Den Solarpark Lauerbach selbst bekamen die rund 200 Gäste gar nicht zu Gesicht. Die Initiatoren des 3,3-Millionen-Euro-Projektes hatten kurzfristig entschieden, dessen Inbetriebnahme aufs rund drei Kilometer entfernte Sportgelände des FC Fuchsstadt zu verlegen. Der Boden südlich der Lauerbachkapelle war durch Regen aufgeweicht; außerdem drohten Gewitter. Der Feier auf dem Kohlenberg tat das keinen Abbruch.
Dort herrschte am Freitagnachmittag fast so viel Betrieb wie bei manchem Landesliga-Spiel. Ein Festzelt war aufgebaut, Catering aufgefahren, Jürgen Gläser vom Bayerischen Rundfunk als professioneller Moderator engagiert.
90 Prozent des Solarparks sind installiert
Eigentlich ging es um einen symbolischen Akt. Denn der Solarpark, der insgesamt 60 Hektar nahe der Staatsstraße 2293 von Fuchsstadt nach Greßthal vereinnahmt, hängt schon zu zwei Dritteln am Stromnetz. So war es am Rande der Veranstaltung von der Firma Prowind aus Osnabrück zu erfahren, die die riesige PV-Anlage baut.
90 Prozent der 92.000 Module seien installiert. Der Rest würde nach und nach zugeschaltet. Ist der Solarpark fertig, wird er umgerechnet 21.000 Zwei-Personen-Haushalte mit Strom versorgen können, so Gläser in seiner Begrüßung. Damit wäre fast die Große Kreisstadt Bad Kissingen abgedeckt, hieß es.
„Ein ganz besonderer Tag für Fuchsstadt“
Neben Gläser sprach auch Fuchsstadts Bürgermeister René Gerner (ZAG) von einem „ganz ganz besonderen Tag für die Gemeinde Fuchsstadt“. Dem sei aber auch ein langer Prozess vorausgegangen.
Nach fast drei Jahren Planung starteten die Bauarbeiten im September 2023. Zuvor musste mit Privateigentümern verhandelt, etliche überzeugt werden. Pachtverträge wurden geschlossen.
Die Gemeinde brachte selbst Grund und Boden in das Projekt mit ein und verschuldete sich mit 2.000 Euro pro Einwohner. Dafür erhält sie eine Beteiligung von 30 Prozent am Projekt, kann künftig Gewinne mit abschöpfen.
Bold sieht Wertschöpfung vor Ort
Auch andere Festredner hatten nur lobende Worte für den im Moment wohl größten Solarpark Unterfrankens und zweitgrößten Bayerns. Landrat Thomas Bold (CSU) gratulierte zu einer „hervorragenden Leistung“. Für solch ein erfolgreiches Projekt brauche es Unternehmer, aber auch Kommunen, die Flächen für sogenannte Erneuerbare Energien ausweisen. Die Region stellte der Landrat als vorbildlich dafür hin.
Die Beteiligung der Kommune Fuchsstadt decke sich auch mit Bestrebungen des Landkreises, Wertschöpfung vor Ort zu halten und voranzubringen.
Kirchner: Projekt positiv begleitet
Innenstaatssekretär Sandro Kirchner (CSU) ging sogar noch weiter. Im Beisein der Grünen-Bundestagsabgeordneten Manuela Rottmann und Hans-Josef Fell (ebenfalls Grüne, Ex-Abgeordneter) sagte er, Bayern sei „entgegen der politischen Meinung beim Ausbau der Erneuerbaren Energien voll dabei und aktiv“.
Das belege das Fuchsstadter Beispiel. Der Gemeinde sei es gut gelungen, das Projekt positiv zu begleiten und die Bewohner mitzunehmen.
Bei der quasi ferngesteuerten Inbetriebnahme des Solarparks bedienten sich die genannten Politiker und Prowind-Geschäftsführer Johannes Busmann zweier Tricks. Zum einen wurde ein im Festzelt aufgebautes großes Solarpanel symbolisch „enthüllt“, zum anderen ein hölzerner Schalter umgelegt, Letzteres für Pressefoto sogar zweimal.
Gerner: Standort ideal, weil nicht einsehbar
Bei einer anschließenden „Podiumsdiskussion" verdeutlichte Gerner, warum der Widerstand gegen den riesigen Solarpark überschaubar ausfiel. Der Standort an den Hängen südlich der Lauerbachkapelle sei ideal, weil von Fuchsstadt aus nicht einsehbar. Nebendran stünden auch noch Windräder.
Außerdem vertritt der Bürgermeister den Standpunkt: „Wenn wir und Windparks und Solaranlagen anschauen müssen, müssen wir auch daran verdienen.“ Der angesprochenen Verschuldung der Gemeinde stellte er zu erwartende Gewinne gegenüber.
Hans-Josef Fell will ins Nahwärmenetz einspeisen
Hans-Josef Fell, auch an diesem Nachmittag wieder als Schöpfer des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bezeichnet, nannte Fuchsstadt „eines der herausragenden Beispiele, wie man es machen muss“. Dem müssten die umliegenden Gemeinden folgen. Bei Fuchsstadt seien auch Windräder aufgestellt worden, wo sonst in Bayern kaum eines entstanden sei, sagte er, die inzwischen aufgeweichte 10-H-Regel im Hinterkopf.
Der Hammelburger Ex-Abgeordnete rückte aber auch das Fuschter Nahwärmenetz in den Blickpunkt. Der „Überschussstrom aus Sonne und Wind“ könnte über große Wärmepumpen dort eingespeist werden.
Erdfunkstelle in Langendorf mit Strom beliefern
René Gerner kann sich gut vorstellen, die Erdfunkstelle in Langendorf mit Strom aus dem Solarpark zu versorgen. An einer direkten Leitung dorthin sei man dran. Fell brachte noch die Schweinfurter Industrie als Kunde ins Spiel.
Am Schluss wurde noch der geplante Energielehrpfad vorgestellt. Schüler des Hammelburger Gymnasiums haben ihn und seine acht bis zehn Hinweistafeln i einem Projektseminar erarbeitet. Der Pfad soll einmal durch den Solarpark Lauerbach führen. Und diesen den Fuschtern und ihren Gästen noch näher bringen, als es am Freitagnachmittag möglich war.
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