Die Kühltürme des ehemaligen Atomkraftwerks Grafenrheinfeld bei Schweinfurt sind Geschichte. Nach einer circa eineinhalbstündigen Verspätung, bedingt durch einen Mann, der auf einen Strommast gestiegen war, sind die beiden Kühltürme am Freitagabend, 16. August 2024, erfolgreich gesprengt worden. Tausende Schaulustige verfolgten die Sprengung, zwischenzeitlich ging das Mobilfunknetz sogar in die Knie.
Update 17. August, 12:00 Uhr
Preussen Elektra und Landratsamt Schweinfurt ziehen Bilanz
Am 16. August um 19.55 Uhr wurden die beiden Kühltürme des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld (KKG) erfolgreich und sicher zum Einsturz gebracht, heißt es in der Pressemeldung von Preussen Elektra und dem Landratsamt Schweinfurt.
36-Jähriger verzögert Sprengung
Der Sprengabbruch verzögerte sich aufgrund einer Protestaktion eines 36 Jahre alten Mannes, heißt es weiter. Die Klärung strafrechtlicher Verstöße ist Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Ob und in welcher Höhe zivilrechtliche Forderungen durch die Beteiligten geltend gemacht werden können, werde ebenfalls geprüft.
Die Polizei sicherte den Mann und der Sprengablauf wurde neu gestartet.
Gezielte Sprengungen im unteren Bereich der Türme
Der Abbruch wurde durch zwei gezielte Sprengungen im unteren Bereich der Türme eingeleitet. Dadurch fielen exakt um 19.55 Uhr zunächst der nördliche und ca. 15 Sekunden später der südliche Kühlturm in sich zusammen. Beide Türme kamen wie geplant an Ort und Stelle auf dem Boden auf.
Für die Sprengung wurde die Technologie der Fallrichtungssprengung, genauer gesagt Kipp-Kollaps-Sprengung, gewählt. Dies bedeutet, dass die Türme zunächst in eine vorgegebene Richtung angekippt wurden und anschließend kollabierten.
1.340 elektronische Zünder und 260 kg Sprengstoff
Hierfür wurden ab Ende Juni ca. 16 Meter lange Fall- und ca. 40 Meter hohe Vertikalschlitze in die Kühlturmschalen eingebracht. Zusätzlich wurden in die Hälfte der jeweils 72 Kühlturmstützen sowie im Bereich der Fall- und Vertikalschlitze zahlreiche Löcher gebohrt und mit Sprengladungen befüllt.
In Summe kamen 1.340 elektronische Zünder und 260 kg Sprengstoff zum Einsatz. Bei der gezielten Sprengung entstand in Kombination mit den angebrachten Schlitzen ein sogenanntes „Sprengmaul“, das die Kühltürme kontrolliert in sich zusammenfallen ließ.
Für einen sicheren Sprengabbruch begann das KKG-Projektteam bereits vor fast zwei Jahren mit Planung und Vorbereitung. Umso mehr freut sich Anlagenleiter Bernd Kaiser über den gelungenen Kühlturmabbruch und bedankte sich bei allen Beteiligten.
Bauschutt verbleibt größtenteils auf der Anlage
Durch die Sprengung entstanden rund 55.000 Tonnen Bauschutt, hauptsächlich Beton. Der Betonbruch wird aufbereitet und ein Teil davon zum Verfüllen einer der beiden Kühlturmtassen verwendet. Diese Fläche soll später als Lagerfläche für Materialien aus dem Rückbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld genutzt werden. Der restliche Teil des Betonbruchs sowie Kunststoffe und Metalle werden dem Wertstoffkreislauf zugeführt.
Wertschöpfende Nachnutzung des Kraftwerksgeländes im Blick
Über die Zukunft des Kraftwerksgeländes sagt Guido Knott, Vorsitzender der Geschäftsführung: „Mit der heutigen Sprengung haben wir die bekannte Silhouette von Grafenrheinfeld für immer verändert und Raum für Neues geschaffen." In Zukunft soll das Gelände für Energieerzeugung und -speicherung verwendet werden - genaue Pläne gibt es noch nicht.
