Er ist stark wie ein Ochse, anpassungsfähig wie ein Chamäleon und fleißig wie eine Biene: „VitiBot Bakus“ heißt der zwei Tonnen schwere Weinbergsroboter, der in Nordheim Dutzende Winzer und Weinbau-Fachleute faszinierte.
Die neue Generation elektrischer Roboter, die im autonomen Modus Weinbergarbeiten erledigen, schickt sich an, den Weinbau zu revolutionieren. Das wurde kürzlich bei einer Testfahrt des „Bakus“ in Nordheim deutlich. Dort zeigte sich, was die Kombination moderner Technologien aus den Bereichen Robotik, Vermessung, Land- und Antriebstechnik zu leisten vermag.
Als die Brüder Thorsten und Tobias Wischer, Leiter des gleichnamigen Weinguts in Nordheim, auf der Winzer-Service-Messe in Karlsruhe den Roboter „VitiBot Bakus“ entdeckten, horchten sie auf. „Das automatisierte Arbeiten mit intelligenter Software bedeutet neue Chancen für den fränkischen Weinbau“, stellt Thorsten Wischer fest. „Denken wir nur mal an den Fachkräftemangel und drohende Flächenstilllegungen.“ Kurzerhand luden die Wischers den deutschen Vertriebspartner des französischen Roboter-Herstellers, das Unternehmen Petri Landmaschinen aus der Pfalz, zu einer Vorführung der Maschine ein.
Mechanische und elektrische Geräte können angedockt werden
Vor gut 50 Weinbau-Fachleuten, darunter eine Delegation des Weinbaurings sowie der Landesanstalt für Weinbau in Veitshöchheim, zeigte „Bakus“ in Nordheim, was er kann. Komplett elektrisch – viel leiser als ein Traktor – fuhr er ferngesteuert die Weinbergszeilen am Nordheimer Kreuzberg entlang und lockerte mit Pflugscharen den Boden auf.
„Man kann den Roboter wie einen klassischen Schmalspurschlepper mit allen herkömmlichen Anbaugeräten bestücken“, erklärte Christin Glaser, die sich im Weingut Wischer ums Qualitätsmanagement kümmert und vielen noch aus ihrer Zeit als Fränkische Weinkönigin Christin Ungemach bekannt ist. Die Geräte-Palette reicht von Metallscharen über elektrische Unterstockmulcher bis hin zu Laub- und Vorschneidern, die in modularer Bauweise jeweils nach Bedarf miteinander kombiniert werden können.
„In ein, zwei Jahren soll der Roboter auch Pflanzenschutzmittel ausbringen können“, schaut Thorsten Wischer voraus. „Das schützt die Mitarbeiter. Zudem haben wir ohnehin mit Fachkräftemangel zu kämpfen und sind froh, wenn wir Arbeiten abgeben können.“ Auch drohenden Flächenstilllegungen könne mithilfe autonom arbeitender Geräte entgegengewirkt werden.
Noch sorgen gelbe Warnschilder „Achtung: Autonomes Fahrzeug im Einsatz!“ freilich für große Augen. „Was ist denn da los?“, fragten sich die Passanten in Nordheim. Neugierig linsten sie geladenen Gästen über die Schulter, um zu beobachten, wie der mit Kameras und Sensoren bestückte „Bakus“ die Weinbergszeilen auf- und abfuhr.
„Das Gerät verdichtet den Boden weniger als ein Vollernter. Die 75-kWh-Akkus halten mindestens zehn Stunden“, erklärte Vertriebspartner Fabian Petri. Steigungen von 45 Prozent seien für den Roboter kein Problem. Pausen brauche er nicht.
Doch wie hält der Roboter die Spur? Woher weiß er, was er tun soll? Noch müssen manuell und recht aufwendig GPS-Punkte gesetzt und in die Software eingespielt werden. Deshalb hatten die Wischers Spezialisten für Software und Vermessungstechnik an Bord geholt. Hubert Mierzwinski (PTA Robotics) blickte in eine Zukunft, in der Bodensonden wichtige Daten, etwa zur Wasserversorgung, an die Software übertragen, die den „Bakus“ steuert. „Ziel ist ein autonomes System, ein ökologischer und ökonomischer Kreislauf im Weinberg“, fasste Thorsten Wischer den Zukunftsplan zusammen.
Wer kauft den ersten Weinbergsroboter in Deutschland?
Bleibt die Frage: Wird der erste autonome Weinbergsroboter des Landes an der Mainschleife laufen? Bisher, so Thorsten Wischer, sind weltweit 200 Exemplare des „Bakus“ im Einsatz, 140 davon in Frankreich, „in Deutschland noch kein einziger“. Der Weingutsleiter würde das gerne ändern.
300.000 Euro – so viel kostet ein „Bakus“ mit Anbaugeräten – sind allerdings ein Wort. Zudem muss der rechtliche Hintergrund für den Einsatz autonomer Fahrzeuge noch geklärt werden.
Das fachkundige Publikum zeigte sich jedenfalls interessiert. Winzer Andreas Münch aus Sommerach brachte es auf den Punkt: „Wir sind voll mit Arbeit. Wenn es Erleichterungen gibt, sollten wir sie nutzen. Allerdings müssen sie praktikabel und finanzierbar sein.“
Thorsten Wischer ist ähnlicher Meinung – und zuversichtlich, alle Hürden in absehbarer Zeit zu meistern. Es kann also gut sein, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein vierrädriger Wengertsarbeiter an der Mainschleife Dienst tut, stark wie ein Ochse, anpassungsfähig wie ein Chamäleon, leise und fleißig wie eine Biene.















