Ein Autogramm. Darum hatte Katja gebeten, als sie Udo Lindenberg schrieb. Ihr Mann Peter Hantschel war todkrank. Sie wollte ihm eine Freude machen, einen schönen Moment schenken in dieser so schweren Zeit. Doch der Musiker beließ es nicht bei einer Unterschrift: Er malte ein Bild. Mit einer persönlichen Widmung für Peter. Aus einer bescheidenen Bitte war ein ganz besonderes Geschenk geworden.
Es ist eine der berührenden Geschichten, die Trauerrednerin Katrin Zarske für den Abschied in der Neustadter Auferstehungskirche zusammengetragen hat. Geschichten über einen Menschen, der vielen etwas bedeutete. Peter Hantschel starb am 21. September im Coburger Krankenhaus, an der Seite seiner Frau. Er wurde nur 56 Jahre alt.
Wie vielen Menschen Peter Hantschel etwas bedeutete, zeigte sich bei seinem Abschied am Mittwochnachmittag auf dem Neustadter Friedhof. Trauer- und Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Sport und öffentlichem Leben waren gekommen, dazu Freunde und Wegbegleiter. Über 200 Menschen versammelten sich in der Auferstehungskirche, etwa 150 weitere davor. Die Sonne lachte, doch die meisten Menschen weinten. Seine Ehefrau Katja muss ohne ihren Mann weiterleben, Denise ohne ihren Papa, Thea, Tilda und Fritzi ohne ihren Opa.
Lieder von Lindenberg und Maffay
Umrahmt wurde die Trauerfeier von zwei ergreifenden Liedern von Udo Lindenberg und mit einem Song von Peter Maffay („So bist Du“). Es waren Hantschels Lieblingssänger. Zarske erzählte vom jungen Peter und vom älteren Peter. Er sei ein Lausbub gewesen, einer wie der Michel aus Lönneberga, der immer wieder Streiche spielte. Die Schule sei dagegen nicht sein Ding gewesen. Sie erzählte aber auch vom Opa Peter. Der mit den Mädchen Lego spielte, im Pool planschte und Filmabende machte. Es gab süße Cocktails und reichlich Churros. Tilda bastelte ihm ein Armband. Orange, seine Lieblingsfarbe. Daran ein kleines Glöckchen. Wenn es Opa nicht gut ging oder er etwas brauchte, konnte er klingeln.
Wie viel Schalk in ihm steckte, zeigt die Geschichte von den „Franken-Austern“. Für den Aprilscherz 2025 ließ er eigens Visitenkarten drucken. „Franken-Austern GmbH Peter Hantschel“ stand darauf. Die Geschichte von der vermeintlichen Delikatesse aus Neustadt war so überzeugend inszeniert, dass Menschen tatsächlich bei seiner Frau bestellen wollten. Wer von ihm erzählt, kommt an der Druckerei Nötzold natürlich nicht vorbei. Mit gerade einmal 15 Jahren begann Hantschel dort seine Ausbildung zum Drucker. Er blieb. Bis zuletzt. Aus dem kleinen Betrieb mit einst sieben Mitarbeitern entwickelte sich über die Jahre ein florierendes Unternehmen mit rund 30 Beschäftigten. Eine Erfolgsstory!
„Tschüss Mallorca“
Die Rednerin wusste aber auch, dass der 56-jährige Rödentaler noch sehr viel vorhatte. Seiner Tochter Denise hatte er zu Weihnachten eine gemeinsame Wanderreise geschenkt. Zeit miteinander, draußen in der Natur. Vater und Tochter konnten sie nicht mehr antreten. Er und seine Frau hatten eine eigene Finca auf Mallorca, ihrer geliebten Insel. Regelmäßig reisten sie in die Satanca in Cala d’Or. Beim letzten Besuch war er bereits von seiner unheilbaren Krebserkrankung schwer gezeichnet. Beim Abschied sagte er leise Servus: „Tschüss Mallorca.“ Dort wollten die Hantschels später einmal die kalten Monate verbringen. Weniger Termine, mehr gemeinsame Zeit. Dieser Traum bleibt unerfüllt.
Während seiner Krankheit hatte Peter wieder eine alte Leidenschaft entdeckt: seiner Frau kleine Zettel zu schreiben. Wie früher. „Ich liebe Dich“ lag dann auf dem Küchentisch. Wenige Worte zwischen all der Sorge und der Hoffnung, dass er wieder nach Hause kommen würde. Doch die Hoffnung starb zuletzt. Was der Trauerrednerin am Ende ihrer Ausführungen besonders wichtig war: „Der Krebs hat nicht gewonnen. Der Krebs ist auch gestorben. Peter Hantschel hat diesen Kampf nicht verloren – es steht also unentschieden!“
Ein Bild mit persönlicher Widmung. Ein orangefarbenes Armband. Franken-Austern. Ein Liebesgruß auf dem Küchentisch. Ein Remis. Es sind diese kleinen Dinge, die beim großen Abschied von Peter Hantschel besonders viel erzählen und vielen Weggefährten in Erinnerung bleiben.












