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Bundeswehr Hammelburg
Übung: Wer baut eigentlich, worauf Soldaten schießen?
Auf der Schießbahn 8 im Truppenübungsplatz Hammelburg kontrollieren im Hintergrund Giovanna Hebig und Frank Michel die klappbaren Ziele.
Auf der Schießbahn 8 im Truppenübungsplatz Hammelburg kontrollieren im Hintergrund Giovanna Hebig und Frank Michel die klappbaren Ziele. // Ralf Ruppert
Hammelburg – Giovanna Hebig und Frank Michel reparieren, was andere kaputt schießen. Sie sind Zielbauer für die Bundeswehr. Ein außergewöhnlicher und vielfältiger Job,

Der Gegensatz könnte kaum größer sein: „Das ist ein Traumjob, ich liebe es“, sagt Giovanna Hebig, während sie im Schützengraben steht und auf das Gelände vor ihr schaut. Der betonierte Gang unter der Erde mit offenen Schießständen ist Teil der Schießbahn 8 im Truppenübungsplatz Hammelburg.

Der Boden des Schützengrabens ist frisch gekehrt. „Ich will, dass es immer alles sauber vorbereitet ist, wenn die Soldaten zum Schießen kommen“, sagt die 30-Jährige.

Die gelernte Schreinerin aus Weyersfeld ist relativ neu im Team der Zielbauer: Seit Juni 2021 arbeitet sie beim Bundeswehrdienstleistungszentrum. An ihrer Seite hat sie einen alten Hasen: Schießbahnwärter Frank Michel (50) ist seit mehr als 20 Jahren im Zielbau auf dem Lagerberg tätig.

„Dient der Ausbildung der Soldaten“

„Anfangs war das schon schwer für mich“, erinnert sich Frank Michel, und: „Es geht halt irgendwann alles kaputt, was man aufgebaut hat.“ Allerdings gewöhne man sich schnell ein, denn: „Unsere Arbeit dient ja der Ausbildung der Soldaten.“

Seine junge Kollegin Giovanna Hebig sieht das entspannter: „Mir war von Anfang an klar, dass das wieder zerschossen wird.“ Ihr mache die Arbeit jeden Tag Spaß. „Ich bin gerne draußen, und es ist abwechslungsreich hier.“ Neben den handwerklichen Aufgaben gehöre dazu die Zielbedienung am Computer.

Das Bundeswehrdienstleistungszentrum Hammelburg hat nach eigenen Angaben insgesamt rund 650 Mitarbeiter, darunter 60 Azubis und Anwärter. Insgesamt sind am Lagerberg rund 170 junge Menschen in Ausbildung.

Die hohe Quote an Nachwuchs führt Christoph Joa vom Bundeswehrdienstleistungszentrum unter anderem auf die Ausbildungswerkstatt für Mechatroniker in der Kaserne zurück. Aber auch in der Behörde selbst werde viel Wert auf Ausbildung gelegt.

Der Zielbau sei einer der größten Teilbereiche mit 41 Mitarbeitern alleine am Standort Hammelburg und weiteren 50 in Wildflecken. Zum Team gehören Schreiner, Hydraulik-Mechaniker und Elektriker.

Kommandantur leitet den Betrieb

Die Hierarchie auf dem Übungsplatz sei klar, betont Joa: „Die Truppenübungsplatzkommandantur legt fest, was hier stattfindet, wir sind die Dienstleister.“ Bei den Übungen hätten immer die Feuerwerker der Kommandantur das letzte Wort, da sie für den sicheren Betrieb verantwortlich sind.

Deshalb stimmen die Zielbauer auch im wahrsten Sinne des Wortes jeden Schritt mit der Kommandantur ab. Bevor sie eine Schießbahn betreten, klären Giovanna Hebig und Frank Michel erst die so genannte Vorgehtiefe ab, sprich: Wie weit dürfen sie vom Gefechtsstand aus nach vorne laufen, ohne dass Gefahren etwa von den benachbarten Schießbahnen drohen.

„Die Truppenübungsplatzkommandantur arbeitet eng mit dem Personal des Bundeswehrdienstleistungszentrum zusammen“, bestätigt der stellvertretende Kommandant Jörg Göbel. Ziel sei, der Truppe „eine gute und brauchbare Schieß- beziehungsweise Übungsanlage“ bereit zu stellen.

Kommandantur und Bundeswehrdienstleistungszentrum stellen den Sandkasten mit den Förmchen bereit, damit die Truppe eine Sandburg bauen kann“, sagt Göbel, und: „Das jeden Tag aufs neue, mal groß, mal klein. Immer möglichst nach den Wünschen der Truppe.“ Wichtig seien rechtzeitige Absprachen: „Für manche Ideen benötigen wir halt etwas mehr Zeit“, berichtet Göbel.

14 Schißebahnen auf dem Übungsplatz

Insgesamt 14 Schießbahnen gibt es im Truppenübungsplatz Hammelburg. Der Aufbau ist unterschiedlich, von Wiesen über Waldstücke und einen Parcours in der Höhe bis zum nachgestellten Dorf.

