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Tag der offenen Gartentür 2026
Nur heimische Pflanzen sind willkommen
Tag der offenen Gartentür 2026
Mit rund 70-80 Besuchern war Julian Hüfners Garten gut ausgelastet. // Benjamin Wildenauer
Tag der offenen Gartentür 2026
Über die angeflogene Wildbirne ist Gartenbesitzer Julian Hüfner besonders froh. In Hüfners Garten in Schönderling fand die Auftaktveranstaltung zum Tag der offenen Gartentür 2026 statt. // Benjamin Wildenauer
Tag der offenen Gartentür 2026
Julian Hüfner stellte als Gastgeber seinen Garten für die Auftaktveranstaltung zur Verfügung. // Benjamin Wildenauer
Tag der offenen Gartentür 2026
Der Singkreis Schönderling untermalte den Abend musikalisch.  // Benjamin Wildenauer
Tag der offenen Gartentür 2026
Markus Stockmann moderierte die Auftaktveranstaltung zum tag der offenen Gartentür. // Benjamin Wildenauer
Tag der offenen Gartentür 2026
Marie Müller (Vorsitzende Gartenbauverein Schönderling). // Benjamin Wildenauer
Tag der offenen Gartentür 2026
Mario Götz freute sich, den Tag der offenen Gartentür zum ersten Mal als Landrat eröffnen zu dürfen. // Benjamin Wildenauer
Tag der offenen Gartentür 2026
Bürgermeister Lorenz Beck. // Benjamin Wildenauer
Tag der offenen Gartentür 2026
Gruppenfoto mit allen, die am Sonntag ihren Garten für Besucher öffneten. // Benjamin Wildenauer
Signet des Fränkischen Tags von Benjamin Wildenauer
Schönderling – Sieben Gärten, ein Jubiläum und ein 27-jähriger Hobbygärtner mit einer seltenen Wildbirne: Schönderling hat zum Tag der offenen Gartentür 2026 geladen.
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Mit einem Empfang unter freiem Himmel startete am Freitagabend, 5. Juni, die Eröffnungsveranstaltung zum Tag der offenen Gartentür 2026 in Schönderling. Die Gärten selbst waren am 7. Juni geöffnet.

Als Kulisse diente der Garten von Julian Hüfner – ein von Natursteinmauern und Benjeshecken durchzogenes Bauerngartengefüge rund um ein altes Schindelbauernhaus, das 1901 erbaut wurde. Der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Bad Kissingen sowie der Obst- und Gartenbauverein Schönderling hatten eingeladen, und etwa 80 Gäste waren der Einladung gefolgt.

 Julian Hüfner  hat sein Anwesen auf rund 900 Quadratmetern in den letzten Jahren konsequent in einen Naturgarten verwandelt. Das Haus hatte sein Vater einst günstig erworben, es stand seit Jahren leer, es regnete durch die Fenster, und der Garten war vollständig zugewachsen. „Komplett am Anfang musste ich da noch mit dem Rasenmäher über die Beete mähen“, erinnert sich Hüfner.

Der wohl jüngste Gastgeber

Seit 2019 hat er das Anwesen schrittweise übernommen und umgestaltet. Mit 27 Jahren ist er der wohl jüngste Gastgeber des Schönderlinger Tags der offenen Gartentür. Die Grundsätze sind klar: Ausschließlich heimische Pflanzen kommen in den Garten, jede einzelne vorab mithilfe von Apps und Internetrecherche auf ihre Herkunft geprüft.

Gemäht wird maximal ein- bis zweimal im Jahr, ansonsten werden nur die Wege freigehalten. Chemische Dünger und Pestizide kommen nicht zum Einsatz. Stattdessen prägen Trockensteinmauern, Benjeshecken, Totholzhaufen und wild gewachsene Rosen das Bild - Strukturen, die für Vögel und Insekten das leisten, was ein ordentlich getrimmter Zierrasen schlicht nicht kann. Für diese Ausrichtung wurde der Garten bereits prämiert.

Hier wächst eine  echte Rarität

Herzstück des Anwesens ist ein alter Walnussbaum, der laut Hüfner auf 50 bis 60 Jahre geschätzt wird. Ein Nachbar habe ihm erzählt, dass zuvor eine alte Kastanie an derselben Stelle stand. Einen solchen alten Nussbaum, sagt Hüfner, „kann man nicht mit Geld kaufen“. Auf der hinteren Wiese wächst zudem eine echte Rarität: eine Wildbirne, die ihm von selbst „angeflogen“ ist, also vom Wind oder Vögeln hierher gebracht wurde. Mit kleinen, steinharten Früchten und spitzen Stacheln am Stamm ist sie die Urform der heutigen Kulturbirne und in der Natur leider kaum noch zu finden. Der glückliche Zufall, dass sie ausgerechnet hier gewachsen ist, freut den Hobbygärtner sichtlich.

