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Tourismus
Bad Kissingen: Wo bleibt der Welterbe-Effekt?
Hotelier Heinz Stempfle, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, spricht beim Neujahrsempfang.
Hotelier Heinz Stempfle, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, spricht beim Neujahrsempfang. // Sigismund von Dobschütz
Wenn die Deutschen sparen müssen, sparen sie zuerst am Restaurantbesuch, sagt BHG-Kreisvorsitzender Heinz Stempfle.
Wenn die Deutschen sparen müssen, sparen sie zuerst am Restaurantbesuch, sagt BHG-Kreisvorsitzender Heinz Stempfle. // Sigismund von Dobschütz
LKR Bad Kissingen – Erst Lockdown, dann Energiekrise: Hotels und Gastronomiebetriebe hatten es in den letzten Jahren schwer. Warum es dennoch Grund zur Hoffnung gibt.

Nach zweijähriger Pandemie-Pause hatte der Kreisverband des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) wieder zu seinem Neujahrsempfang eingeladen. Fast 90 Gäste aus Wirtschaft und Handel, Regionalpolitik und Öffentlichem Dienst sowie Vertreter aus Tourismus, Hotellerie und Gastronomie konnte BHG-Kreisvorsitzender Heinz Stempfle im Festsaal des Hotels Sonnenhügel wie immer namentlich begrüßen.

Auswirkungen der Pandemie

In seinem Rückblick auf „zwei für unsere Branche schweren Jahre“ verwies der Kreisvorsitzende noch einmal auf die mit zwei Lockdowns öffentlich erkennbaren Auswirkungen der Pandemie in der Tourismus- und Gastronomie-Branche. „Wir waren die ersten, die vollständig schließen mussten, und die letzten, die endlich wieder öffnen durften.“

Wegen verspäteter und oft unzureichender Auszahlung staatlicher Finanzhilfen hatten Betriebe auf ihre Rücklagen zurückgreifen, andere ihre Altersversorgung auflösen und im schlimmsten Fall neue Kredite aufnehmen müssen.

Fachkräftemangel

Zu den Folgen der Pandemie gehören nach Stempfles Aussage nicht nur finanzielle Einbußen, die trotz einer guten Saison 2022 noch nicht ausgeglichen werden konnten, sondern auch der akute Mangel an Fach- und Hilfskräften, nachdem viele Mitarbeiter aus Angst vor weiterer Unsicherheit in der Gastronomie in andere Branchen abgewandert sind.

Energiekrise

Kaum hatte sich die Situation im Gastgewerbe im vergangenen Jahr einigermaßen beruhigt, so dass die Werte fast jene des Vor-Corona-Jahres erreicht hatten, droht den Hotels und Gaststätten neues Unheil durch rasant gestiegene Energie- und Rohstoffpreise in Folge des Ukraine-Kriegs und staatlicher Sanktionen. „Bleibt den Deutschen noch genügend Geld für den Besuch von Restaurants und zum Reisen?“, fragte Stempfle. „Wie wir aus der Vergangenheit wissen, sparen die Deutschen zuerst beim Restaurant-Besuch.“

Ferienwohnungen und Campingplätze florieren

Doch trotz möglicher trüber Aussichten für 2023 sah der BHG-Kreisvorsitzende durchaus Chancen: Nach einer aktuellen Umfrage denken 60 Prozent der Bundesbürger verstärkt über Urlaub mit Selbstversorgung nach, über preiswerte Aufenthalte in Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen. „Gerade hier im Landkreis gibt es eine Vielzahl passender Angebote“, machte Stempfle der hiesigen Branche Hoffnung.

Auf gute Anbindung angewiesen

Drei konkrete Bitten für das Jahr 2023 richtete der BHG-Kreisvorsitzende an Bad Kissingens Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD): Auf der Suche nach einer verträglichen Lösung bei der Sanierung der drei Straßenbrücken zwischen Bad Bocklet und Bad Kissingen möge er sich aktiv für beide Staatsbäder einsetzen. „Bad Bocklet und seine Gäste sind auf die problemlose Anbindung an Bad Kissingen angewiesen.“ Zur Vermarktung gerade dieses touristischen Mehrwerts sei einst die Bäderland Bayerische Rhön GmbH gegründet worden.

Gästekarten gegenseitig akzeptieren

Aus gleichem Grund möge sich der OB für die erneute Akzeptanz aller Gästekarten im Staatsbad Bad Brückenau einsetzen. „Die gegenseitige Anerkennung unserer Gästekarten ist das Rückgrat unseres Bäderlandes.“

Welterbetitel wirkt sich noch nicht aus

Schließlich bat der BHG-Kreisvorsitzende, die Vermarktung des im Sommer 2021 verliehenen Welterbe-Titels voranzutreiben. „Bisherige Aktivitäten scheinen sich noch nicht ausgewirkt zu haben, da Bad Kissingen in 2022 die Übernachtungszahlen des Vor-Corona-Jahres 2019 nicht erreicht habe.

Es werde keine deutschlandweite Kampagne geben, nahm OB Dirk Vogel in seinem Grußwort diesen Punkt auf. Dafür reichen die Mittel nicht. „Wir sprechen stattdessen bestimmte Regionen und Zielgruppen gezielt an.“

Nur Kur und Reha sind zu wenig

Der aktuellen Situation des Gastgewerbes hielt er entgegen, dass es in der Vergangenheit falsch gewesen sein, in Bad Kissingen nur auf Kur und Reha zu setzen. „Die kluge Hausfrau hatte schon früher mehrere Eisen im Feuer.“ Bad Kissingen müsse deshalb auch ein interessanter Standort für ergänzendes Gewerbe und Industrie werden. Nach Aufzählung einiger städtischer Aktivitäten zur wirtschaftlichen Belebung der Stadt forderte er alle auf, gemeinsam an diesen Zielen mitzuarbeiten. „Gemeinsamkeit ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Zusage bei Brückensanierung

Landrat Thomas Bold dankte den Gastronomen, dass sie zwei Jahre durchgehalten habe. „Es sind auch Betriebe weggefallen.“ Gastronomie und Hotellerie seien von hoher Bedeutung, stellen sie doch 30 Prozent aller Beschäftigten im Bäderland. Allerdings sei der Fachkräftemangel im Landkreis deutlich spürbar – in allen Branchen. Da nütze auch keine Statistik, die mit einer Arbeitslosenquote von nur drei Prozent scheinbare Vollbeschäftigung ausweise. Zur Brückensanierung zwischen Bad Bocklet und Bad Kissingen versprach der Landrat, gemeinsam mit dem staatlichen Bauamt eine verträgliche Lösung finden.

Erstmals in der 15-jährigen Geschichte des BHG-Empfangs richtete die evangelische Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk – auch im Namen ihres katholischen Kollegen Gerd Greier – einen Neujahrsgruß an die Gäste. Sie zitierte einige zum Gastgewerbe passende Bibelstellen und wünschte „uns allen ein zuversichtliches Jahr 2023, in dem wir selbst gute Gastgeber sind, aber auch Gastfreundschaft erfahren.“

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