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Regionalplan
Zu wenig los für die Einstufung als Grundzentrum
Die Apotheke hat in Zeitlofs einige Jahre geschlossen. Ein Ort, der die meisten Menschen der Umgebung zum Einkaufen anzieht, ist die Marktgemeinde schon lange nicht mehr.
Die Apotheke hat in Zeitlofs einige Jahre geschlossen. Ein Ort, der die meisten Menschen der Umgebung zum Einkaufen anzieht, ist die Marktgemeinde schon lange nicht mehr. // Steffen Standke
Zeitlofs – Zeitlofs gilt in der Fortschreibung nicht mehr als Kleinzentrum. Die Gründe liegen unter anderem im Ort selbst. So reagiert der Bürgermeister.

Die goldenen Zeiten – sie liegen nicht so lange zurück. Altbürgermeister Wilhelm Friedrich erinnert sich an je zwei Bäckereien, Metzgereien und Einkaufsläden, eine Apotheke und eine Bankfiliale, die in den 1990er-Jahren die Menschen der umliegenden Dörfer zum Einkaufen lockten; Nachfolger Matthias Hauke nennt Schuhladen und Quelleshop. Davon übrig: ein Bäcker, der Friseur. Dieser Niedergang schlägt sich im Entwurf für den neuen Regionalplan nieder; Zeitlofs ist nicht länger Kleinzentrum. Was bedeutet das für den Ort?

Bisher war Zeitlofs im Regionalplan Main-Rhön als „Kleinzentrum“ ausgewiesen. Diesen Status kann der Markt künftig schon deswegen nicht halten, weil diese Kategorie bei der Fortschreibung des Planungswerkes abgeschafft ist.

Kategorie „Kleinzentrum“ fällt weg

Laut Oliver Weidlich, Leiter des Sachgebietes Raumordnung, Landes- und Regionalplanung bei der Regierung von Unterfranken, hat „die Staatsregierung im Landesentwicklungsprogramm das zentrale Ortekonzept neu geregelt und dabei auf die unterste Stufe, die Kleinzentren verzichtet“. Künftig gibt es nur noch Ober- Mittel- und Grundzentren.

In die erste Kategorie fallen Städte wie Würzburg, Schweinfurt, aber auch Bad Kissingen und Bad Neustadt. Als Mittelzentren gelten im Landkreis Bad Kissingen nur Hammelburg und Bad Brückenau. Münnerstadt fällt unter die Kategorie Grundzentrum, ebenso wie beispielsweise Wildflecken, Burkardroth, Euerdorf mit Elfershausen oder Oberthulba.

Keine Herabstufung, sonder neue Einordnung

Weidlich ist es wichtig zu betonen, „dass es bei der Regionalplanfortschreibung keine ’Herabstufung’ zentraler Orte gibt“. Vielmehr war „für die Region Main-Rhön zu untersuchen und zu entscheiden, ob bisherige Kleinzentren die höheren Anforderungen an Grundzentren, die nun die unterste Stufe des Zentrale-Orte-Systems bilden, erfüllen“. Und da sah die Prüfung, bei der ein Gutachter mithalf, nicht gut für Zeitlofs aus.

„Für die Nichtaufnahme als Grundzentrum war beim Markt Zeitlofs ausschlaggebend, dass einige elementare Einrichtungen als Mindestausstattung für die Einstufung als Grundzentrum nicht vorhanden sind, konkret ein Supermarkt/Discounter, eine Bankfiliale und die Apotheke“, schreibt Weidlich weiter.

Bad Brückenau hat Zeitlofs den Rang abgelaufen

Alle diese Strukturen finden sich zwölf Kilometer entfernt in Bad Brückenau. Zeitlofs hingegen ist über die Jahre die überörtliche Versorgungsfunktion verloren gegangen. Heißt: Die meisten Menschen fahren zum Einkaufen oder für andere Besorgungen in das Mittelzentrum oder bestellen im Internet.

Laut Weidlich ist es den Regionalplanern wichtig, „ein Netz an zentralen Orten so vorzuhalten, dass für alle eine gute Erreichbarkeit zentralörtlicher Einrichtungen der Grundversorgung gegeben ist“. Mit dem eigenen Auto solle man höchstens 20 Minuten brauchen, mit dem ÖPNV maximal eine halbe Stunde.

Wildflecken soll Grundzentrum werden

Zudem soll der Versorgungsbereich eines Grundzentrums mindestens 7500 Einwohner umfassen, um die zentralen Einrichtungen der sozialen Infrastruktur auszulasten. Wegen der ländlichen Prägung der Region hätten die Planer dieses Kriterium flexibler gehandhabt.

Als Beispiel dafür mag das als Grundzentrum vorgeschlagene Wildflecken dienen. Der Markt (2882 Einwohner) biete zwar außer einem Supermarkt wenig mehr als das nicht viel kleinere Zeitlofs (2038 Einwohner). Als Militärstandort sei Wildflecken aber besonders.

Wohl zu wenig zu bieten

Zeitlofs’ Bürgermeister Hauke wurde mit der Sache erstmals im April konfrontiert. Dass sein Ort kein Grundzentrum wird, schockierte ihn nicht. „Da wir wohl im Vergleich mit anderen Kommunen wie Oberthulba oder Burkardroth standen, ist das eine nachvollziehbare Entscheidung, da wir im Vergleich wesentlich weniger anbieten können.“

Entscheidung zeigt nur die Realität

Letztendlich spiegele dies nur die Realität wider. „Es muss auch das Angebot vor Ort aktiv genutzt und nicht immer nur gewünscht werden. Gerade jetzt in schwierigen Zeiten wird noch mehr in den Geldbeutel geschaut, noch weiter weggefahren, um so billig wie möglich einzukaufen“, so der Bürgermeister.

Gerade beim Selbstbedienungs-Dorfladen hätte man sicher weniger Diskussion, wenn dort mehr eingekauft würde. Immerhin verkündet Hauke, dass der Laden über das Jahresende hinweg offen bleibt. „Wir warten auf Bestätigung der Rechtsaufsicht, wie wir weiter verfahren können oder dürfen.“

Folgen nicht absehbar

Welche Folgen die Nichtberücksichtigung als Grundzentrum für Zeitlofs hat, kann Hauke nicht sagen. Oliver Weidlich: „Finanziell oder fördermäßig hat die Einstufung als zentraler Ort keine Auswirkungen.“

Ein formaler Einspruch sei jetzt nicht erforderlich; im Februar starte die Phase der Anhörung zum Regionalplanentwurf. Dort könne sich „die Gemeinde wie jede Bürgerin und Bürger zu dem Konzept äußern“.

Hauke wird aus oben genannten Gründen kaum Einspruch einlegen. „Unser Ziel wird sein, wieder nach oben zu kommen.“ Das dürfte schwer genug werden.

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