0
Einheitliche Umgestaltung
Pflasterfrage für Marktplatz und Buttenmarkt geklärt
Marktplatz und Buttenmarkt Hammelburg: neues Pflaster bei Umgestaltung
Das Pflaster auf Marktplatz und Buttenmarkt soll dem in der Kissinger Straße (vorne) angeglichen werden. Insgesamt soll der Marktplatz grüner werden. // Steffen Standke
Hammelburg – Ein genau gleicher Belag wie in der Kissinger Straße wird im Herzen Hammelburgs nicht möglich sein, heißt es von Stadt und Planungsbüro. Aber es gibt Alternativen.

Im Hammelburger Stadtrat vom 11. September war sie ein Aufreger: die neue Pflasterung von Marktplatz und Buttenmarkt. Jetzt, bei der Vorstellung des überarbeiteten Umgestaltungs-Entwurfs für den zentralen Altstadtbereich spielte sie erstaunlicherweise keine Rolle. Andere Punkte schienen wichtiger. Die Redaktion hat nachgefragt.

Am 11. September hatte Hartmut Holl vom Würzburger Planungsbüro Holl Wieden Partnerschaft den Entwurf zur Umgestaltung vorgestellt, die sich in die Kirchgasse hinein bis zum Eingang zum Kellereischloss erstreckt. Wesentliches Element war die Neupflasterung; vor allem der Marktplatz weist einen "bunten" Belag auf, von grauem Muschelkalk über Porphyr, einem vulkanischen Naturstein, bis hin zu rotem Granit. An vielen Stellen fehlen Pflastersteine; die Lücken wurden mit dunkelgrauem Asphalt verfüllt.

Einheitlich soll nun alles sein, so Holl - angepasst an die Kissinger Straße, die den Marktplatz streift.

Diskussion um Verfügbarkeit des Pflasters

Mit seiner Aussage sorgte der Planer für Verwirrung, gingen doch einige Stadträte davon aus, dass es genau dieses Pflaster nicht mehr gibt. Dominik Sitter (CBB) mahnte sogar an, nicht wieder so einen Murks wie bei der Bahnhofstraße zu machen, wobei er das mehr auf den Ärger mit Pflasterfirmen und das komplizierte Verlegeverfahren bezog. Harmut Holl trug nicht gerade zur Aufklärung bei: Eine klare Antwort, ob die gleichen Steine wie in der Kissinger Straße verfügbar sind, blieb er schuldig (wir berichteten).

Wenige Tage nach der Stadtratssitzung am 23. Oktober stellt sich die Sache offenkundig als Missverständnis heraus. Natürlich könne man nicht dasselbe Pflaster wie vor vielen Jahren in der Kissinger Straße verbauen, sagt Stadtbaumeister Detlef Mohr dieser Redaktion. Das scheide allein deswegen aus, weil die damals bauausführende Firma Bindrum keine Unterlagen mehr habe, aus welchem Bruch die Steine stammten. Selbst wenn, könne man nicht mehr die selbe Färbung erwarten. Aber: Man suche nach einem gleich aussehenden Belag.

 Alten Pflasterbelag in Teilbereichen wiederverwenden?

In die selbe Richtung äußert sich Hartmut Holl auf Anfrage. "Der Marktplatz mit Buttenmarkt sollte mit einem Pflaster belegt werden, das der Farbmischung des Pflasters des Kissinger Straße möglichst nahe kommt. Wir werden uns, wie schon damals bei der Bahnhofstraße, um ein solches Pflastermaterial bemühen. Inwieweit uns das gelingt, wissen wir nicht. Es werden in jedem Fall Musterflächen in ein bis zwei Varianten dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt."

Im Stadtrat regte Detlef Mohr an, das alte Pflaster wiederzuverwenden, eventuell für schmale Streifen am Buttenmarkt oder in der Kirchgasse. Holls Antwort an diese Redaktion: "Das alte Pflaster kann wegen seiner Unebenheit allenfalls als Traufpflaster (schmaler Streifen entlang der Fassaden, der nicht begangen werden muss) verwendet werden."

