Ziehen in der ruhigen Geißgasse in Weitramsdorf bald 26 Flüchtlinge ein? Die Bauvoranfrage, die eine Immobilienfirma an die Gemeinde stellte, rief sogleich hohe Wellen und großes Interesse an der Gemeinderatssitzung am Montagabend hervor. Rund 50 Zuhörende drängten sich in den Schulungsraum der Feuerwehr. Vorab hatten Noch-Bürgermeister Christian Brettschneider (CSU) und sein zweiter Stellvertreter Daniel Dressel (DGN) in der Vorwoche die Anwohner über die geplante Umnutzung des leerstehenden Einfamilienhauses als Sammelunterkunft für Geflüchtete in Kenntnis gesetzt. „Wir wollten die Anwohner persönlich informieren, damit sie von den Plänen nicht aus dem Amtsblatt erfahren“, begründet Dressel den Schritt.
Als „sachlich und unvoreingenommen“ habe sie die Informationstour der Bürgermeister empfunden, bestätigte Anwohnerin Dorothee Merzbacher am Montag. Beide hätten sich das Haus Nr. 9 und die Straße genau angesehen. Ihr Eindruck: Die Vertreter der Verwaltung waren besorgt. Genau wie die Nachbarn. „Seither schlafe ich nicht mehr gut“, sagte Merzbacher stellvertretend.
Unterschriftenliste gegen die Sammelunterkunft
Gleich im Anschluss beratschlagten die Anwohner am Dienstag, wie sie reagieren wollen. Egal ob hier verwurzelte ältere Menschen oder zugezogene Familien mit Kindern und Jugendlichen: Alle sorgten sich um die Wohnqualität in der Sackgasse. Merzbacher entwarf ein Schreiben an die Gemeinde, in dem um Ablehnung der Bauvoranfrage gebeten wird. Das Zweifamilienhaus solle in seiner jetzigen Form belassen werden. Dressel las den Brief in der Sitzung vor. Konflikte seien programmiert, zumal es im Ort weder Möglichkeiten zur Einkehr noch zum Einkaufen gebe, heißt es darin. Die beigefügte Unterschriftenliste haben 43 erwachsene Personen unterzeichnet, die sich ausdrücklich als nicht ausländerfeindlich oder rechts oder populistisch bezeichnen.
Die Pläne, die mit der Anfrage eingereicht wurden, sehen im Erdgeschoss des Hauses elf, im Obergeschoss zwölf und im Dachgeschoss drei Plätze vor, in insgesamt sieben Zimmern. Hinzukommen drei Bäder, zwei WCs und vier Gemeinschaftsräume oder Küchen. Schon jetzt beherbergt die 5200 Einwohner zählende Gemeinde 35 Ukrainer und 85 Flüchtlinge aus anderen Staaten, dazu seit kurzem 14 Alleinreisende.
Mit den geplanten 26 weiteren Plätzen käme Weitramsdorf dann auf 160 Personen. Zwar wird das Landratsamt laut Pressestelle maximal zwei Tage vor Eintreffen der Busse in Kenntnis gesetzt, wie viele und welche Personen tatsächlich untergebracht werden müssen. Doch steht für den Dritten Bürgermeister fest, dass verfügbare Plätze auch belegt werden. Dressel kann die Sorgen der Anwohner nachvollziehen: Die Unterbringung würde die Anzahl der jetzt 27 Erwachsenen fast verdoppeln und „schon eine Veränderung darstellen“. Bisher sei die Geißgasse eine reine Anliegerstraße, dazu naturnah am Ortsrand gelegen. Sie verläuft parallel zum Greinberg, einem Naherholungsgebiet. „Somit handelt es sich nicht um eine Bauanfrage wie jede andere.“
“„Die Unterbringung würde die Anzahl der jetzt 27 Erwachsenen fast verdoppeln und schon eine Veränderung darstellen.“
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Bauvoranfrage mehrheitlich abgelehnt
Nun galt es am Montagabend für den Gemeinderat erst einmal, über das Baurechtliche zu entscheiden. Dann werde sich die auf solche Bauvorhaben spezialisierte Firma (Bernert Immobilien GmbH, Burgkunstadt) wohl ans Landratsamt wenden, vermutete Dressel am Nachmittag. Vor einem möglichen Verkauf der in Privatbesitz befindlichen Immobilie müsste allerdings die Angelegenheit der Kommune nochmals vorgelegt werden, da das Haus in einem Sanierungsgebiet liege.
Dressel leitete gemeinsam mit dem Zweiten Bürgermeister Dominic Juck (SPD) die Sitzung, an der auch Landrat Sebastian Straubel teilnahm. Er erläuterte die Herausforderung für den Landkreis: Jeden Dienstag träfen 30 Flüchtlinge aus dem überfüllten Ankerzentrum Bamberg in Coburg ein. Dass hier „nahezu kein Wohnraum mehr zur Verfügung steht“, sei seit einem Jahr bekannt, konkrete Vorschläge habe das Landratsamt längst gemacht. „Ich will vermeiden, Turnhallen mit 100 Leuten zu belegen“, stellte der Landrat klar. „Integration kann nur gelingen, wenn wir nicht überfordert sind.“
Die Bauvoranfrage wurde dann vom Gemeinderat mit 18:1 abgelehnt. Einzig Günter Tschech (ÜPWG) votierte dafür. Das Landratsamt könnte das nicht vorhandene Einvernehmen ersetzen, war Dressels abschließender Hinweis.
Gemeinderat in Kürze
Neues Logo Für einen frischeren und moderneren Auftritt hatte die Gemeinde von der Firma Hirsch & Wölfl (Feldberg) ein neues Logo entwickeln lassen. Andreas Wölfl stellte dem Gemeinderat zwei zeitlose Varianten vor. Die eine Alternative greift neben dem Schriftzug Gemeinde Weitramsdorf die Themen Wald und Natur auf, die schmalere Variante reißt ein „W“ an, das eines Tages auch für die Kommune allein stehen könnte. Kritik hagelte es vor allem aus der CSU-Fraktion: Michael Rädlein vermisste das alte Wappen, Dr. Thomas Rosenkranz den klaren Bezug zu Weitramsdorf. Auch anderen gefielen beide Varianten nicht, Katrin Schimpl (DGN) dafür gleich beide. Mit knapper Mehrheit (9 Ja-, 10 Nein-Stimmen) lehnte der Rat die dezentere Variante ab. Für das breitere Logo stimmten elf Anwesende, acht waren dagegen. Wölfl plädierte dafür, das beschlossene Logo nun nach außen zu tragen. Im nächsten Jahr sollen dann eine neue Homepage und eine Bürger-App folgen.
Ehrung Mit der kommunalen Dankurkunde zeichnete Landrat Sebastian Straubel dann Gemeinderätin Anita Dorn (ÜPWG) aus. „Das ist eine schöne Geste für diejenigen, die sich auf kommunalpolitischer Ebene engagieren“, sagte er. Tatkraft und Geduld zeichneten die „weit über Weitramsdorf bekannte“ Dorn aus.
Bauprojekte „Trotz reger Bautätigkeit verhinderte die Witterung eine 100-prozentige Zielerfüllung“, fasste Silke Görbert-Schultheiß von der technischen Bauverwaltung den Stand der Projekte im Gemeindegebiet zusammen. Für die Neugestaltung der Weitramsdorfer Ortsmitte werde der Albrechtsaal herausgenommen. Die Baumaßnahmen beschränkten sich auf die gemeindlichen Grundstücke Schlettacher Straße 1 und Coburger Straße 1.
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