Sicherer Verlauf durch Sicherheitskonzept
Damit das Ereignis für die Bevölkerung reibungslos verlaufen konnte, hatten Landratsamt und Polizei Schweinfurt ein umfassendes Sicherheitskonzept erarbeitet. Dazu gehörtze die weiträumige Absperrung um das Kraftwerk. Rund 50 Kräfte der Feuerwehr und rund 200 der Polizei waren vor Ort im Einsatz.
Update 16. August, 20:15 Uhr
Die Türme fallen – die verschiedensten Perspektiven
Bilder von zwei Hobbyfliegern:
Am interessantesten werden wohl die Bilder von zwei Hobbyfliegern sein - genauso interessant wie die Geschichte dahinter, die ein Wettlauf gegen die Zeit war:
Zwei Giganten fallen: die Kühltürme am AKW Grafenrheinfeld
Video: Sprengung der beiden Kühltürme am AKW Grafenrheinfeld
So sah die Sprengung aus der Vogelperspektive aus
Drohnenaufnahme der Sprengung der Kühltürme in Grafenrheinfeld
Die Sprengung der Kühltürme aus unterschiedlichen Perspektiven
AKW Grafenrheinfeld - Sprengung der Kühltürme
Update 16. August, 19.57 Uhr
Beide Türme sind erfolgreich gesprengt worden. Eine Rauchwolke überdeckte das Land.
Der dichte Rauch hüllte die Gegend rund ums Kraftwerk ein. Einige Menschen trugen Schutzmasken, manche husteten. Ein Mann, der im Kraftwerk gearbeitet hat, sagte auf die Frage, wie es ihm nach der Sprengung gehe: "Es fühlt sich schlecht an."
Update 16. August, 19.56 Uhr
Der erste Turm ist gefallen!
Der Polizeisprecher verkündet , dass der Aktivist vom Strommast geholt wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit findet die Sprengung heute noch statt, „sobald alle Personen aus dem Sperrbereich gebracht wurden“, heißt es.
Update 16. August, 19.00 Uhr
Ein Sprecher der Polizei verkündet in einer Live-Schaltung vor Ort, dass die Sprengung verschoben wird. Eine männliche Person hat offenbar den Sperrbereich betreten und befindet sich derzeit auf einem Strommast. Retter versuchen aktuell, den Mann zu bergen.
Update 16. August, 18.15 Uhr
In wenigen Minuten geht es los. Vor Ort haben sich viele Schaulustige versammelt, um das Spektakel zu beobachten.
Auf den Straßen und Feldwegen rund um das Kraftwerk ist viel los.
Chris mit Tochter Lina, Basti mit Hanna und Hund Abby, im Hintergrund die Türme. Kurz vor der Sprengung.
Diese Gruppe kommt aus Arnshausen, Oberbach und Reiterswiesen, bewaffnet mit Getränken.
Update 16. August, 17.00 Uhr
Noch stehen die beiden Kühltürme des AKW Grafenrheinfeld. In eineinhalb Stunden, um 18.30 Uhr, sollen sie gesprengt werden.
Update 16. August, 11.51 Uhr
Beispielfall Philippsburg: So sieht eine Kühlturm-Sprengung aus
Die Kühltürme des AKW Grafenrheinfeld sind nicht die ersten, die in Deutschland gesprengt werden. Im Jahr 2020 wurden die Kühltürme am Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg dem Erdboden gleich gemacht. Wer sich vor heute Abend schon einmal ein Bild davon machen will, wie so keine Sprengung aussieht, kann das hier tun.
Gesprengt werden sollen die beiden Kühltürme des AKW Grafenrheinfeld heute um 18.30 im Abstand von wenigen Sekunden. Fotos und Videos von der Sprengung finden Sie heute Abend an dieser Stelle oder auf den Facebookseiten Fränkischer Tag Haßberge, Die Kitzinger und auch dem Facebookauftritt der Saale-Zeitung, wo es auch einen Livestream der Sprengung geben wird.
