In den vergangenen sechs Wochen war morgens deutlich weniger Verkehr zu beobachten. Kein Wunder, es waren schließlich Sommerferien. Am Dienstag startet das neue Schuljahr, Verkehrstrubel vor Unterrichtsbeginn ist programmiert. Bereits in den Monaten vor Schulbeginn haben Polizei und Kreisverkehrswacht im Landkreis Bad Kissingen die Grundsteine dafür gelegt, dass die Kinder auf dem Schulweg so sicher wie möglich sind.
Unfälle auf dem Schulweg im Landkreis
Florian Heuring, Sachbeauftragter für Verkehr im Landkreis Bad Kissingen, ist für den Schulstart positiv gestimmt: „Wir sehen uns sehr gut vorbereitet, weil wir eben gute Arbeit leisten.“ Im Jahr 2025 kam es im Landkreis bislang zu keinem Schulwegunfall – das soll so bleiben. „Deshalb müssen wir am Ball bleiben“, fügt der 42-jährige Polizeibeamte hinzu. Grundsätzlich werden der Polizei im Landkreis ungefähr fünf Verkehrsunfälle am Tag gemeldet, wobei kleinere Unfälle wie Parkrempler dazuzählen.
Sein Kollege Matthias Kleren meint: „Das Thema Verkehrssicherheit bei Schülern muss Jahr für Jahr aufs Neue angegangen werden. Wir haben ja schließlich immer neue Erstklässler und Eltern.“ Seit 2007 ist er als Verkehrserzieher bei der Polizei Bad Kissingen tätig, zudem ist der 52-Jährige Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht. „Es sind unsere Kinder, unsere Zukunft. Da soll nichts passieren“, betont Kleren, der selbst Vater von drei Kindern ist.
Tipp: Schon vor der Einschulung üben
Bei Infoabenden im Frühjahr haben Eltern zukünftiger Erstklässler Merkzettel bekommen. Darauf sind die wichtigsten Informationen rund um das Thema aufgezählt.
Der Verkehrserzieher begleitet herangehende Schüler bereits vor dem ersten Schuljahr und läuft mit ihnen meist beispielhaft vom Kindergarten zur Grundschule. Dabei zeigt Kleren ihnen, wie man eine Straße überquert und vermittelt, was für alle Verkehrsteilnehmer gilt: „Seid aufmerksam, vorausschauend und rechnet mit Fehlern der anderen.“
Doch jeder Schulweg ist anders. Daher sind Eltern dazu aufgefordert, den individuellen Weg vorab mit ihren Kindern zu üben. Außerdem ist laut Kleren wichtig zu bedenken: „Der kürzeste Schulweg ist nicht zwangsläufig der sicherste!“
Viele Einrichtungen helfen beim Thema sicherer Schulweg
Zum Thema Verkehrssicherheit arbeiten Polizei, Verkehrswacht, Städte und Schulen zusammen. Auch andere Vereine sorgen für mehr Aufklärung, etwa die Kommunale Unfallversicherung Bayern (KUVB). Kleren beschreibt es so: „Das sind viele Fäden, die zu einem dicken Strang zusammenführen.“
Sparkasse und Kreisverkehrswacht finanzieren zusammen allen Erstklässlern im Landkreis sogenannte Sicherheitsdreiecke. Diese sorgen durch die Reflektoren für mehr Sichtbarkeit, die Kinder sollten sie daher dringend tragen. Heuring bezeichnet die Kreisverkehrswacht als „einen der wichtigsten Partner der Polizei.“ Auch andere Materialien wie Banner oder Ausrüstung für Verkehrshelfer stellt die Verkehrswacht zur Verfügung.
Eltern und Jugendliche: Vorbildfunktion
Beim Fahrradfahren keinen Helm tragen, Sitzgurte im Auto nicht benutzen, bei Rot über die Straße gehen – wer im Straßenverkehr nicht konsequent und achtsam agiert, kann das wohl kaum von seinen Kindern verlangen. Wenn Eltern gegen die Insassensicherung im Auto verstoßen, droht bei Kindern ein Bußgeld von 60 Euro. Die Polizeibeamten appellieren, sich als Erwachsene der Vorbildfunktion bewusst zu sein. Auch älteren Kindern und Jugendlichen müsse klar sein, dass sich die Erstklässler ihr Verhalten auf dem Schulweg abschauen, so Kleren.
Der Elterntaxi-Trend und die Gefahren
Oftmals wollen Eltern ihre Kinder mit dem Auto direkt vor der Schule absetzen. So stellen sie sicher, dass ihrem Kind zu dieser Stoßzeit im Verkehr nichts passiert. Allerdings: Damit tragen Eltern selbst zu hohem Verkehrsaufkommen und weniger Sichtbarkeit der Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, bei. Kleren sieht noch ein Problem: „Mit den Elterntaxis nimmt man den Kindern die Möglichkeit, Erfahrungen im Verkehr zu sammeln.“
Wenn man dennoch seinen Sohn oder seine Tochter mit dem Auto zur Schule bringt, sollten Park- und Halteverbote beachtet und der Busverkehr nicht behindert werden. Das sei in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen: An der Sinnberg-Grundschule in Bad Kissingen wurde beispielsweise oftmals die Feuerwehranfahrtszone blockiert.
Um den Hol- und Bringverkehr an dieser Grundschule zu minimieren, gibt es seit 2023 zwei Haltestellen für Eltern. Die letzten 200 Meter sollen die Kinder dann zu Fuß bestreiten. Bei der einen Haltestelle muss die Straße überquert werden, was von Verkehrshelfern begleitet wird.
Zum Schulstart werden wieder Verkehrshelfer gesucht
Die Wirkung von Schülerlotsen und Verkehrshelfern ist unbestritten: „An diesen Stellen gab es im Landkreis seit Jahrzehnten keinen Unfall, in ganz Bayern keinen schweren. Ich habe die Situation mit und ohne Verkehrshelfer verglichen, durch sie kommt es zu keinen Geschwindigkeitsverletzungen“, erläutert Kleren. Der Bedarf ist daher groß, kann aber nicht vollständig von Schülerlotsen gedeckt werden.
Heurich und Kleren ist daher wichtig, anzumerken: „Aufgrund der Defizite im Bereich Schülerlotsen wollen wir den Eltern sagen: Wenn man sich morgens diese halbe Stunde ab 7.30 Uhr nehmen kann, sollte man das tun. Wir müssen alle gemeinschaftlich zur Sicherheit der Kinder beitragen.“ Auch für Großeltern oder andere Ehrenamtliche, die sich als Verkehrshelfer engagieren, wäre die Polizei dankbar.
Mit dem Schulbus unterwegs
Die Schülerbeförderung mit dem Bus ist grundsätzlich sehr sicher, wie die Polizisten feststellen. Schulbusfahren will gelernt sein, daher bietet Kleren auch Schulbustrainings an. Die Eltern sollten ebenfalls vorab mit ihren Kindern üben.














