„Da wird ja gar nichts gearbeitet“, solche und ähnliche Aussagen gab es in der vergangenen Woche mehrfach in Euerdorf. Vor allem Einwohnerinnen und Einwohner aus dem Gemeindeteil Wirmsthal sowie aus den Nachbargemeinden Sulzthal und Ramsthal ärgerten sich: Wenn sie zur Apotheke oder zum Arzt wollten, mussten sie entweder fast 20 Kilometer Umleitung fahren oder ihr Auto südlich der Brücke abstellen und um die Baustelle an der Bahnbrücke herum laufen.
Dass allerdings dort nur wenige oder gar keine Bauarbeiter zu sehen waren, sorgte für Unmut. „Nach aktuellem Stand bleibt es beim veranschlagten Zeitplan“, teilte eine Sprecherin der Deutschen Bahn noch am Mittwoch auf Nachfrage mit. Am Donnerstagabend gab es eine überraschende Wende: Das Landratsamt beendete die Vollsperrung vorzeitig.
Mitteilung kam am Donnerstagabend
„Aufgrund des Baufortschrittes“ werde die Vollsperrung der Staatsstraße St 2290 im Bereich der Schweinfurter Straße in Euerdorf aufgehoben, heißt es in der Mitteilung des Landratsamtes vom Donnerstagabend, und: „Die großräumige Umleitung wird zeitnah zurückgebaut.“
Von Karfreitag bis Ostermontag sollte die Straße sowieso geöffnet werden. Die Schilder wären aber stehen geblieben. Auch abends und in der Nacht hatte es in der vergangenen Woche keine Bauarbeiten gegeben, Sperrschilder standen zwar, aber die Straße war frei.
„Für die Dauer der Restarbeiten im Zeitraum vom 11. bis 14. April 2023 wird es lediglich noch zu einer halbseitigen Beeinträchtigung der St 2290, Schweinfurter Straße, kommen“, heißt es nun aus dem Landratsamt. Zudem werde für die Sicherungsarbeiten am Brückenbogen dort die Gemeindestraße „Nähe Schweinfurter Straße“ gesperrt.
Anlieger werden auf die Heinrich-Weber-Straße verwiesen. Haltverbote in der Schweinfurter und Heinrich-Weber-Straße bleiben laut Landratsamt bis zum Abschluss der Maßnahme bestehen.
„Beeinträchtigung so gering wie möglich“
Am Mittwoch hatte das Landratsamt die Vollsperrung über die gesamten Osterferien noch verteidigt: „Beim Erlass der verkehrsrechtlichen Anordnung wird von Seiten der Verkehrsbehörde immer die Notwendigkeit und der Umfang der erforderlichen Absicherungsmaßnahmen geprüft“, hieß es auf Anfrage.
Arbeitsstellen im öffentlichen Verkehrsraum seien so zu planen, dass ihre Dauer und räumliche Ausdehnung die Verkehrsabwicklung möglichst wenig erschweren. Für die Bauarbeiten an der Bahnbrücke Euerdorf sei eine Vollsperrung beantragt worden, weil durch das Aufstellung der Hebebühnen „keine ausreichende Restfahrbahnbreite nach den geltenden Vorgaben der Richtlinien für die Sicherung an Arbeitsstellen sowie der technischen Regeln für Arbeitsstätten besteht“.
Zudem dürfe der Verkehr darunter nicht gefährdet werden. Auf die Frage, weshalb zum Teil nicht oder nur mit wenigen Mitarbeitern gearbeitet wurde, antwortete das Landratsamt: „Die bauausführende Firma hat gegenüber dem Landkreis Bad Kissingen zugesichert, die Verkehrsbeeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.“
Aufgrund der fehlenden Umleitungsmöglichkeiten für den Schulbusverkehr sei der Bauzeitraum auf die Osterferien gelegt worden. Der Linienverkehr des ÖPNV sei durch den Einsatz von Kleinbussen gewährleistet. Zudem seien Gemeinde, Polizei, der Nahverkehrsbeauftragte, Betreiber von Linienverkehren und Staatliches Bauamt Schweinfurt informiert worden.
Auch eine innerörtliche Umfahrung für Rettungsdienste sei im Vorfeld abgestimmt worden. Die untere Verkehrsbehörde setzte zudem fest, dass bei Beendigung der Maßnahmen und bei längeren Unterbrechungen der Arbeiten der Verkehr freizugeben sei, unter anderem über Ostern.
Im Schnitt 4592 Fahrzeuge am Tag
Bei der Ortsdurchfahrt Euerdorf handelt es sich um eine Staatsstraße, die nach Auskunft des Staatlichen Bauamtes ein durchschnittliches Verkehrsaufkommen von 4592 Fahrzeuge am Tag hat. Und: Die Umleitungsstrecken sind lang, im Westen über die Autobahn, im Osten über Bad Kissingen, also jeweils rund 20 Kilometer.
Offen lässt das Landratsamt die Frage, ob bei einer grundlegenden Sanierung der Brücke eine längere Vollsperrung droht: „Dies bleibt einer Einzelfallprüfung vorbehalten.“ Der Euerdorfer Bürgermeister Peter Bergel will sich mit dieser Frage aktuell gar nicht beschäftigen, denn: „Ich befürchte, dass ich das nicht mehr erlebe.“
Bei kleineren Strecken werde lediglich „Kosmetik“ betrieben, eine baldige Sanierung der denkmalgeschützten Brücke hält Bergel deshalb für unwahrscheinlich. Umso deutlicher werde die Gemeinde einfordern, dass die Fußgänger unter der Brücke besser geschützt werden.
Im Herbst hatte die Deutsche Bahn angekündigt, dass die mehr als 100 Jahre alte Brücke aus Sandsteinblöcken umfassend saniert werden soll. Eine Kostenschätzung dafür gibt es bereits: 800.000 Euro soll es kosten. Wie lange diese Arbeiten dauern, wann sie starten und ob dafür die Staatsstraße gesperrt werden muss, ist nach Auskunft der Deutschen Bahn aber nach wie vor offen.












