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Leerstand in Ludwigstraße
Was Bad Brückenau mit dem maroden Hotel Post vorhat
Hotel Post in Bad Brückenau: Stadt kauft ganzen Komplex
Die Stadt Bad Brückenau hat das frühere Hotel Post in der Ludwigstraße gekauft. // Steffen Standke
Bad Brückenau – Überraschend verkündet Vize-Bürgermeister Jürgen Pfister den Kauf der leerstehenden Problem-Immobilie. Ideen für eine Nutzung gibt es, auch vom neuen Stadtchef Jan Marberg.

Es ist lange her, dass Menschen im einstigen Hotel Post ein- und ausgingen. Bis 2016 war das noch der Fall, als der sogenannte Postenmarkt in von der Hofseite aus zugänglichen Räumen sein Sortiment anbot. Doch seit dessen Umzug in den früheren tegut in der Sinnaustraße steht das teils denkmalgeschützte Ensemble komplett leer. Nun ist die Stadt neuer Besitzer. Die Redaktion fragte, aus welchem Grund.

„Wir wollten die Hand auf dem Gebäude haben, dass es nicht an jemandem kommt, der es wieder Jahre liegen lässt oder etwas damit tut, was uns nicht passt", begründet Dieter Seban den Kauf, der Ende März/Anfang April 2024 über die Bühne ging. Vorausgegangen waren mehrere Begehungen, unter anderem im Dezember 2023 mit Architekt Stefan Richter, der die Problem-Immobilie gut kennt.

Kaufentscheidung am 24. April verkündet

CSU-Stadtrat Seban war als früherer Dritter Bürgermeister und örtlicher Immobilienfachmann stark in die Bemühungen der vergangenen Jahre eingebunden, dem historischen Gebäude eine Zukunft zu verleihen.

Öffentlich verkündet hatte der Stellvertretende Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG) den Kauf bereits in der Stadtratssitzung am 24. April. Zum Kaufpreis wollen weder er noch andere Verantwortliche der Stadt Angaben machen. Um den symbolischen Euro, der meist für heruntergewirtschaftete Gebäude fließt, geht es offensichtlich nicht.

Kernsanierung ist nötig

Der ehemalige Hotel-Komplex ist nicht nur dem Augenschein nach stark sanierungsbedürftig. Marcus Markert vom städtischen Bauamt liegt ein vor dem Kauf erstelltes Gutachten eines Sachverständigen vor. Darin wird von „undichter Dacheindeckung, Gebäuderissen, starken Schäden an der Fassade, durch den langen Leerstand nicht mehr funktionsfähiger Sanitär- und Heizungsanlage und überalterter Elektroanlage" geschrieben.

Insgesamt stuft der Gutachter die Gebäudesubstanz „entsprechend Baujahr und langem Leerstand als schlecht und im momentanen Zustand nicht nutzbar" ein. Eine „Kernsanierung" sei nötig, um das zu ändern.

Stadtbibliothek oder Teile des Rathauses als Nutzer?

Frühere Vorstellungen, einfach die Außenwände zur Ludwigstraße hin stehen zu lassen und das Innere ganz neu zu errichten, haben sich - Stand jetzt - zerschlagen. Dieter Seban: „Der Denkmalschutz würde es gern erhalten, wie es ist." Der neuere Anbau zur Hofseite hin ließe sich aber problemlos entfernen.

Aber welche Nutzungen wären im Hotel Post vorstellbar? Seban erwähnt „Gedankenspiele, dass dort die Stadtbücherei einzieht oder Teile des Rathauses". Man habe ja bewusst die Bibliothek aus dem zu sanierenden Alten Rathaus „herausgeplant", will sie mehr in der Stadtmitte unterbringen.

Carl-von-Heß-Sozialstiftung aus dem Rennen

Der frisch gewählte Bürgermeister Jan Marberg (SPD) kam zu der Immobilie wie die Jungfrau zum Kinde. Er findet die Lage „sehr sehr gut". Auch habe er eine Vorstellung für eine Nutzung. „Aber ob die an dieser Stelle greift, muss man sehen." Konkreter wird Marberg nicht. Jürgen Pfister will auf jeden Fall „bei einem so großen Projekt die Bürger mitnehmen".

Keine Option mehr ist inzwischen ein Betreutes Wohnen, das die Carl-von-Heß-Sozialstiftung Hammelburg gerne im ehemaligen Hotel betrieben hätte. Dazu liefen während der Corona-Zeit intensive Gespräche mit der Stadt (wir berichteten). Doch laut Dieter Seban wäre das Projekt für die Stiftung ohne eine staatliche Förderung „nicht darstellbar" gewesen. „Und dieser Betriebszweck war nicht förderfähig."

Ambitionierte Pläne zur Wiederbelebung

Mitte der 2010er-Jahre hatte es schon einmal Bemühungen gegeben, dem Areal neues Leben einzuhauchen. Investor Manfred Müller aus Herzogenaurach wollte 2015 das alte Hotel zu Eigentumswohnungen mit Gewerbeflächen umbauen, dazu im hinteren Teil einen Neubau schaffen.

Zwei Jahre später war von Letzterem keine Rede mehr. Für die nun geplante  und über das örtliche Immobilienbüro Alt angepriesene "Wohnresidenz Neue Post" fanden sich offensichtlich nicht genügend Interessenten.

Besitzer bot Gebäude der Stadt an

Die Baugenehmigungen von damals sind inzwischen alle ausgelaufen. Müller beziehungsweise seine Immobiliengesellschaft boten das Ensemble von sich aus der Stadt an. Die griff nun zu.

Das Hotel Post besitzt eine interessante Geschichte. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1876 wurde die „Alte Post“ nach Plänen des Würzburger Architekten Anton Eckert in der Formensprache des historisierenden Heimatstils errichtet. Das Hotel war mit seinen 80 Betten und in allen Zimmern fließend warmem und kaltem Wasser die „erste Adresse am Ort".

Gründungsort des Tätsch'r-Vereins

Am 12. November 1889 gründete sich dort der noch heute tätige Tätsch'r-Verein. Große Festlichkeiten fanden in den „Reinwaldsälen" statt.

Bis 1925 folgten dem ursprünglichen Baustil angepasste Ergänzungsbauten. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Ensemble durch eine südliche Erweiterung in den Jahren zwischen 1960 und 1970. Neben der Edeka-Handelsgruppe, die lange Besitzer war, verkaufte auch die Drogerie Schlecker dort ihre Waren. Und bis vor acht Jahren der Postenmarkt.

Hotel einst bekannt als „Bayerischer Hof"

Die Geschichte des Hauses reicht aber noch weiter zurück. Begründet hat die Gastgewerbe-Tradition an dieser Stelle wohl ab 1836 ein Lorenz Hergenröder, der dort den „Bayerischen Hof" betrieb.

Damals ritten mehrmals täglich Postboten zwischen Bad Kissingen und Brückenau hin und her; dementsprechend war das Anwesen auch Posthalterei. Einige Jahre später übernahm ein Johann-Michael Reinwald die Geschäfte. 1869 erwarb er das gegenüberliegende Wohnhaus, um es für die Posthalterei umzubauen. Beide Gebäude fielen - wie fast die gesamte heutige Kernstadt - in der Nacht vom 13. auf den 14. August 1876 den Flammen zum Opfer.

 

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