Die Annonce, die rund um den Jahreswechsel auf einem großen Anzeigenportal im Internet erschien, wirkte recht geheimnisvoll: Nicht weil für eine Gastronomie im Staatsbad Brückenau mit 50 Plätzen innen und 30 außen ein Betreiber gesucht wurde. Sondern weil die Lokalität nicht konkret genannt wurde und eine Identifizierung mangels Fotos unmöglich war.
Viele Küchenkonzepte ausgeschlossen
Noch mehr Fragen warf der weitere Text auf: Die Anzeigenersteller schlossen vielerlei gastronomische Konzepte von vornherein aus, auch sehr gängige: keine Pizzeria, keine indische, keine südostasiatische Küche, kein Döner. Dies nicht etwa, weil sie diese Konzepte nicht mögen würden, sondern weil diese im Staatsbad vorhanden seien – oder nicht zu ihm passen.
Mitte Januar ging die Anzeige dann vom Netz – und die Suche der Redaktion begann. Wer möchte im Staatsbad eine Gaststätte eröffnen? Oder möchte ein alteingesessener Gastronom seinen Betrieb abgeben?
Badhotel und Castello Belvedere nicht im Angebot
Einige Kandidaten fielen schnell durchs Raster. Das Badhotel mit seinen 120 bis 140 Plätzen im Innen- und Außenbereich etwa. Oder das vergleichbar dimensionierte Castello Belvedere. Außerdem haben deren Betreiber ihre Pachtverträge mit dem Freistaat Bayern, abgeschlossen, vertreten durch die Staatliche Kurverwaltung.
Gleiches gilt für die Betreiber des Royal Curry mit seiner indischen Küche im Haus Löwe. Sie haben erst im Juni 2025 neu eröffnet. Außerdem: Wenn die Kurverwaltung etwas neu verpachten möchte: Warum sollte sie eine so geheimnisvolle Anzeige ohne Foto der Immobilie schalten?
Kurverwaltung übernimmt Vermietung
So bestätigt der stellvertretende Kurdirektor Titus Tesar, dass die Ausschreibungen freistaateigener Gastronomiebetriebe offiziell die Kurverwaltung übernimmt. „Die Pächter können eigenständig nach Nachfolgern suchen und welche vorschlagen. Aber die Auswahl treffen wir.“
In Rhönstübchen läuft noch Umbau
Das frühere Rhönstübchen gegenüber des Castello Belvedere gehört zwar nicht dem Freistaat, scheidet aber trotzdem aus. Deren neue Besitzer renovieren noch und wollen in dann runderneuerten Räumen an der Wernarzer Straße frühestens im August oder September ein Café oder Bistro eröffnen, heißt es auf Anfrage. Dann seien im Innenbereich maximal 30 Plätze verfügbar und in etwa genauso viele draußen. Zwar tragen die Neuen sich auch mit dem Gedanken, einen Koch einzustellen und ein Restaurant zu betreiben. Die Anzeige geschaltet haben sie aber nicht.
Café M: Betreiber machen weiter
Bliebe das Café M am anderen Ende des Schlossparks, im Gebäude des Deutschen Fahrradmuseums. Wollen Heike Fürst und ihr Partner Thomas Kaak in den Ruhestand gehen? Fürst dementiert: „Die Anzeige stammt nicht von uns. So lange es uns gesundheitlich gut geht, tragen wir uns nicht mit dem Gedanken, aufzuhören.“
Hotel am Park auf Pächtersuche
Fündig wird die Redaktion schließlich bei Jürgen Bohn und Luz Aidee Gutierrez Suarez, den Betreibern des erst im Mai 2025 eröffneten Hotels am Park, ebenfalls Wernarzer Straße. „Wir verpachten nur das Restaurant“, sagt Bohn auf Anfrage. Der ursprüngliche Gedanke sei gewesen, dass das Paar nur den Hotelbetrieb manage und ein Externer die Bewirtung übernehmen solle.
Momentan bieten Bohn und seine Frau täglich ein Frühstücksbuffet an – sowohl für Gäste, die in ihrem Haus einchecken, als auch für solche von außerhalb.
Inhaber sieht viel Potenzial
Der Unternehmer, der außer dem Hotel eine Firma für Lüftungs- und Filtertechnik am Bad Brückenauer Buchrasen betreibt, sieht indes viel Potenzial für ein ins Hotel integriertes eigenständiges Restaurant: durch Laufkundschaft wie Radfahrer und Wanderer, vor allem aber Patienten der Kliniken im Staatsbad und ihre Angehörigen.
Der Markt für gutbürgerliche deutsche Küche sei vorhanden. Denn das Rhönstübchen und der Rhönhof in Oberleichtersbach seien derzeit geschlossen. Nur für die Hausgäste lohne sich eine Mittags- und Abendbewirtung aber nicht.
Einige Bewerber für Restaurant
Bewerbungen auf seine Anzeige hat Jürgen Bohn einige erhalten; er spricht von „rund zehn Interessenten“. Ende Februar entscheide sich, ob ein Pächter die Gastronomie übernehme oder ob das Hotelier-Paar es selbst mache.
Bei seinem im Mai 2025 eröffneten Hotel sieht Bohn „die Erwartungen übertroffen”. Der Betrieb sei sehr gut angelaufen; der Vorlauf an Buchungen stimme.












