Nach dem überraschenden Rückzug von Brose-Konzernpatriarch Michael Stoschek herrscht beim Brose-Betriebsrat in Würzburg offenbar Zuversicht mit Blick auf die Zukunft des kriselnden Standorts.
Stoschek (77) hatte am Donnerstag angekündigt, den Vorsitz des Verwaltungsrates von Brose zum Jahreswechsel an seinen Sohn Maximilian (47) weiterzugeben. Damit tritt er endgültig aus der vorderen Reihe des wirtschaftlich gebeutelten Automobilzulieferers zurück. Der schillernde Unternehmer war davor unter anderem 35 Jahre lang geschäftsführender Gesellschafter gewesen.
Würzburgs Betriebsratsvorsitzender Yves Weinberger zeigte sich gegenüber dieser Redaktion optimistisch, dass die angestoßenen Schritte zur Rettung des Werks in Würzburg trotz des Wechsels im Verwaltungsrat beibehalten werden. Zurzeit verhandle der bayerische Arbeitgeberverband bayme/vbm mit der IG Metall in Sachen Brose über einen neuen Ergänzungstarifvertrag, in der Belegschaft „Ergänzer“ genannt.
Ihn gibt es im tarifgebundenen Werk in Würzburg seit vielen Jahren. Er gilt laut Weinberger bis Ende 2026 und sieht unter anderem vor, dass die Beschäftigten pro Tag eine halbe Stunde ohne Bezahlung länger arbeiten.
Brose will in Würzburg 21 Millionen Euro pro Jahr sparen
Brose spare auf diese Weise jedes Jahr 15 Millionen Euro. Weitere 6 Millionen Euro und damit weitere Einschnitte für die Würzburger Belegschaft soll die neue Fassung des Ergänzers bringen, erklärte Weinberger.
Brose hatte im Februar verkündet, das aus Konzernsicht defizitäre Werk in Würzburg mit seinen knapp 1400 Beschäftigten dichtzumachen. Das wäre in der Region eine der größten Betriebsschließungen seit Jahren gewesen. Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall wehrten sich gegen die Pläne des weltweit aktiven Autozulieferers. Im Mai dann die Nachricht aus Coburg: Der Standort Würzburg bleibt vorerst in Betrieb.
Was Satelliten-Montage dem Würzburger Brose-Werk bringt
Daraufhin begannen Verhandlungen über dessen Zukunft. Die dabei ins Gespräch gebrachte Montage von in Würzburg entwickelten Satelliten werde kommen, dem örtlichen Brose-Werk aber nur höchstens 50 Jobs bescheren, sagte Weinberger. Deshalb bleibe der Betrieb weiterhin stark dem Automobilbereich zugeordnet.
„Wir sind bei den Aufträgen stabil“, so Weinberger. Er gehe davon aus, dass der konzernweite Hauptsitz des Geschäftsbereichs Antriebe in Würzburg bleibt.
Für Norbert Zirnsak von der IG Metall in Würzburg steht Brose nach dem angekündigten Rückzug von Stoschek „an einem strategischen Wendepunkt“. Er erwarte von der Konzernspitze „ein klares Bekenntnis zur Verantwortung für die Belegschaft“ - auch in Würzburg.












