Die Sache ins Rollen brachte eine nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung: Sebastian Gensichen und seine Frau Andrea besuchten oft und gern das „Castello Belvedere“ und die bisherige „Caffetteria Dolce Vita“, angesiedelt in einem Pavillon im Wandelgang, gleich gegenüber dem Dorint-Hotel.
So war es auch im Sommer 2025: Gensichen kam mit Angelo Valenzano, Betreiber beider Gastronomien, ins Gespräch. Der 42-jährige Unterleichtersbacher sagte eher im Scherz, der Italiener könne sich bei ihm melden, wenn er sein „Dolce Vita“ nicht mehr bewirtschaften wolle.
Chance für Erfüllung eines Traums
Der Anruf kam schneller als gedacht. Valenzano habe das Café „aus Alters- und Zeitgründen abgeben“ wollen, sagt Gensichen. Mit seinem Restaurant im Bellevue sei er gut beschäftigt.
Für den ehemaligen Mitarbeiter von Hanse-Haus und jetzt Selbstständigen im Bereich Digitalisierung, Prozessautomation, Künstliche Intelligenz und Marketing wurde ein Traum wahr. „Ich wollte schon immer ein Café betreiben.“ Die Gespräche mit der Staatlichen Kurverwaltung seien gut verlaufen. Seit dem 15. September 2025 läuft Gensichens Pachtvertrag mit dem Freistaat Bayern als Eigentümer des Pavillons.
Mehr Barcharakter
Die von Valenzano eingepasste Caffetteria-Einrichtung haben die beiden Unterleichtersbacher übernommen, ihrem „Lola coffee & more“ aber ihre eigene Note verliehen. Direkt an den Fenstern haben sie Hochsitze ergänzt. Damit wollen die Gensichens den bisherigen Charakter des Lokals um den einer Bar erweitern, die ganzjährig auch abends bespielt werden kann.
Name „Lola“ naheliegend
Der Name „Lola“ klingt vielleicht nicht originell, war aber naheliegend. „Er zeigt den Bezug zum Staatsbad; damit können die Menschen etwas anfangen.“ Lola Montez war die Geliebte König Ludwigs I.; sie residierte häufiger im späteren „Brückenau Bad“.
Ein Lokal mit dem Namen „Lola’s“ gab es bis vor wenigen Jahren im Haus Löwe, dort, wo heute das „Royal Curry“ indische Küche anbietet. Sebastian Gensichen sieht in dieser Ähnlichkeit kein Problem. „Der Name ist aktuell frei.“
Mehrtägiger Probelauf
Die offizielle Eröffnung ihres Lokals feiern die Gensichens am Samstag, 10. Januar 2026. Vorher fand ein mehrtägiger Probelauf statt, „um Abläufe zu üben“, wie der Neu-Gastronom informiert. Der inoffizielle Start verlief vielversprechend; das Café mit seinen acht Tischen und 25 bis 30 Plätzen war meist gut gefüllt.
Nun bescherte der Kalender zu Jahresbeginn bis Dreikönig ein Wochenende und einige Brückentage; viele hatten frei. Das dürfte auch die Plätze des „Lola“ zum Beispiel durch Hotel- und Kurgäste samt ihrer Angehörigen überdurchschnittlich gut gefüllt haben. Doch die zähen Wintermonate Januar und Februar sowie der vermutlich ungemütliche März kommen noch. Die Sommersaison zieht wohl erst Ende April richtig an.
Bestimmte Ruf erarbeiten
Sebastian Gensichen bleibt aber zuversichtlich, was sein Café angeht. „Die Kur- und Hotelgäste kommen während ihres Aufenthaltes im Staatsbad vielleicht ein- bis zweimal hierher. Aber es wäre doch das beste Kompliment, wenn die Menschen aus Bad Brückenau und Umgebung sagen: ‚Wir treffen uns regelmäßig hier.‘“
Da sei er Kind der einstigen „Tangente“ in Bad Brückenau, die der Unterleichtersbacher früher mehrmals in der Woche besuchte. Und in Würzburg würden viele Leute sagen, sie gingen „in die Marina“. Die „Marina“ ist eine Hafenbar direkt am Main, die auch mal von einem gebürtigen Riedenberger betrieben wurde. Einen ähnlichen Ruf will sich Gensichen fürs „Lola“ erarbeiten.
Dazu beitragen soll die regionale Herkunft einiger Produkte: So beziehen die Gastronomen ihren Kaffee von „Majas Coffee“, einer Rösterei aus Ramsthal. Ebenfalls aus Ramsthal stammt der Wein von Winzer Baldauf.
Keine Hauruckaktion
Der 42-jährige Gastro-Neuling betont, dass das Café „keine blauäugige Hauruckaktion“ sei. Für seinen Betrieb hat er einschlägige Kurse besucht. Seine Frau Andrea kann Erfahrungen im Gastrobereich vorweisen. Sie ist gelernte Hotelfachfrau und hat unter anderem in den Dorint-Hotels in Bad Brückenau und Würzburg gearbeitet, dazu im früheren Regena-Gesundheitsresort und in der Klinik von Weckbecker.
Wie zuletzt wird das „Lola“ künftig täglich ab 14 Uhr bis circa 18, 19 Uhr geöffnet sein, „je nachdem, was anfällt“. Von ihrer Hauptarbeit her können sich die Gensichens das gut einteilen. Genaue Öffnungszeiten werden über die Café-eigene Internet-Homepage und via Instagram veröffentlicht. „Sicherlich wird es Ruhetage geben. Aber jetzt wollen wir erst mal schauen, wie es angenommen wird.“
Auch über ein Frühstücksangebot denkt Gemsichen nach.
Entlastender Selbst-Service
Zunächst will er den Betrieb, unterstützt durch seine Frau, allein unterhalten. Zur Sommersaison, wenn im Außenbereich bis zu 150 Plätze bedient werden müssen, soll zusätzlich Personal eingestellt werden.
Für Entlastung soll in der warmen Jahreszeit ein personalsparender „Selbst-Service“ sorgen. Dafür hat Gensichen seitlich der Bar extra eine neue Tür mit Ausgabefenster einbauen lassen. Dort können Gäste sich ihren Kaffee oder Wein selbst abholen. Pate für diesen „Wandel-Schoppen“ stand der Brückenschoppen an der Alten Mainbrücke in Würzburg.
Sebastian Gensichen kann nicht versprechen, dass im „Lola coffee & more“ alles von Beginn an perfekt funktionieren wird. Aber er verspricht, „dass wir uns bemühen werden, dass für jeden Gast alles passt“.

















