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Geschwindigkeitsmessung
Mit 98 Sachen: Wo in Bad Brückenau zu schnell gefahren wird
Straßenverkehr in Bad Brückenau: Tempomessung
Auch einige Haushalte in der Ernst-Putz-Straße in Bad Brückenau sind noch nicht Gigabit-fähig. // Steffen Standke
Bad Brückenau – Gerade in Straßen mit Tempo-30-Begrenzung tun sich Autofahrer in Bad Brückenau mit dem Einhalten der Geschwindigkeitslimits schwer. Was nun mit den erfassten Daten passiert.

Es blitzte nicht und niemand erhielt ein Bußgeld: Von den meisten Autofahrern unbemerkt, hat die gemeinnützige Gesellschaft für Kriminalprävention und Verkehrssicherheit (gGKVS) aus Erding Ende November/Anfang Dezember 2025 in Bad Brückenau die Geschwindigkeiten im fließenden Verkehr überwacht. Die Stellen mit den extremsten Tempoverstößen waren in dem Pilotprojekt schnell identifiziert.

Meiste Überschreitungen am alten Haus Waldenfels

Als Spitzenreiter kristallisierte sich die Ernst-Putz-Straße auf Höhe des alten Hauses Waldenfels heraus. Dort wurde vom 24. November, 11:32 Uhr, bis zum 25. November, 11:30 Uhr, gemessen. Die gültigen Tempo-30 wurden insgesamt 1704-mal überschritten. Die Übertretungen verteilen sich relativ gleichmäßig über die Tageszeiten; sie werden – bei geringer werdendem Verkehr ab 19 Uhr weniger. Ab 6 Uhr nehmen sie zu. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 91 Kilometern pro Stunde – in einem 30er-Bereich.

Nur sechs Prozent beachten Tempolimit

In Prozentzahlen umgerechnet, ist der Anteil der Verstöße am alten Waldenfels erschreckend hoch. Von 1050 Fahrzeugen Richtung Bahnhofstraße fuhren 800 zu schnell; das macht 76,2 Prozent. Zum Staatsbad hin waren es noch mehr: Von 967 Fahrzeugen erklommen 904 die Steigung an der Wohnanlage zu hurtig: satte 93,6 Prozent.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag den Messungen zufolge in beide Richtungen weit über 40. Nur sechs Prozent der Autofahrer hielten sich an das vorgeschriebene Tempolimit. 48 Prozent hätten eine Verwarnung von fünf bis 55 Euro riskiert, 36 Prozent ein Bußgeld von mehr als 60 Euro.

Entspannung am Sinntalhof

Entspannter zeigt sich das Bild einen Tag später auf der Ernst-Putz-Straße auf Höhe Sinntalhof, nahe dem Hexenhäuschen. Dort gelten maximal 50 Kilometer pro Stunde. Die Zahl der Überschreitungen liegt weit geringer, bei insgesamt 352 von erfassten 1668 Fahrzeugen.

In Richtung Stadt bewegten sich 194 Autos zu schnell; das macht 23,6 Prozent von erfassten 821 Fahrzeugen. In Richtung Staatsbad lag die Quote bei 18,7 Prozent (158 Autos von 847). Die meisten Temposünder rissen die 50er-Marke um wenige Kilometer pro Stunde; einige rasten aber auch mit bis zu 86 Kilometern pro Stunde in die Messstelle. 18 Prozent der Verstöße lagen im Verwarnungsbereich (297 Fälle); 55 hätten ein Bußgeld nach sich gezogen (drei Prozent).

Schwerpunkt Heinrich-von-Bibra-Straße

Kritischer sieht es in der Fortsetzung der Ernst-Putz-Straße, der Heinrich-von-Bibra-Straße im Staatsbad, aus. Dort gilt – nicht nur am Messpunkt Bushaltestelle – Tempo 30. Wieder hielt sich die Mehrzahl der Autofahrer nicht dran: 54,7 Prozent (400 von 731) in Richtung Fahrradmuseum/Café M und sogar 67,6 Prozent in Fahrtrichtung Schlüchterner Straße/Züntersbach (516 von 763).

Straßenverkehr in Bad Brückenau: Tempomessung
Auch in der Heinrich-von-Bibra-Straße im Staatsbad Brückenau wird vergleichsweise oft zu schnell gefahren. // Steffen Standke

Die meisten Überschreitungen bewegten sich im Bereich bis 45 Kilometer pro Stunde. Der Höchstwert lag bei 76 Stundenkilometern, bei erlaubten 30. Stattliche 679 Autofahrer (45 Prozent) hätten ein Verwarngeld kassiert, 237 (18 Prozent) ein Bußgeld.