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Sprengung in Grafenrheinfeld soll wie geplant ablaufen
Wie viel Sprengstoff für die insgesamt rund 34.000 Tonnen Stahlbeton, Metalle und Kunststoffe der beiden Kühltürme in Grafenrheinfeld nötig sind, verrät die zuständige Thüringer Sprenggesellschaft nicht. Insgesamt kostet der Abbruch der Kühltürme gut drei Millionen Euro.
Direkt nach der Sprengung kann kurzzeitig viel Staub in unmittelbarer Nähe des Kraftwerksgeländes in der Luft sein. Die Staubwolke wird sich aber wahrscheinlich nach wenigen Minuten aufgelöst haben. Der Kraftwerksbetreiber Preussenelektra rechnet auch nicht mit einer gesundheitsschädlichen Wirkung durch Feinstaub für Anwohner, weil Wohnhäuser schlicht zu weit weg sind.
Damit gesprengt werden kann, müssen vier von fünf 380-Kilovolt-Hochspannungstrassen, die in Grafenrheinfeld zusammenkommen und für die Stromversorgung von Europa wichtig sind, abgeschaltet werden. Deshalb spielt es auch eine Rolle, wie hoch die Belastung im europäischen Stromnetz gerade ist. Zurzeit ist aber nicht davon auszugehen, dass dem geplanten Termin für die Sprengung noch etwas im Wege steht. Der zuständige Energieverorger Preussen Elektra hält am anvisierten Zeitplan fest. (dpa/mk)
Update vom 14. August, 10.24 Uhr
Sprengung ein wichtiger Schritt im Mammutprojekt Rückbau von Grafenrheinfeld
Seit das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld 1982 ans Netz ging, waren die beiden riesigen Kühltürme das industrielle Wahrzeichen der Region. Weithin sichtbar stehen die Bauwerke noch immer in der Landschaft, obwohl das Atomkraftwerk seit Sommer 2015 nicht mehr am Netz ist. Der Rückbau einer solchen Anlage ist ein Mammutprojekt. Jetzt steht ein entscheidender Schritt an: Der Betreiber des Kraftwerks, Preussen Elektra, beabsichtigt, die beiden rund 140 Meter hohen Kühltürme zu sprengen, und zwar an diesem Freitag 16. August, gegen 18.30 Uhr.
Auf unserer Facebook-Seite berichten wir am Tag der Sprengung live. Hier geht es direkt zum Facebook-Live-Video, das wir am Freitag gegen 18.20 Uhr starten wollen. Darüber hinaus wird es auf unserem Internetportal im Nachgang einen ausführlichen Bericht geben.
So ist der Ablauf der Sprengung vorgesehen
Die Sprengung der Kühltürme wird durch mehrere Sprengsignale angekündigt und beendet. Die beiden Türme werden mit einem zeitlichen Abstand von etwa 15 Sekunden gesprengt. Dadurch wird der Sprengknall deutlich reduziert. Er wird ohnehin um ein Vielfaches leiser sein als der Donnerknall eines lokalen Gewitters, so das Landratsamt.
Die Sprengung wird durch Sprengsignale angekündigt und beendet:
- Ein langer Fanfarenstoß: Achtung! Nach diesem Signal darf sich keine Person mehr im Absperrbereich aufhalten.
- Zwei kurze Fanfarenstöße: Achtung! Es wird gezündet!
- Drei kurze Fanfarenstöße: Sprengung beendet. Dies kann auch erst über 60 Minuten nach der Sprengung erfolgen.
Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des AKW-Betreibers.
Auch die Gemeinde Grafenrheinfeld informiert auf ihrer Website über die bevorstehende Sprengung der Kühltürme am AKW.
Die Polizei sichert den Absperrbereich
Das zuständige Landratsamt Schweinfurt informiert über den Absperrbereich und Straßensperren am Tag der Sprengung. Bereits ab 15 Uhr wird deswegen um das Kraftwerksgelände per Allgemeinverfügung durch das Landratsamt ein Absperrbereich angeordnet.