Bäume mit großen Kronen lösen kranken Bewuchs ab

Ähnlich hatte es Holls Partner im Planungsbüro, Thomas Wieden, im Stadtrat formuliert. Dort arbeitete er erneut heraus, dass der neue Marktplatz sehr grün wird. Die bestehenden, teils kranken Bäume sollen komplett weichen (das war am 11. September noch nicht klar). Ersetzt werden sie durch großkronige, schattenspendende Gewächse, die eher in den Randbereichen des Platzes angeordnet werden. So bleibe in der Mitte Raum für Marktmöbel und Feste, so Wieden.

Laut Stadtbaumeister Mohr sind die Baumstandorte mit den Anliegern abgestimmt. Unter ihnen herrsche keine einhellige Begeisterung, aber die Einsicht, dass man fürs Klima etwas tun müsse. Auch sollen die Bäume sehr große Wurzelräume erhalten. Das Oberflächenwasser fließe nicht einfach in die Kanalisation, sondern werde laut Plan in unterirdischen Zisternen und Baumgruben gesammelt, komme so den Gewächsen zugute.

Schlitzrinnen erneut in der Kritik

Wie am 11. September waren die Schlitzrinnen Thema, die das Wasser prinzipiell schnell von der Marktplatzoberfläche wegtransportieren sollen. Monika Horcher (Grüne) befürchtete, dass sich dort schnell der Dreck sammelt. Wieden antwortete, dass dies kein spezielles Problem der Schlitzrinnen sei; Reinigungsaufwand bestehe bei Abflüssen immer.

Durch die Rinnen und die Anordnung der Pflasterreihen entstehe eine gewisse rechteckige Gliederung des Platzes. Bei den als Alternative ins Spiel gebrachten Punkteinläufen würden Trichter entstehen; das mache die Oberfläche unruhig; Biertische und -bänke kämen schief zum Stehen.

Alexander Stolz (CBB) mahnte an, dass die Bäume nicht vorm Rathausbalkon oder an der Treppe zur Bank stehen dürften. Dort seien sie hinderlich. Elisabeth Assmann sagte, man solle die mögliche Belastung durch Lichtverschmutzung bedenken. "Bodenleuchten tun den Bäumen nicht gut." Laut Wieden ist man im Vorentwurf noch nicht so weit, darüber zu befinden.

Horcher hält Projekt für zu teuer

Auf Stolz' Frage nach möglichen archäologischen Funden antwortete er, dass man das baubegleitend ermitteln wolle. Für die Neugestaltung des Platzes muss eine unterm Pflaster liegende Asphaltschicht entfernt werden. Wieden plädiert (auf Anfrage von Bernd Hüfner (CSU)) für ein dickeres Pflaster, das die Belastung durch LKW aushält.

Ob sogenannte Elektranten, also versenkbare kleine Türme zur Stromversorgung, verwirklicht werden, steht in den Sternen. Laut Mohr sind diese "sehr teuer und wartungsintensiv". Bisher habe man ihren Einsatz eher vermieden.

Gegen die Stimme von Monika Horcher stimmte der Stadtrat der groben Planung des Büros Holl Wieden zu. Die Grünen-Rätin begründete ihre Entscheidung mit Blick auf die 2,9 Millionen Euro Gesamtkosten (ohne staatliche Zuschüsse) damit, "dass wir einfach zu viel Geld ausgeben". 

Keller des Bürgerhauses "auf Weg zur Trockenheit"

In der Bürgerfragestunde vor der Sitzung war Mohr noch auf das Nässeproblem im Untergeschoss des Bürgerhauses am Marktplatz eingegangen, das kürzlich eingeweiht wurde (wir berichteten). "Der Keller ist auf dem Weg zur Trockenheit", berichtete Mohr. Die Lüftung werde noch ausgesteuert; die Trocknungsgeräte in Archiv und Registratur seien von Vorherein Teil des Konzeptes gewesen. "Ohne sie wird es nicht gehen." Leider sei der Keller nicht überall von außen abdichtbar; bei Grabungen müsste man dann Nachbargebäude abfangen.

  

Mehr zur Hammelburger Stadtmitte lesen Sie hier:

Unsere Leseempfehlungen

Inhalt teilen
  • kopiert!