Neustadt
Feuerwehr-Übung bei 320 Grad
Neun Feuerwehren aus Neustadt und Umgebung  haben sich am Wochenende unter reellen Bedingungen für den Ernstfall vorbereitet.
Neun Feuerwehren aus Neustadt und Umgebung haben sich am Wochenende unter reellen Bedingungen für den Ernstfall vorbereitet.
Foto: Feuerwehr Neustadt
Neustadt bei Coburg – In Neustadt trainierten Feuerwehrleute den Einsatz bei 320 Grad

„Man hat auf der Kriechstrecke absolut nichts gesehen und im zweiten Teil des Containers waren es bis zu 320 Grad“, sagt Benjamin Rupp. Er ist einer von 32 Feuerwehrlern, die am Wochenende auf dem Gelände der Firma Sauer Polymertechnik unter reellen Bedingungen für den Ernstfall geübt haben.

Die Einsatzkleidung muss nicht nur korrekt an-, sondern auch wieder korrekt abgelegt werden.
Die Einsatzkleidung muss nicht nur korrekt an-, sondern auch wieder korrekt abgelegt werden.
Foto: FW Neustadt

„Die Übung war megagut – ich war selbst schon oft in brennenden Gebäuden und Zimmern, aber so kaputt wie nach der Übung war ich noch nie“, sagt der Neustadter Feuerwehrmann, der bereits seit elf Jahren regelmäßig ausrückt.

Belastung war eine andere

Grundsätzlich sei der Container ähnlich wie die Atemschutz-Übungsanlage in Ebersdorf bei Coburg aufgebaut. „Vom Kopf her war die Belastung aber eine ganz andere. Der Container hat eine L-Form und ist in der Mitte durch eine Tür getrennt“, berichtet der Neustadter von der Übung. Im ersten Teil des Containers liegt die Temperatur bei rund 170 Grad, im zweiten Teil steigt sie dann noch einmal. Benjamin Rupp und seine Kameraden mussten in dem Container Puppen und Gefahrengut suchen. „Eigentlich kennen wir das alles aus der Atemschutzübung, die Bedingungen haben uns die Aufgaben aber deutlich erschwert.“

Unter reellen Bedingungen geübt

Neben den Aufgaben hatten die Feuerwehrleute in dem Raum auch die Möglichkeit Techniken, wie etwa das Herunterkühlen von Rauch zu üben. „Wenn man zum Beispiel einen Liter Wasser bei 100 Grad abgibt, dann verdampft es zu 1700 Litern Wasserdampf – wir müssen den Raum also runterkühlen und dabei aufpassen, uns selbst nicht zu verbrühen“, sagt Benjamin Rupp.

Der Container, der für die Übung aufgebaut wurde, unterscheidet sich von der Atemschutz-Übungsanlage in Ebersdorf dadurch, dass er mit Holz befeuert wird und die Temperaturen somit denen im Einsatz ähneln.

Im Container lagen die Temperaturen bei bis zu 320 Grad.
Im Container lagen die Temperaturen bei bis zu 320 Grad.
Foto: FW Neustadt

„Der Hintergrund der Übung ist, dass die Atemschutzgeräteträger, die im Einsatz den Innenangriff übernehmen, regelmäßig unter reellen Bedingungen geschult werden müssen“, sagt Stefan Köhler, Stadtbrandmeister und stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Neustadt. Teil der Übung war auch das korrekte Ausziehen der Schutzkleidung. „Nach dem Einsatz haften an der Kleidung Brandrauch und Gefahrenstoffe, die nicht mit der Haut in Berührung kommen sollen.“

Der Container war in zwei Teile unterteilt, durch einen Teil mussten die Feuerwehrler kriechen.
Der Container war in zwei Teile unterteilt, durch einen Teil mussten die Feuerwehrler kriechen.
Foto: FW Neustadt

Stefan Köhler, der seit 39 Jahren bei der Feuerwehr aktiv ist, hat selbst nicht an der Übung teilgenommen. „Die Feuerwehrler, die aus den Containern kamen, hatten alle feuerrote Köpfe durch die Wärme und den Stress“, sagt er. Sie seien alle „fix und fertig“ gewesen und hätten dann erst einmal platt am Boden gelegen. Die Resonanz der Feuerwehrleute war sehr gut. „Einer hat vor Ort gesagt, dass er bislang an noch keiner besseren Übung teilgenommen hat.“