Für einen sicheren Ablauf der Sprengung hat die Behörde gemeinsam mit der Polizeiinspektion Schweinfurt ein umfassendes Sicherheitskonzept erarbeitet. Polizeieinsatzkräfte werden die Sicherung des Absperrbereichs übernehmen. Das Betreten und jeglicher Aufenthalt im definierten Absperrbereich ist am 16. August ab 15 Uhr verboten, solange, bis das dritte Sprengsignal ertönt. Ausgenommen vom Betretungsverbot sind nur Personen mit Akkreditierung durch das Landratsamt.
Bußgeld von bis zu 1000 Euro droht
Der Absperrbereich wird durch die Polizei abgesucht. Ein Verstoß gegen das Betretungsverbot kann mit einem Bußgeld von bis zu 1000 Euro geahndet werden.
Der Bereich wird größtenteils über natürliche Grenzen (Main, gut einsehbare Wege) definiert. Erweiterungen des Absperrbereichs können durch die Einsatzkräfte nach Rücksprache mit der Einsatzleitung vor Ort erfolgen. Eine Kurzfassung steht für Bürgerinnen und Bürger über die Homepage des Landratsamts zum Abruf bereit.
Außerhalb des Absperrbereichs können öffentliche Wege und öffentlicher Grund grundsätzlich betreten werden. "Dabei ist zu beachten, dass Privatgrund nur mit Einverständnis des Eigentürmers betreten werden darf", heißt es in der Mitteilung des Landratsamts. Zudem ist es in jedem Fall wichtig, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist und die Rettungs- und Fluchtwege frei befahrbar sind.
Diese Straßensperrungen gibt es
Am Tag der Sprengung werden einige Zuwege für Kraftfahrzeuge gesperrt. Zudem betroffen ist die Staatstraße 2270 ab dem Kreisverkehr bei Bergrheinfeld bis zur Einmündung der SW 22 nach Garstadt. Der Verkehr wird entsprechend umgeleitet. Die gesperrte Staatsstraße kann gefahrlos zu Fuß genutzt werden. Die Verkehrswege werden nach erfolgter Sprengung wieder freigegeben.
Der Sperrbereich bei der Sprengung der Kühltürme in Grafenrheinfeld
Der Main wird komplett gesperrt
Der Main wird von Kilometer 324,0 bis 326,8 zumindest in der Zeit von 17.30 bis 18.30 Uhr für die Schifffahrt komplett gesperrt.
Drohnenflugverbot
Es herrscht ein generelles Drohnenflugverbot im Bereich des stillgelegten Kraftwerks, das sich dauerhaft aus der dortigen Flugverbotszone des Luftfahrtbundesamts ergibt. Die Polizei setzt zur Überwachung zusätzlich zu eigenen Drohnen und zu einem Polizeihubschrauber auch technische Einsatzmittel zur Detektion von Drohnen ein. Verstöße gegen die luftfahrtrechtlichen Bestimmungen werden konsequent geahndet, warnt das Landratsamt.
In Grafenrheinfeld lagert noch auf Jahre Atommüll
Während des Betriebs war es in dem Meiler zu mehreren meldepflichtigen Ereignissen gekommen, im November 2012 gleich zwei innerhalb weniger Tage. Unter anderem war am 16. November 2012 eine Kühlpumpe ausgefallen.
Auch ohne das laufende Kraftwerk ist Grafenrheinfeld aber noch immer Teil der bundesdeutschen Atompolitik - im Zwischenlager lagern seit 2006 radioaktive Abfälle. Es gibt zwei Lagerbereiche mit einer Gesamtkapazität von 88 Stellplätzen für Castorbehälter. Die Genehmigung sieht unter anderem eine zulässige Wärmeleistung von drei Megawatt vor und ist zunächst auf 40 Jahre befristet, läuft also nach bisherigem Stand 2046 aus.
(Mit Material von dpa)
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