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Münnerstadts Geschichte
Das neue Zentrum für Kinder war damals schon zu klein
Das Foto zeigt Bauarbeiten am Münnerstädter Kindergarten und Jugendzentrum. Vor 50 Jahren wurde der Komplex eingeweiht.
Das Foto zeigt Bauarbeiten am Münnerstädter Kindergarten und Jugendzentrum. Vor 50 Jahren wurde der Komplex eingeweiht. // Stadtarchiv/Fuhrmann
Münnerstadt – Vor 50 Jahren wurden der neue Kindergarten mit Jugendzentrum eingeweiht. Doch die Freude über das teure Gebäude hielt nicht allzu lang.

„Möge Leben im Kindergarten und im Jugendzentrum einziehen!“ Unter dieser Überschrift berichtete die Zeitung im Frühjahr 1973 über die Einweihung des neuen Münnerstädter Kindergartens samt Jugendzentrum. Noch wenige Jahre zuvor hatten Skeptiker den notwendigen Neubau für unmöglich gehalten. 1,6 Millionen DM kostete das Projekt, rund eine Million DM flossen damals als Zuschuss.

Jugendzentrum und Kindergarten nach der Fertigstellung, hie noch mit Flachdach.
Jugendzentrum und Kindergarten nach der Fertigstellung, hie noch mit Flachdach. // Stadtarchiv Münnerstadt/ Gerhard Fuhrmann

Eine ganze Woche lang feierten die Münnerstädter die Einweihung der beiden miteinander verbundenen Gebäude. Auch wenn der Erfolg viele Mütter und Väter hatte, im Mittelpunkt bei der Einweihung stand Stadtpfarrer Hugolin Landvogt, der sich unermüdlich für die Verwirklichung des Projektes eingesetzt hatte.

Früher am Anger

Bis zum Umzug in die neuen Räume wurden die Kleinen im rückwärtigen Teil der Marienanstalt am Münnerstädter Anger betreut. Allerdings nur die, die einen Platz fanden. Es gab so viele Kinder und so wenig Betreuungsmöglichkeiten, dass manchmal nur die Fünfjährigen aufgenommen werden konnten. Mit dem Umzug sollte sich das ändern.

Große Einweihungsfeier

Kein Wunder, dass die Einweihung des neuen Kindergartens samt Jugendzentrum mit zahlreichen Ehrengästen groß gefeiert wurde. Es gab einen Dankgottesdienst in der Stadtpfarrkirche und einen Empfang im Jugendzentrum, bei denen die Verantwortlichen allen dankten, die den Neubau ermöglicht hatten.

Ehrenamtliche Helfer

Dazu zählten unter anderem die Kolpingsfamilie, die über 3300 Quadratmeter Gelände im Wert von damals rund 100.000 DM zur Verfügung gestellt hatten und die vielen Helfern, die vor allem in den letzten Wochen vor Fertigstellung unzählige Stunden entgeltloser Arbeit geleistet hatten.

Der Kindergarten in den Anfangsjahren.
Der Kindergarten in den Anfangsjahren. // Stadtarchiv Münnerstadt/ Gerhard Fuhrmann

Im Mittelpunkt aber stand Stadtpfarrer Pater Hugolin Landvogt, der für den Kindergarten neun Quellen und für das Jugendzentrum sieben Quellen „angezapft“ hatte, um die notwendigen Fördermittel zu erhalten. Es war ein großer Tag für Münnerstadt, jedoch hielt die Freude nicht allzu lang.

Ein zweiter Kindergarten?

Nur gut einen Monat nach der Einweihung erschien ein Artikel mit der Überschrift „Ist der Kindergarten schon zu klein?“ in der Tageszeitung. „Ein zweiter Kindergarten muss her oder die Kindergartengruppen müssen von 35 auf mindestens 30 reduziert werden, war die Forderung des Kindergarten-Elternbeirats, der seine erste Sitzung nach Eröffnung des neuen Kindergartens durchführte“, stand da geschrieben. Ob dieser zweiter Kindergarten in Münnerstadt oder in einem Stadtteil gebaut werden soll, blieb damals offen.

Es kam der Vorschlag, das Alter der aufzunehmenden Kinder von drei auf vier heraufzusetzen. Auf wenig Gegenliebe stieß auch der Vorschlag, Halbtagsgruppen zu schaffen. „Man stellte fest, dass in Münnerstadt ein Notstand vorliegt, zumal einige Stadtteile ihre Kinder nach Münnerstadt entsenden“, hieß es.

Es dauerte nicht lange, da standen die ersten Bauarbeiten an. Wie zu jener Zeit oft üblich, war der Gebäudekomplex mit Flachdächern versehen worden. Das rächte sich bitterlich. Bereits 1981 wurden die Gebäude mit neuen Dächern versehen. Nur ein Jahr später erfolgte die Einweihung des Erweiterungsbaus.

Die letzte Schwester geht

Nach 95 Jahren übergab dann im Juli 1986 Schwester Irmtraud Rothenhöfer von der Kongregation der Schwestern des Erlösers die Leitung des Kindergartens in weltliche Hände, Träger blieb aber nach wie vor die Katholische Kirchenstiftung. Der Bedarf an Betreuungsplätzen stieg ständig, teilweise gab es sogar sechs Gruppen, wofür der ehemalige Gymnastikraum im Jugendzentrum herhalten musste. Seit 1975 gab es ohnehin eine ausgelagerte Gruppe im Berufsbildungszentrum.

Ein zweiter Kindergarten?

Als sich Ende der 1990er Jahren abzeichnete, dass die ausgelagerte Gruppe nicht mehr lange Bestand haben wird, gab es Bestrebungen, einen zweiten Kindergarten unter anderer Trägerschaft in Münnerstadt zu etablieren. Letztendlich waren die Bemühungen des eigens gegründeten Fördervereins nicht von Erfolg gekrönt.

Jugendzentrum und Kindergarten heute
Jugendzentrum und Kindergarten heute // Thomas Malz

Der bestehende Kindergarten wurde Anfang des neuen Jahrtausends komplett umgebaut und saniert. Weil die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kleinkinder immer größer wurde, gab es 2009 eine Erweiterung für eine Krippengruppe, wobei Teile des Jugendzentrums mit einbezogen wurden. Ende 2009 wurde sie eingeweiht.

Vier Kindergärten im Stadtgebiet

Auch die Kindergärten in Reichenbach und Brünn wurden saniert und bekamen Kleinkindergruppen. Der Kindergarten in Seubrigshausen musste geschlossen werden, selbst der Kindergarten in Großwenkheim stand auf der Kippe. Inzwischen ist der Bedarf wieder so groß, dass er ausgebaut und erweitert wird. Am Ende werden es dort vier Gruppen sein.

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