Zentrales Thema der jüngsten Gemeinderatssitzung war der Umbau des bisherigen Rewe-Markts in der Bischofsheimer Straße. Der Geschäftsleiter des Markts Wildflecken, Daniel Kleinheinz, erläuterte die geplanten Maßnahmen zusammen mit Gemeinderat Oliver Masso (CSU/PWG/OWII). Im Zuge des Umbaus soll ein großzügiger gläserner Anbau vor dem neuen Eingangsbereich entstehen, der den Markt architektonisch aufwertet und für ein modernes Erscheinungsbild sorgt.
Der Umbau des Einkaufsmarkts dauert mehrere Monate
„Der gesamte Umbau ist großflächig und wird sich über mehrere Monate erstrecken, vermutlich sogar bis zu fünf Monate dauern“, erklärte Kleinheinz. Während dieser Zeit werde der Einkaufsmarkt aufgrund der umfangreichen Baumaßnahmen geschlossen sein.
Der letzte Verkaufstag im bisherigen Rewe-Markt ist auf den 29. November 2025 terminiert.
Eine Übergangslösung zur Versorgung der Bevölkerung ist angedacht
Die Gemeinde will in der Zeit der Bauphase eine Übergangslösung finden, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Die Verwaltung prüft derzeit verschiedene Modelle: Denkbar sind zum Beispiel eine kleinere mobile Verkaufsstelle oder Kooperationen mit Anbietern in den Nachbargemeinden beziehungsweise Fahrdienste für Menschen, die nicht mobil sind. Eine konkrete Lösung steht aber aktuell noch nicht fest. „Wir wollen keine komplette Lücke entstehen lassen“, betonte Kleinheinz.
Die Mitglieder des Marktgemeinderates zeigten Einigkeit: Die Planungen wurden ohne Gegenstimme angenommen. Damit steht fest, dass der Standort der Nahversorgung für die Bevölkerung erhalten bleibt – wenn auch unter dem neuen Namen Netto Marken-Discount und mit komplett verändertem Konzept.
Statt einem Vollsortimenter wird es einen Discounter geben
Denn: Mit dem Netto-Markt zieht zwar kein klassischer Vollsortimenter, sondern ein Discounter ein. Doch für Wildflecken ist es ein entscheidender Schritt, um die Nahversorgung zu sichern.
Netto Marken-Discount ist mit über 4300 Filialen der „größte Discounter“ Deutschlands gemessen an der Anzahl der einzelnen Filialen und gehört zur Edeka-Gruppe. „Damit ist sichergestellt, dass die Grundversorgung der Bürger weiterhin gewährleistet bleibt, wenn auch etwas anders als bisher“, so Geschäftsleiter Kleinheinz.
„Wir freuen uns, dass der Standort nicht verloren geht“, sagte Kleinheinz im Verlauf der Sitzung. „Die Bevölkerung kann sich für die nächsten Jahre darauf verlassen, dass es auch in Zukunft eine Einkaufsmöglichkeit im Ort gibt.“
Der zudem geplante separate Backshop wurde dabei besonders positiv im Gremium bewertet. In den ländlichen Gemeinden der Rhön sind eigenständige Bäckereien in den zurückliegenden Jahren fast vollständig verschwunden. Bis auf ganz wenige Ausnahmen.
Der Netto-Markt soll nach der rund fünfmonatigen Umbauphase eröffnet werden. Als Termin steht damit Mai 2026 im Raum.
Die Nachricht der Rewe-Schließung war ein Schock
Die Bedeutung dieser Entscheidung kann kaum überschätzt werden. Erst vor wenigen Monaten hatte die Nachricht von der bevorstehenden Schließung des Rewe-Markts Wildflecken zunächst erschüttert. Über Jahre hinweg war das Geschäft ein zentraler Dreh- und Angelpunkt im Dorfleben. Die Familie Hauke, die den Markt über viele Jahre hinweg betrieb, hatte frühzeitig zu Beginn des Jahres angekündigt, dass der Betrieb aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus spätestens zum Jahresende komplett eingestellt werde.
In einem Pressegespräch hatte Geschäftsführer Sebastian Hauke seinerzeit die Entscheidung als „eine der schwersten in unserem Leben“ bezeichnet. Die Gründe lagen in einer Mischung aus verändertem Kaufverhalten, gestiegenen Betriebskosten und dem auslaufenden Mietvertrag, der nur mit hohen eigenen Investitionen hätte in die Zukunft geführt werden können. Für die 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war die überraschende Nachricht im Januar 2025 ein Schock – „es flossen Tränen“, wie Monika Hauke damals sagte.
Ein tiefer Einschnitt für die Gemeinde
Die angekündigte Schließung war nicht nur ein rein betriebswirtschaftlicher Vorgang, sondern ein tiefer Einschnitt für die Gemeinde. Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) hatte die Situation als drohende „Katastrophe“ bezeichnet, da vor allem viele ältere Bürger und die Bewohner des Übergangswohnheims auf eine fußläufige Einkaufsmöglichkeit dringend angewiesen sind. Alternativen gibt es in Wildflecken direkt nicht. Vor diesem Hintergrund bedeutet die nun gefundene Lösung eine große Erleichterung.
Chance für raschen Neuanfang ergreifen
Mit dem letzten Verkaufstag am 29. November endet eine Ära in Wildflecken. Der Rewe-Markt, über viele Jahre ein Ort der Begegnung, wird über Nacht nur noch Geschichte sein. Doch die Gemeinde möchte die Chance ergreifen, diesen Einschnitt in einen möglichst raschen Neuanfang zu verwandeln.
„Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen“, hatte Bürgermeister Kleinhenz nach Bekanntwerden der Schließung appelliert. Denn: Wildflecken müsse sich vielen strukturellen Herausforderungen stellen.
Da alle drei Wildfleckener Bürgermeister verhindert waren, übernahm Gemeinderat Oliver Masso die Leitung. Souverän führte er durch die Tagesordnung.












