1,70 Euro – soviel kostet die Kugel Eis bei Cornel Paraschivescu vom Eiscafé Coco in Bad Brückenau. Das ist weniger als bei anderen in der Kurstadt, aber 20 Cent mehr als im Vorjahr. Allgemein sind die Preise in den Eisdielen hochgegangen – auch im Landkreis Bad Kissingen. Die Kundschaft reagiert. Und manch ein Eisverkäufer profitiert.
Cornel Paraschivescu, Italiener mit rumänischen Wurzel aus der Region Veneto, hat gute Gründe für die Preiserhöhung. Der wichtigste: horrend gestiegene Kosten im Einkauf. „Der 25-Kilo-Sack Zucker ist von 17 auf 34 Euro gestiegen. Für Milch musste man im Großhandel zwischenzeitlich 1,40 Euro statt 70 bis 78 Cent zahlen – auch wenn der Preis langsam wieder runtergegangen ist.“
Zutaten und Strom kostet mehr
Der 40-Jährige bezieht seine Milch regional vom Grundhof aus Breitenbach. Dort sei der Preis halbwegs stabil geblieben. Aber die Zusätze wie Vanille, Nougat und Haselnuss haben ebenfalls angezogen.
So wie der Strompreis – von 31 auf 49 Cent pro Kilowattstunde (kWh), sagt Paraschivescu. Und er wäre noch teurer, hätte die Regierung nicht die Strompreisbremse eingeführt. „Wir verbrauchen fürs Eismachen 30.000 bis 33.000 kWh pro Jahr. Jetzt sind wir bei Kosten von knapp 19.200 Euro. Vergangenes Jahr waren es noch 5.000 Euro weniger.“
Noch höhere Preise sind nicht drin
Es klingt paradox: Eigentlich hätte Cornel Paraschivescu seine Eispreise noch höher schrauben müssen. Doch er traut sich nicht. „Meine Frau wollte; ich habe aber gebremst.“
Denn der Eisverkäufer möchte seine Kundschaft nicht vergraulen. „Was fällt in einer Krise als erstes runter? Der Luxus. Und wir sind Luxus.“ Einen drastischen Kundenrückgang wegen der höheren Preise muss der Italiener nicht verzeichnen.
Leute kaufen vermehrt im Supermarkt
Veranstaltungen wie zuletzt das Stadtfest würden bombastisch laufen; an manchen Tagen kämen im Schnitt aber auch weniger Gäste als früher. Und Paraschivescu hat vermehrt Menschen beobachtet, die lieber Eis in großen Packungen im Supermarkt kaufen. Was ihn in seiner Meinung bestärkt: „Wir dürfen nicht übertreiben.“
Und so ist der Preis für Spaghettieis im Café Coco von 6,80 auf 7,20 Euro eher moderat gestiegen. Und die Kugel in der Waffel oder im Becher eben von 1,50 auf 1,70 Euro. Wobei der Italiener betont, dass eine Kugel immer 80 bis 90 Gramm haben, also nicht zu klein sein sollte.
Café Kaiser erhöht Kugelpreis nicht
Gegen den Trend hat Nicolas Borst vom Café Kaiser in Bad Kissingen seine Preise nicht erhöht. Die Kugel kostet wie im Vorjahr 1,50 Euro. Wie macht er das? Zunächst sagt Borst: „Ich bin selbst Vater von zwei Kindern. Bei zwei Euro pro Kugel plus etwas Sahne – da ist man schnell bei 20 Euro. Wohin soll das nächstes Jahr führen? Zu 2,50 Euro die Kugel?“
Borst betont, dass er die selben erhöhten Kosten tragen muss wie alle anderen auch. Nur für die Milch zahle er rund 40 Cent weniger als im Großhandel, weil der Seniorchef sie in Ostheim ordere. „Ich habe gesagt: Wir halten die Preise so in der Hoffnung, dass es sich rumspricht und die Leute zu uns kommen.“
Mehr Kunden am Ausgabefenster
Eine Strategie, die aufzugehen scheint. „Am Ausgabefenster haben wir mehr zu tun als sonst. Ich verkaufe auch lieber zwei etwas günstigere Kugeln Eis als eine teurere.“ Dass Eisgeschäft rechne sich deswegen, weil es eine Mischkalkulation mit den gut gehenden Frühstücksangebot, Kaffee und Kuchen sei.
Der Unmut von Kunden über gestiegene Eispreise – er schlägt Tiziano Tonin vom Eiscafé Bassanese am Bad Kissinger Rosengarten manchmal entgegen. Eine Reaktion, die er nicht versteht. Tonin sagt: „Jede Eisdiele ist anders. Eis ist nicht gleich Eis.“
Fertigmischung oder natürliche Zutaten
Es gebe Unterschiede, ob man es mit Pulver anrühre oder handwerklich natürliche Zutaten zusammenfüge. Ob man Erdbeeraroma verwende oder frische Früchte. Ob die Milch konventionell oder Bio sei, gar Bioland-Kriterien entspreche.
Beim Bassanese kostet eine Kugel Eis 1,70 statt früher 1,50 Euro, spezielle Sorten wie Vanille oder Pistazie zwei Euro. Für natürliches Vanille-Aroma müsse man das Mark aus der Schote kratzen, es dann einen Tag stehen lassen. Das sei aufwendiger als einen fertigen Vanille-Zucker-Mix zu nutzen.
Für die Sorte Campari Orange muss laut Tonin erst Alkohol mit Zucker eingekocht werden, weil ersterer ja nicht gefriert.
Tiziano Tonin: Das Verständnis fehlt
Tiziano Tonin vermisst bei manchen das Verständnis für solche Prozesse. „Mit Eis kann man sich keine goldene Nase verdienen.“ Der Preisdruck sei sehr hoch. Den Umsatz des herausragenden vergangenen Jahres habe er nicht. Weniger Leute kämen nicht; sie kauften aber weniger Menge. „Ob es am Preis liegt, weiß ich nicht.“
Eine moderate Steigerung von 1,30 auf 1,40 Euro hat das Eis im Stadtcafé Hammelburg erfahren. Wie hoch der Preis ist, hänge auch von der Größe der Kugel ab, heißt es von dort. Dass die Hammelburger 1,80 Euro akzeptieren würden, könne man sich nicht vorstellen.
Eis-Anna ist ein Spezialfall
Eine Preiserhöhung auf 1,50 Euro hat Hubert Schmitt von der Eis-Anna in Schondra vorgenommen. Allerdings kostete die Kugel vorher einen Euro.
Natürlich spielen gestiegene Kosten für die Zutaten eine wesentliche Rolle. Aber Hubert Schmitt wollte auch das Bezahl- und Abrechnungssystem einfach halten. Er verspricht: „Dieser Preis wird wahrscheinlich die nächsten Jahre so bleiben, wenn sich nicht extrem etwas bei den Zutaten ändert.“
Gegenüber anderen besitzt die Eis-Anna eine Vorteil: Sie ist kein fester Laden, sondern eine familiengeführte mobile Eisdiele vor allem für Vereinsfeste, Märkte und Firmenevents; zusätzliche Personal- und Pachtkosten fallen keine an. Es gelten aber dieselben Hygienestandards wie für andere Eisanbieter.
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