde stellte die Offenlandflächen des hiesigen Natura 2000 Gebiets vor. Im Landkreis Bad Kissingen umfasse das FFH-Gebiet knapp 4800 Hektar, das Vogelschutzgebiet sei nahezu deckungsgleich. Innerhalb des FFH-Gebiets gebe es gut 1400 Hektar Offenland und 3300 Hektar Wald. Das Gebiet erstrecke sich über die Gemeindeflächen von Bad Brückenau, Geroda, Burkardroth, Motten, Riedenberg und Wildflecken und die gemeindefreien Gebiete wie den großen Auersberg, Römershager und Waldfensterer Forst.
Insgesamt seien 17 schützenswerte Lebensraumtypen und 20 Vogelarten gelistet.
Verzicht auf Düngemittel
Zu den größten Lebensräumen im Offenland zählen unter anderem Berg-Mähwiesen, Pfeifengraswiesen und Borstgrasrasen. Um diese schützenswerten Offenlandflächen, die überwiegend in einem hervorragenden Zustand seien, dauerhaft zu erhalten, sei es notwendig, die bisherige Art der Bewirtschaftung fortzuführen, wie bislang üblich unter Verzicht auf Düngemittel und Pestizide.
Zwei Mahdzeiten, zum 15. Juni und 15. August, seien sinnvoll, können aber je nach Vorkommen verschiedener Arten auch geschoben werden. Denkbar sei auch eine Kombination aus Mahd und Beweidung.
Die Lupine ist nicht gerne gesehen
Nicht vorkommen sollte die Lupine, die durch Stickstoffeintrag den von Natur aus stickstoffarmen Böden schade. Der Mahdzeitpunkt könne bei Lupinenvorkommen angepasst werden. Um den Schmetterlingen zur Madhzeit genügend Lebensraum, Futter- und Eiablageflächen zu überlassen, empfiehlt der Maßnahmenkatalog Randstreifen bei der Mahd stehenzulassen.
Zustandes des Waldes ist hervorragend
Über die Situation des Waldes sprach Jessica Hofbauer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie legte den Schwerpunkt auf vier Waldarten: Buchen-, Blockschutt-, Birken-Moor- und Erlen-Eschen-Auwald. Auch mit dem Forst könne die Rhön bei Natura 2000 punkten.
„Weiter machen wie bisher, es ist hervorragend“, fasste Hofbauer die Ergebnisse zusammen. Für den Lebensraum Wald gelte: Totholz und Höhlenbäume für die Fledermäuse, kein Fischbesatz im Lebensraum des Kammmolchs, lichte Stellen für den Frauenschuh.
Vögel finden Unterschlupf
Vögel haben ganz unterschiedliche Ansprüche. Es gibt die Höhlenbauer, wie die Spechtarten, die großen Vögel, wie Rotmilan, Baumfalke oder Schwarzstock, die Horste bauen, die Vögel, die strukturreiche Offenlandschaften benötigen, wie den Neuntöter, und Vögel wie den Wachtelkönig, der gute Verstecke im Unterwuchs sucht.
Schwarzstorch besonders empfindlich
Besonders empfindlich auf Störungen im Wald sei der Schwarzstorch. Der seltene Neuntöter habe in der Rhön einen Hotspot mit 170 Brutpaaren, davon allein 54 im Landkreis Bad Kissingen. Der seltene Wachtelkönig stelle mit aktuell zehn Brutpaaren gleich fünf Prozent des bayerischen Bestandes.
Diesen Populationen zu helfen, dass sie sich weiterhin in der Rhön heimisch fühlen und sich vermehren, sei ein wichtiges Ziel von Natura 2000. „Es gibt ein Verschlechterungsverbot“, betont Keller. Doch letztlich seien die Arten und die Natur auf die Bereitschaft der Bewirtschafter angewiesen, denn für Eigentümer sei die Teilnahme freiwillig, allerdings gebe es Fördermöglichkeiten.
Weitere Informationen, Kartenmaterial mit grundstücksbezogenen Vorschlägen für künftige Maßnahmen sowie Kontaktadressen finden Sie auf der Homepage der Regierung von Unterfranken.
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