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Protest
3500 Menschen bei Kundgebung der IG Metall
Tausende Beschäftigte der Unternehmen ZF, SKF, Bosch Rexroth und Schaeffler gingen am Mittwoch in Schweinfurt auf die Straße. Ihre Forderungen: keine weiteren Stellenstreichungen und höhere Löhne.
Tausende Beschäftigte der Unternehmen ZF, SKF, Bosch Rexroth und Schaeffler gingen am Mittwoch in Schweinfurt auf die Straße. Ihre Forderungen: keine weiteren Stellenstreichungen und höhere Löhne. // Anand Anders
Signet des Fränkischen Tags von Lisa Marie Waschbusch, Marcel Dinkel, Oliver Schikora,
Schweinfurt – Belegschaften aus acht Betrieben versammelten sich an diesem Mittwoch in Schweinfurt zur großen Demo. Vor allem zum geplanten Stellenabbau bei Schaeffler sprach die Gewerkschaft Klartext.

Die Wut war Jürgen Schenk, Betriebsratsvorsitzender von Schaeffler in Schweinfurt, anzumerken. „Eigentlich haben wir doch nur darauf gewartet, dass sich Schaeffler in die Frage der Abbauprogramme einreiht“, sagte Schenk auf der Bühne vor den 3500 Mitarbeitenden der Großindustrie. „Jetzt haben wir in Schweinfurt endgültig die Kacke am Dampfen.“

Aus acht verschiedenen Betrieben waren die Belegschaften an diesem Mittwoch zur Großdemonstration der IG Metall in Schweinfurt zusammengekommen. Bei Schaeffler sehen sich die Mitarbeitenden mit einer neuen Realität konfrontiert: Erst am Dienstag hatte Vorstandschef Klaus Rosenfeld bekanntgegeben, dass konzernweit in Europa 4700 Arbeitsplätze bis Ende 2027 abgebaut werden sollen. In Deutschland seien vier Standorte betroffen: Herzogenaurach, Nürnberg, Regensburg – und der Standort in Unterfranken. „Wie jedes Mal auch Schweinfurt“, erklärte Betriebsratsvorsitzender Schenk am Mittwoch.

Außerordentliche Betriebsversammlung

Am Morgen hatte der Betriebsrat die Belegschaft bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung über seine Sicht des Themas informiert und sich kämpferisch gegeben, den Arbeitsplatzabbau nicht akzeptieren zu wollen. „In Schweinfurt sollen bis zu 700 Mitarbeiter abgebaut werden“, sagte Schenk bei der Kundgebung. „Und der Arbeitgeber hat nicht einmal die Courage, den Beschäftigten ehrlich die Zahlen zu zeigen.“

Was ihn besonders enttäusche: Man sei nicht nur bei Schaeffler in Vorleistung gegangen – mit entgeltwirksamen Arbeitszeitabfindungen, Schichtabsagen, Arbeitszeitabbau. „Und dann kommt der Arbeitgeber nach einem Dreivierteljahr und will Stellen abbauen. Das ist für mich eine Kündigung der Sozialpartnerschaft mit allen Beteiligten.“

Schaeffler ist nicht der einzige Betrieb, der in den vergangenen Monaten ins Straucheln geraten ist. Auch ZF will deutschlandweit bis zu 14.000 Arbeitsplätze streichen. „In Schweinfurt reden wir inzwischen von einer Zahl von über 3000 in den nächsten drei Jahren“, sagte Thomas Höhn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt. Und SKF habe bereits Hunderte Arbeitsplätze abgebaut.

Auch Personalabbau bei Bosch Rexroth

In Augsfeld im Landkreis Haßberge habe Bosch Rexroth seinen 400 Beschäftigten im Werk nun mitgeteilt, dass 130 von ihnen freigesetzt werden sollen. „Damit ist dieser Standort, ein Traditionsstandort, offensichtlich infrage gestellt“, verdeutlichte Höhn. Ähnlich sehe es aus bei den Werken von Preh und Valeo in Bad Neustadt im Landkreis Rhön-Grabfeld. „Wir sind in einer tiefen Krise, auch in dieser Region.“ Forderungen nach einer Nullrunde in den Tarifverhandlungen aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Unternehmen erteilte Höhn eine Absage: „Lohnverzicht sichert keine Arbeitsplätze.“ Im Gegenteil: Diese würden nur die Gewinnsituation der Unternehmen stabilisieren, auf Kosten der Belegschaft. Bäckereien, Handwerkerbetriebe und der Einzelhandel seien darauf angewiesen, dass Menschen bei ihnen konsumieren, sagte der IG Metall-Bevollmächtigte.

Stabile Löhne seien das Einzige, was die Wirtschaft aktuell noch am Laufen halte, erklärte Höhn. Die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie sieben Prozent mehr Geld für die Beschäftigten und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 170 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das Argument, in Deutschland würden die Lohnkosten immer weiter steigen, sei falsch. In anderen Ländern würden diese ebenfalls steigen, so Höhn.

Verschärfte Lebensumstände

Ebenfalls zu Wort meldete sich bei der Kundgebung Justin Rieck, ZF-Jugendvertreter bei der IG Metall. Rieck und Alexandra Auer sprachen die verschärften Lebensumstände junger Auszubildender an. 1987 habe die Miete für einen Quadratmeter Wohnung 5,50 Euro gekostet. „Heutzutage sind es 10,50 Euro. Das ist eine ganz andere Lebensrealität“, sagte Rieck.

IG Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski sprang den Jugendvertretern in Schweinfurt zur Seite. „Zukunftsperspektive plus Kaufkraft heißt Wirtschaftsperspektive.“ Scharfe Kritik äußerte sie Richtung Arbeitgeber: „Hört auf, euch zu beklagen, dass die Menschen zu teuer und zu faul sind, weil sie angeblich zu wenig arbeiten.“ Das Angebot von 1,7 Prozent ab Juli 2025 und 1,9 Prozent ab Juli 2026 nach neun Monaten ohne Erhöhung sei angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten zu wenig.

Ähnlich sah das auch SKF-Betriebsratschef Norbert Völkl, der als Mitglied der bayerischen Delegation bei der nächsten Tarifrunde am kommenden Montag mitverhandelt. „Die Grenze des Erträglichen ist erreicht. Wenn wir am Montag nicht zu einem vernünftigen Abschluss kommen, bereiten wir die 24-Stunden-Streiks vor.“

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