„Auf der Schießbahn 14 werden in Gebäude alte Türen eingebaut, die dann mit Sprengladungen geöffnet werden können“, nennt Christoph Joa ein Beispiel. Dagegen handle es sich bei der abgesiedelten Ortschaft Bonnland um ein Übungsdorf, in dem nicht scharf geschossen werden darf. Hier sei lediglich Manövermunition oder ein laserbasiertes Waffentrainingssystem erlaubt.

Auf der Schießbahn 8 geht es vor allem um den Geländekampf. So genannte Klappfallanlagen simulieren gegnerische Truppen: Per Funk gesteuert richten sich menschliche Umrisse auf. Ob wirklich darauf geschossen werden darf, hängt von der Gestaltung ab: Je nach Wunsch der übenden Truppe können eigene Truppen, Zivilisten oder eben gegnerische Truppen aufgestellt werden.

Die batteriebetriebenen und funkgesteuerten Ziele könnten alle auch beleuchtet werden. Auf alle Fälle seien bei Übungen die Sektorenbegrenzer immer beleuchtet, die den Soldaten anzeigen, bis wohin geschossen werden darf.

Umbau nach Wünschen der Truppe

Zudem gibt es 250 Meter lange Bahnen, auf denen menschliche Umrisse oder die Silhouette eines Panzers bewegt werden können. Ein echtes Panzerwrack neben der Schießbahn dient dann zum Üben etwa mit der Panzerfaust.

Gesteuert wird das alles vom Bediencontainer aus, kurz Turm genannt. Hinter den Gefechtsständen, bestehend aus Schützengraben sowie Barrikaden aus Holz und Beton haben die Mitarbeiter des Zielbaus einen guten Überblick übers Geschehen.

Entsprechend den Vorgaben der übenden Verbände wird die Schießbahn für jedes Schießen eigens umgebaut: Beim Schießdrill gehe es eher um das gezielte Schießen aus der geschützten Stellung heraus, beim Gefechtsschießen müssen die Soldaten das Gelände nutzen.

Auf Knopfdruck können die Zielbauer dabei Gefechtslärm einspielen, von „Maschinengewehr kurz“ über Mörser, Explosionen, Kettengeräuschen bis zu anfliegenden Hubschraubern. „Wir können auch einen festen Ablauf programmieren“, berichtet Giovanna Hebig. Dazu müssten sich die übenden Truppen nur rechtzeitig melden.

Taktische Erfahrung notwendig

Die Übung leite der übende Verband. „Aber wir können Hinweise geben, über die Jahre haben wir ja doch viel taktische Erfahrungen gesammelt“, sagt Frank Michel , der selbst Soldat war.

Die Mitarbeiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums und die Soldaten würden sich immer auf Augenhöhe begegnen, bestätigen die Zielbauer. Auch als eine von nur zwei Frauen im 35-köpfigen Team werde sie respektiert, ergänzt Giovanna Hebig.

Unter anderem sei sie nach dem Schießen für die Abnahme der Bahn zuständig: „Wenn die Soldaten das nicht sauber hinterlassen, schicke ich sie auch noch mal raus.“ Schließlich solle die nächste Truppe auch eine saubere Anlage vorfinden.

„Was kaputt ist, wird wieder repariert“, geht Giovanna Hebig die Arbeit beim Zielbau pragmatisch an. In Einzelfällen sei auch mal ihre Ausbildung als Schreinerin gefragt, etwa wenn eine neue Hütte gebaut oder Teile erneuert werden müssen. Die aufklappbaren Umrisse von Gegnern würden auch einiges aushalten. Zu erkennen ist das an  dutzenden Einschusslöchern.

Steuerbar sei auch, nach wie vielen Treffern der simulierte Gegner wieder nach unten geklappt wird: entweder gleich beim ersten Treffer oder erst nach mehreren.

Zuständig für 20 Dienststellen

Giovanna Hebig aus Weyersfeld hat nach ihrer Schreiner-Ausbildung zunächst einen Bundesfreiwilligendienst gemacht, danach war sie acht Jahre lang in der Behindertenarbeit tätig. Im Juni 2021 wechselte sie zum Bundeswehrdienstleistungszentrum.

Ihr Kollege Frank Michel aus Gemünden war in den 1990er Jahren Zeitsoldat in Tauberbischofsheim. Nach einer Station in  Wildflecken kam er vor mehr als 20 Jahren zum Zielbau nach Hammelburg.


Das Dienstleistungszentrum betreut insgesamt 20 Dienststellen in elf Liegenschaften. Der Zuständigkeitsbereich erstreckt sich von Aschaffenburg bis Bad Kissingen sowie von den Landkreisen Rhön-Grabfeld bis Miltenberg.

Schwerpunkt seien allerdings die Infanterieschule Hammelburg,  der rund 4000 Hektar große Truppenübungsplätze Hammelburg und der rund 7300 Hektar große Übungsplatz Wildflecken. Zudem ist die Behörde für  die Regionalausstellung auf dem Lagerberg zuständig.


Intern gibt es laut Joa die drei Bereiche Personalmanagement, Finanzen und das Facilitymanagement, also die Betreuung der Liegenschaften. Neben den Gebäuden gehe es vor allem ums Gelände, also um Landschaftspflege sowie den Straßen- und den Zielbau. Im Straßenbau seien in Hammelburg rund 14 Mitarbeiter im Einsatz, die die Wege betreuen und den Winterdienst organisieren. 

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