Auch an den Tennisplätzen in der Amand-von-Buseck-Straße wurde gemessen. Die dort geltenden 50 Kilometer pro Stunde beachteten fast 80 Prozent in beide Fahrtrichtungen. Aber: Am späten Abend des 27. November 2025 bretterte ein Autofahrer mit 98 Sachen durchs Staatsbad. Insgesamt hätte die Polizei 340 Verwarngelder und 62 Bußgelder verhängen können.

Gesittetes Fahren auf Bahnhofstraße

Erstaunlich wenig Übertretungen wurden Anfang Dezember 2025 an den Bad Brückenauer Durchgangsstraßen gemessen. So waren am BayWa-Technik-Standort in der Bahnhofstraße von 4194 erfassten Fahrzeugen in Richtung Deutschhaus-Kreuzung nur 178 zu schnell – 4,2 Prozent. Richtung Staatsbad waren es am selben Messpunkt 218 von 3955 (5,5 Prozent). Nur bei 26 Fahrern wäre ein Bußgeld fällig; Verwarnungen hätten 370 erhalten (fünf Prozent).  In der Bahnhofstraße wird oft auf Höhe Friedenskirche geblitzt – eine Erklärung für die gesittete Fahrweise.

Straßenverkehr in Bad Brückenau: Tempomessung
In der Bahnhofstraße in Bad Brückenau zeigen sich teilweise Effekte von Laserkontrollen. // Steffen Standke

Zügiger ging es auf der Umgehungsstraße am Rhön-Center zu. Genau ein Viertel der am 4. Dezember 2025 erfassten Fahrer in Richtung Bahnhofstraße hielt sich nicht an die vorgeschriebenen 50 Kilometer pro Stunde (1044 von 1480); entgegengesetzt waren es 9,3 Prozent (539 von 5825). Am Wohnmobilstellplatz steht oft ein mobiler Blitzer.

Gar keine Raserstrecke ist die Kissinger Straße. Ihre Überschreitungsraten, gemessen am Aldi: 4,3 Prozent Richtung Römershag und 3,2 Prozent Richtung Ancenis-Straße. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag dort am 8. Dezember, zwischen 14 und 16 Uhr, bei 43 bis 46 Kilometern pro Stunde (bei erlaubten 50). Dennoch wurden vereinzelt bis zu 89 Kilometer pro Stunde gemessen.

Unterhainstraße nur in eine Richtung auffällig 

Relativ auffällig zeigt sich die Unterhainstraße. Fast 40 Prozent der Autofahrer in Richtung Sinntor hielten sich am Pflegedienst Vivo am 1. und 2. Dezember nicht an die vorgeschriebenen 30 (536 von 1344). Richtung Altes Rathaus waren es noch 20,4 Prozent (304 von 1489). Der Höchstwert lag in der Nacht bei 71 Kilometern pro Stunde. Da die Überschreitungen meist moderat bis zu 40 ausfielen, wäre meist ein Verwarngeld fällig gewesen (768 Fälle, 27 Prozent). Bußgeldverdächtig fuhren 72 Autolenker (drei Prozent).  

Von der Buchwaldstraße wird gern behauptet, es werde zu schnell gefahren. Die Messungen geben dem recht. Die erlaubten Tempo-30 rissen bergaufwärts von 311 von 790 erfassten Fahrzeugen; 39,4 Prozent. Von den bergabfahrenden 879 Autos waren 371 zu schnell; 42,2 Prozent. Höchste Geschwindigkeit: 80. Eine „scharfe“ Messung hätte 583 Verwarngelder (35 Prozent) und 99 Bußgelder nach sich gezogen (acht Prozent).

Straßenverkehr in Bad Brückenau: Tempomessung
In der Buchwaldstraße wird explizit auf Fußgänger, speziell Kinder, hingewiesen. Viele Autofahrer stört das anscheinend wenig. // Steffen Standke

Bleibt als letzter Messpunkt die „Fundgrube“ an der Straße durchs Römerhager Industriegebiet. Auch dort gilt Tempo 30. 31,1 Prozent waren dort in Richtung Schulzentrum zu schnell (251 von 808); zur Kissinger Straße hin war es gar fast die Hälfte (46 Prozent, 372 von 809). Größter Ausreißer: Tempo 64.

Interesse an Ausweitung der Messungen

Konkrete Folgen hat die Messung vorerst nicht. Laut Bürgermeister Jan Marberg (SPD) zeigt der Stadtrat aber Interesse, sie zu wiederholen und auszuweiten. „Es geht um Disziplinierung und Gefahrenvermeidung, nicht ums Geldverdienen.“

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