Ukraine-Hilfe
Lernen geht nur mit Strom
Glückliche Kinder. Ein Transport aus Neustadt ist angekommen – mit Schulsachen, Kleidung und noch viel mehr.
Glückliche Kinder. Ein Transport aus Neustadt ist angekommen – mit Schulsachen, Kleidung und noch viel mehr.
Tschernobyl-Kinderhilfe
Rainer Lutz von Rainer Lutz Coburger Tageblatt
Neustadt bei Coburg – Die Tschernobyl-Kinderhilfe Neustadt will für eine Schule in der Ukraine einen Generator kaufen.

Sieben minus eins ist gleich sechs, steht auf der Schiefertafel der Schule in einem Dorf in der Ukraine. Vor der Tafel stehen sechs Kinder im Grundschulalter mit Geschenken in den Händen. Sie freuen sich. Gerade ist ein Transport aus Deutschland, aus Neustadt, angekommen. Jede Menge Schulsachen haben sie bekommen. Kleidung und auch ein paar Süßigkeiten waren in den Paketen, die Dieter Wolf und die Mitglieder des Vereins Tschernobyl-Kinderhilfe auf den Weg gebracht haben.

Einfach ist es gerade nicht, Hilfsgüter in das Kriegsland zu schaffen. „Die Spedition muss auch immer erst Fahrer finden, die dort hin fahren“, sagt Dieter Wolf. Niemand weiß in dieser Zeit, wo die nächsten russischen Raketen einschlagen. Es gibt keinen sicheren Ort, keine sichere Route.

Das macht auch der Dankbrief deutlich, der Dieter Wolf von Schulleiter Alexander Romanchuk erreicht hat. Er schildert die Freude der Kinder, die sich vieles, das in den Transportkisten angekommen ist, nicht hätten leisten können – etwa die nagelneuen Schultaschen oder Marken-Sportsachen mit dem Aufdruck des FC Bayern München.

Doch Dieter Wolf hatte auch gefragt, was jetzt besonders dringend gebraucht wird. Und da hat der Schulleiter eine große Bitte: „Wir möchten Sie auch um Ihre Hilfe beim Kauf eines Stromgenerators für unsere Schule bitten. Als Folge des russischen Beschusses von Energieanlagen in der Ukraine wird unser Strom sehr oft und für lange Zeit abgeschaltet.“ Das ist vor allem ein Problem, wenn Lehrer und Kinder in den Schutzraum müssen, weil Luftalarm gegeben wird. Schutzraum des Dorfes ist der Keller unter der Schule. Bei Stromausfall ist es dort dunkel, Heizung gibt es nicht. Schon vor Wochen hatte Dieter Wolf als erste schnelle Hilfe Kisten voller Kerzen auf den Weg in die Dörfer gebracht, die er und sein Verein seit Jahrzehnten unterstützen.

Doch die Befürchtung von Alexander Romanchuk geht noch viel weiter als um den Moment im Keller: „Wir befürchten, dass bei starkem Frost und längerem Stromausfall die Heizung unserer Schule ausfällt und die Kinder die Schule nicht besuchen können. Es wird sehr schwierig sein, die Schule während des Krieges nach einem solchen Unfall aufgrund fehlender finanzieller Mittel zu reparieren.“ Wegen der fortgesetzten Angriffe auf die kritische Infrastruktur in der Ukraine sind flächendeckende Stromausfälle an der Tagesordnung. Generatoren sind daher kaum noch zu bekommen und wenn, dann zu einem vielfachen Preis im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg. „Wir hoffen sehr auf eure Hilfe! Denn die Kinder wollen trotz der schwierigen Zeiten unbedingt in ihrer Heimatschule lernen“, schreibt Alexander Romanchuk.

Hilfe vor Ort

Gerade in dem Gebiet, in dem die Dörfer liegen, die der Verein unterstützt, leben Menschen, die kaum die Möglichkeit haben, die Ukraine zu verlassen, um im Ausland Schutz zu suchen. Es ist das Gebiet, das nach dem Reaktorunfall bis heute eine erhöhte Strahlenbelastung aufweist. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Viele Männer sind im Krieg. Familien sind zerstört oder zerrüttet, weil Eltern mit der Belastung nicht klar kommen. Die Hilfe des Neustadter Vereins, zeigt den Menschen, dass sie nicht ganz vergessen sind. Im Kontakt mit seinen Vertrauensleuten vor Ort, Schulleiterinnen vor allem, erfährt Dieter Wolf immer wieder, wie hoch die Hilfe geschätzt wird. War es über mehr als 20 Jahre Hauptzweck des Vereins, neben der Hilfe vor Ort, Kinder zur Erholung ins Coburger Land zu holen, so hat sich das inzwischen durch Corona und den Krieg verändert. Der Verein unterstützt die betroffenen Dörfer mit Geld und Hilfsgütern. Denn für Dieter Wolf steht eines fest: „Wir können jetzt nicht aufhören. Die Menschen dort sollen wissen, dass wir sie nicht aufgegeben haben, dass wir an sie denken und ihnen helfen so gut wir können.“

Der Winter ist schon da

Für sein Engagement wurde Dieter Wolf als Vorsitzender des Vereins mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Eine Anerkennung, die ihn mit Stolz erfüllt hat. Doch die Freude auf den Gesichtern der Kinder, die jetzt ihre Pakete aus dem jüngsten Transport bekommen haben, diese Freude ist es, für die er unermüdlich weiter Spenden sammelt. Und so bald es geht, will er aus diesen Spenden den Generator für die Schule von Alexander Romanchuk beschaffen, damit die Kinder weiter unterrichtet werden können. Die Zeit drängt. Der Winter hat die Ukraine im Griff.

Spendenkonto

Bankverbindung Wer die Tschernobyl-Kinderhilfe finanziell unterstützen möchte, kann das mit einer Spende über folgende Bankverbindung tun: Sparkasse

Coburg-Lichtenfels

IBAN: DE68 7835 0000 0000 3735 55

BIC: BYLADEM1COB

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