Vor 17 Jahren begann in Schildeck eine Geschichte, die zeigt, wie aus handwerklichem Können, Mut und Ideenreichtum ein Unternehmen entstehen kann, das heute bundesweit Maßstäbe setzt. Was Matthias Schäfer damals als Ein-Mann-Betrieb gründete, ist heute die Holzakzente GmbH & Co. KG – mit knapp 40 Mitarbeitenden, einem modernen Firmengebäude samt großzügiger Produktionshalle, eigener Entwicklungsabteilung und einem klaren Profil: der Verbindung von traditionellem Schreinerhandwerk mit moderner Innovationskraft.
Dass Holzakzente dafür nun mit dem „Großen Preis des Mittelstandes 2025“ ausgezeichnet wurde, ist die Krönung einer Unternehmensentwicklung, die von Wandel, Mut und Teamgeist geprägt ist. „Für uns ist dieser Preis mehr als eine Auszeichnung – er ist Anerkennung für den Weg, den wir gegangen sind“, sagt Inhaber und Geschäftsführer Matthias Schäfer.
Früh auf Ladenbau spezialisiert
Holzakzente hat sich früh auf den Ladenbau spezialisiert und ist heute besonders für Einrichtungen im Bereich Wäsche – von klassischer Bodywear bis zu exklusiver Lingerie – bekannt. Mit kreativen Shopkonzepten und individuellen Möbeln hat das Unternehmen bereits zahlreiche Marken in Deutschland, im europäischen Ausland und darüber hinaus ausgestattet.
Eindrucksvoll war in den letzten Jahren zum Beispiel ein Auftrag für einen internationalen Drogerie- und Kosmetikkonzern. Holzakzente entwickelte ein spezielles Möbelstück für den „Travel-Size-Bereich“, produzierte innerhalb von nur sechs Wochen 1000 Stück, lieferte sie in 13 europäische Länder und platzierte sie auf den Ladenflächen. Eine logistische wie handwerkliche Meisterleistung, die zeigte, wozu ein mittelständischer Betrieb aus der Rhön fähig ist.
Dass ein Schreinerbetrieb den Großen Preis des Mittelstandes erhält, ist nicht selbstverständlich. In diesem Jahr waren bundesweit 4208 Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten nominiert, davon 836 aus Bayern. Am Ende konnten sich weniger als ein Prozent der Nominierten durchsetzen.
Die Jury würdigte mit Holzakzente ein Unternehmen, „das nicht nur wirtschaftlich erfolgreich ist, sondern in den Wettbewerbskriterien auch durch Innovationskraft, soziale Verantwortung und regionale Verwurzelung überzeugt“. Die Auszeichnung ist umso bemerkenswerter, weil der Weg dorthin alles andere als einfach war. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie eng der Ladenbau mit dem Schicksal des stationären Handels verknüpft ist. Während der Pandemie mussten zahlreiche Geschäfte über Monate schließen. Für Holzakzente bedeutete das den Verlust laufender Aufträge, viele langjährige Kunden gingen sogar in die Insolvenz.
Warum die Branche unter Druck steht
Nach der Wiederöffnung blieb der Einzelhandel zurückhaltend, größere Investitionen in neue Konzepte wurden aufgeschoben – mit deutlichen Folgen für den Umsatz. Auch heute steht die Branche unter Druck, denn der Boom des Onlinehandels verändert Kaufverhalten und Märkte, er zwingt den stationären Handel dazu, sich neu zu erfinden. Für den Ladenbau bedeutet das, dass Erlebnischarakter, flexible Lösungen und innovative Konzepte gefragter denn je sind.
Das Unternehmen Holzakzente versucht, diesen Wandel aktiv mitzugestalten. So entwickelte Holzakzente die schmalste Schlitzschiene Europas, die Ladenbau extrem ressourcensparend möglich macht und inzwischen sogar stromführend weiterentwickelt wurde – ein Durchbruch für die Digitalisierung im Einzelhandel. „Alle reden von Digitalisierung, aber kaum jemand denkt daran, wie der Strom an den Point of Sale kommt“, so Schäfer. (Der Point of Sale bezeichnet einen Verkaufsort, etwa in Einzelhandel oder Gastronomie; Anm. d. Red.)
Weitere Entwicklungen tragen ebenfalls die Handschrift von Holzakzente, so beispielsweise das modulare Ladenbaukonzept „modustore“, das sich umweltschonend versenden und nahezu werkzeuglos und kostensparend aufbauen lässt. Die Pandemie brachte das Unternehmen dazu, sich außerdem auch in Bereiche fernab der Kernkompetenz Ladenbau zu wagen.
Zusammenarbeit mit Forschung und Industrie
So entwickelte es ein Schnell-Sanierungssystem für große WC-Anlagen, das aus vorkonfigurierten Wandmodulen besteht, dadurch Bauzeiten vor Ort drastisch verkürzt und dem Sanierungsstau in Großstädten entgegenwirken kann. Solche Ideen entstehen in einer Firmenkultur, die Kreativität fördert, Mitarbeiterideen aufgreift und eng mit Partnern aus Forschung und Industrie zusammenarbeitet. „Wir wollen nicht nur Möbel bauen, sondern aktiv Lösungen finden, die Zukunft gestalten – egal, in welchen Bereichen“, erklärt Schäfer. „Dabei denken wir immer an Nachhaltigkeit – für unsere Kunden genauso wie für die Umwelt.“
Firma deckt eigenen Energiebedarf
Bereits beim Bau des Firmengebäudes 2013 setzte Holzakzente auf Umweltschutz. Eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert den Großteil der benötigten Energie und die Heizanlage wird durch Verschnittreste aus der Produktion gespeist. So deckt das Unternehmen einen Großteil seines Energiebedarfs selbst, produziert nahezu klimaneutral und kann damit zugleich den stark gestiegenen Energiekosten trotzen, die viele andere Betriebe hart treffen. Auch die Holzpreiswelle schwächte Holzakzente kaum, da im Ladenbau überwiegend MDF- und andere Plattenwerkstoffe zum Einsatz kommen, die nicht den enormen Preissprüngen von Massivholz unterliegen.
Neben Innovationskraft zählen auch Bodenständigkeit und regionale Verwurzelung zu den Markenzeichen des Unternehmens. Jährlich werden technische Produktdesigner/innen und Schreiner/innen ausbildet und Projekte vor Ort finanziell unterstützt.
So ist aus einer kleinen Schreinerei in der Rhön ein Unternehmen gewachsen, das Handwerk, Kreativität und Zukunftsorientierung verbindet.
Die Auszeichnung von Holzakzente mit dem Großen Preis des Mittelstandes ist für die Region Rhön ein starkes Signal und für Matthias Schäfer und sein Team eine Bestätigung ihres eingeschlagenen Weges.



















