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Gastfreundlichkeit
Das Badhotel: Eine Institution im Kurpark
Ulrike und Joachim Pfaff arbeiten seit 25 Jahren im Staatsbad und führen das Badhotel seit 15 Jahren. Dabei haben sie viel erlebt.
Ulrike und Joachim Pfaff arbeiten seit 25 Jahren im Staatsbad und führen das Badhotel seit 15 Jahren. Dabei haben sie viel erlebt. // Steffen Standke
Staatsbad Brückenau – Seit 25 Jahren sind Joachim und Ulrike Pfaff als Gastronomen und Hoteliers im Staatsbad selbstständig. Dass sie ein Haus wie das Badhotel leiten würden, hätten sie nicht gedacht.

Der Traum vom kleinen Restaurant oder Café – er regte sich bei Joachim und Ulrike Pfaff Mitte der 1980er, in den Alpen, in Bayerischzell. Damals hätte das Ehepaar nie daran gedacht, einmal ein Haus mit 60 Betten zu leiten. Jetzt tun sie das im Badhotel seit 15 Jahren. Mit Höhen, aber auch Tiefen.

Die Geschichte beginnt mit einer Anzeige in der Tageszeitung im Jahr 1998. Ein etabliertes Restaurant beziehungsweise Café im Staatsbad war da zu verpachten. Es handelte sich aber nicht um das Badhotel, sondern ums „Mariental“. Und das war eigentlich eine Kurpension.

Erst Betreiber des Mariental

Joachim Pfaff, der aus Schmalwasser stammt, und seine Frau Ulrike aus Windheim bei Hammelburg griffen trotzdem zu; der Pachtvertrag galt ab 1. April 1998.

Zuvor hatte das Ehepaar weniger sesshafte Jahre hinter sich. Joachim Pfaff lernte Koch und Küchenmeister, arbeitete wie seine Frau in Bayerischzell, im Alpenhotel Oberjoch in Bad Hindelang und auch lange als Küchenchef im Laudensack in Bad Kissingen. Das Engagement im Mariental brachte die beiden nach Bad Brückenau.

Badhotel war Ausweichstätte des Dorint

Zehn Jahre führten die Pfaffs die Kurpension mit ihren 18 Zimmern und nicht ganz 30 Betten, bauten eine Gastronomie auf; dann kam das Badhotel ins Spiel. Laut Joachim Pfaff war das zwischen 1823 und 1825 gebaute historische Gebäude im Besitz des Freistaates Bayern damals etwas stiefmütterlich behandelt worden. „Das benachbarte Dorint nutzte es als Ausweichbelegung, wenn das eigene Haus voll war“, erinnert sich der 59-Jährige. Und auch daran, dass im um 1900 entstandenen heutigen Empfangsbereich eine Tischtennisplatte stand.

Die ursprüngliche Idee, eine Untervermietung mit dem Dorint zu installieren, scheiterte am Unwillen beider Seiten. Ihren am 1. März 2008 beginnenden Pachtvertrag für das Badhotel schlossen die Pfaffs dann direkt mit dem Freistaat. Ihre Gäste aus dem Mariental, das heute unter dem Namen Kanada-Haus firmiert und sich selbst „internationales Missions- und Gästehaus“ nennt, nahmen sie kurzerhand mit.

Der Standort überzeugte

„Der Standort in der Wernarzer Straße war schön. Aber hier im Park ist es natürlich schöner“, sagt Pfaff heute. Das weitaus größere Dorint vis-a-vis sieht er nicht als Konkurrenz; man kooperiere weiter. Das Vier-Sterne-superior-Haus und sein 3-Sterne-superior-Badhotel würden sich gut ergänzen. So nimmt der Hotelier immer mal wieder Gäste auf, die nicht im Dorint unterkommen.

Als Joachim Pfaff und seine Frau im Mariental anfingen, kamen noch viele Kurgäste, die vorbeugende Kuren absolvierten. Doch die Pflegereform ab Mitte der 1990er-Jahre warf ihre Schatten voraus. Heute belegen mehr Menschen mit Anschlussheilbehandlung die Kliniken im Staatsbad, die körperlich schlechter in der Lage sind auszugehen.

Ein großes Loch riss dieser Wandel nicht in Pfaffs Buchungsliste für Hotel und Restaurant. Mehr schon die mehrmonatige Schließung der Hartwaldklinik wegen Umbaus 2004.

Glück in der Corona-Pandemie

Den größten Einschnitt stellte aber zweifelsohne die Corona-Pandemie dar. Wobei die Pfaffs während der beiden großen Lockdowns noch Glück hatten. Denn Geschäftsreisende durften sie weiter aufnehmen. Auch wenn die auch spärlicher eintrafen.

Auf 80 Prozent schätzt Joachim Pfaff den Einbruch während der Pandemie. Die meisten Mitarbeiter seien auch in Kurzarbeit gewesen.

Dennoch war immer jemand für die (wenigen) Gäste da. Die bekamen ihr Essen teilweise sogar aufs Zimmer – natürlich unter den geltenden hygienischen Beschränkungen.

Corona beeinflusste Geschäft nachhaltig

Corona hat das Geschäft im Badhotel auch nachhaltig verändert. „Die Leute verreisen öfter, dafür aber kürzer.“ Ohne die großen Buchungsportale im Internet gehe nichts mehr. Es gebe weniger Stammgäste, auf deren Buchung für einen bestimmten Zeitraum man sich früher verlassen konnte.

Alles in allem ist Joachim Pfaff aber zufrieden. Und stolz, nun schon 25 Jahre als freiberuflicher Unternehmer im Staatsbad tätig zu sein. „Es kommt nicht so häufig vor, dass Leute, die sich selbstständig machen, so lange durchhalten. Das schaffen nur zehn Prozent.“ Für dieses Jubiläum erhielt das Ehepaar kürzlich von der Industrie- und Handelskammer Unterfranken eine Urkunde.

Ein paar Jahre weitermachen wollen die beiden schon noch. Zumal in zwei Jahren der 200. Geburtstag des Badhotels ansteht. Und der Pachtvertrag mit dem Freistaat läuft auch noch ein paar Jahre.

Fachkräftemangel bereitet Sorgen

Sorgen macht sich Joachim Pfaff wegen des Fachkräftemangels. Als er 1998 im Staatsbad angefangen habe, habe noch ein Stapel Bewerbungen auf seinem Tisch gelegen; jetzt müsse man Interessenten suchen. Die Diskussion um die Vier-Tage-Woche sei da nicht hilfreich.

Doch der 59-Jährige bleibt guter Dinge. „Es macht immer noch Spaß. Ich sehe positiv in die Zukunft.“

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