Auch die Bereinigung invasiver, also eingeschleppter, nicht heimischer Arten hat er konsequent vorangetrieben: Flieder und Knallerbsensträucher wurden vollständig entfernt, auch wenn das für Hüfner hieß, einen gut funktionierenden Sichtschutz aufzugeben. Stattdessen wachsen nun Kornelkirsche und roter Hartriegel. Der grüne Hartriegel, so erklärt Hüfner, sei selbst wieder invasiv und damit tabu. Der Aufruf, den er daraus ableitet, ist bescheiden formuliert und trifft doch einen Nerv: „Man sollte die Sicht ändern. Im Grunde ist die Natur, wie sie ist, ohne dass man jetzt großartig was macht, eigentlich wunderschön. Aber wir haben uns das halt abgewöhnt.“ Wer einfach nur den Rasen öfter stehen lasse, bevor er mäht, tue schon mehr für die Artenvielfalt als viele glauben. „Wenn das jeder so ein bisschen machen würde, wäre das schon mal deutlich besser“, erklärt Hüfner, dass auch schon Kleinigkeiten viel ausmachen können.

Selbstversorger sowie Haus- und Hanggärten

 Nach einem musikalischen Auftakt des Singkreises Schönderling unter der Leitung von Elke Schneider hat zuvor Kreisverbandsvorsitzender Markus Stockmann die Ehrengäste begrüßt. Er skizzierte  die Bandbreite der teilnehmenden Gärten, die in Schönderling, Obergeiersnest und Einraffshof ihre Tore öffneten: Selbstversorgergärten mit Gemüseanbau und Tierhaltung ebenso wie Haus- und Hanggärten mit naturnaher Bepflanzung und altem Obstbaumbestand. „Diese Vielfalt macht den Reiz des Tags der offenen Gartentür aus und lädt zum Entdecken, Austauschen und Fachsimpeln ein“, sagte er.

Marie Müller, Vorsitzende des Gartenbauvereins Schönderling, nutzte ihre Begrüßungsworte für einen besonderen Hinweis: Der Verein feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen und sie  betonte, dass die Gärten beim diesjährigen Tag der offenen Gartentür von unterschiedlichen Generationen gepflegt werden. „Jeder Garten hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Ideen und seine eigene Geschichte.“ Ausdrücklich dankte sie auch dem Dorf als Ganzem: Was Schönderling auszeichne, sei der Zusammenhalt.

Landrat Mario Götz sprach über die gesellschaftliche Bedeutung des Gärtnerns. „Gärten sind weit mehr als schön gestaltete Flächen“, sagte er. „Sie sind Ausdruck der Persönlichkeit ihrer Besitzer, sie erzählen Geschichten, sie spiegeln Kreativität, Leidenschaft, Geduld und oft auch Generationen von Erfahrungen wider. Hier sehen wir, wie Pflanzen wachsen und wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt ist. Gärten schaffen Lebensräume, fördern die Artenvielfalt und leisten damit einen ganz wertvollen Beitrag zum Natur- und auch zum Klimaschutz.“ Ausführlich würdigte Götz zudem die Arbeit der Gartenbauvereine als „tragende Säulen des gesellschaftlichen Lebens“ in den Gemeinden – und schloss mit einem herzlichen Glückwunsch zum 50-jährigen Vereinsjubiläum.

Lob für das ehrenamtliche Engagement

Bürgermeister Lorenz Beck hielt sich kürzer, traf aber den Ton des Abends gut.  „Als Bürgermeister kann man froh sein über jeden Verein und über jede Person, die sich ehrenamtlich engagiert. Das ist das Fundament unserer Gesellschaft und das macht auch das Dorfleben aus. Nicht die Anonymität, sondern das Zusammenarbeiten.“

Nach Grußworten von Bezirksrat Martin Wende und Pfarrer Armin Haas übernahm Markus Stockmann die Vorstellung der sieben teilnehmenden Gärten. Nacheinander traten die Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer nach vorne, um von Landrat Götz und Bürgermeister Beck Blumen sowie ein Gästebuch als Erinnerung entgegenzunehmen. 

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