Seit gut einem Jahr steht in Sonnefeld das Einfamilienhaus an der Ecke Weidhäuser Straße/Marienstraße leer. Bei einem Coburger Immobilienmakler wird es mit warmen Worten angepriesen: Das Haus biete „genug Platz für Familie und Homeoffice“ heißt es da; außerdem gehöre zum Gebäude (Wohnfläche: 200 Quadratmeter) noch ein großer Garten.
Inzwischen gibt es auch tatsächlich einen Kaufinteressenten für das Objekt. Nach Informationen des Coburger Tageblatts will der aber nicht etwa mit seiner Familie dort einziehen. Stattdessen möchte er das Haus als Sammelunterkunft für geflüchtete Menschen nutzen.
Der Sonnefelder Bürgermeister Michael Keilich (CSU) bestätigt, dass sich der Gemeinderat bereits in seiner nächsten Sitzung mit einer entsprechenden Bauvoranfrage beschäftigen wird. Außerdem berichtet Keilich von vielen Sorgen, die es in der Nachbarschaft gebe. Der Bürgermeister stellt klar:„Ich habe totales Verständnis für diese Sorgen.“ Denn auch er halte das Haus für ungeeignet, um darin mehr als 20 Menschen „zusammenzupferchen“.
Wer genehmigt das?
Aber der Reihe nach. Bei dem Kaufinteressenten handelt es sich um einen Privatmann, der auch schon an anderen Orten in der Region größere Flüchtlingsunterkünfte geschaffen hat. Im Fall der Sonnefelder Immobilie verhält es sich so, dass er sie noch nicht gekauft hat. Denn zunächst möchte er – mit einer Bauvoranfrage an die Gemeinde – geklärt haben, ob sich dort seine Pläne umsetzen lassen. Wie Michael Keilich erklärt, wäre eine Unterbringung von bis zu zehn Personen genehmigungsfrei.
Im Raum steht aktuell aber die Zahl von 22 geflüchteten Menschen, die in der Weidhäuser Straße untergebracht werden sollen. Dafür benötigt es eine Nutzungsänderung, weil dann auch bestimmte Auflagen greifen, wie etwa zum Brandschutz. Doch egal, ob der Sonnefelder Gemeinderat die Bauvoranfrage positiv oder negativ beantwortet: Genehmigungsbehörde ist am Ende sowieso immer das Landratsamt Coburg. Das bedeutet: Michael Keilich geht zwar davon aus, dass der Gemeinderat das Vorhaben ablehnt – verhindern lässt es sich dadurch aber nicht.
Hilfsbereitschaft sehr wohl vorhanden
Aber warum hält der Bürgermeister das Haus eigentlich für ungeeignet als Sammelunterkunft? Wohlwissend, dass dies ein sensibles Thema ist, verweist Michael Keilich zunächst auf die große Hilfsbereitschaft, die es in Sonnefeld sehr wohl für geflüchtete Menschen gebe. Zurzeit seien im Gemeindegebiet bereits zirka 40 Flüchtlinge untergebracht; verteilt auf mehrere Wohnungen. Das alles erfolge sehr „geräuschlos“, wie er sagt. Eine Sammelunterkunft für mehr als 20 Personen sei aber eine andere Dimension. „Dieses Konzept sehe ich sehr skeptisch. Da ist der Ärger vorprogrammiert – und ich habe Sorge, dass ein sozialer Brennpunkt entsteht.“ Deshalb hält der Bürgermeister auch den Standort der Immobilie für unglücklich: So befinde sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Beispiel ein Kindergarten.
Unterschriftensammlung ab Freitag
Die Initiatoren einer Unterschriftensammlung, die an diesem Freitag in Sonnefeld startet, nennen dieselben Gründe wie Keilich. So ist von einer „kasernenartigen“ Unterbringung die Rede, wenn für jede Person gerade mal sieben Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen. Dies bringe „sehr hohes Konfliktpersonal“ mit sich. Außerdem heißt es in einem Aufruf: „Was das für uns als unmittelbares Umfeld mit direkt angrenzenden Einfamilienhäusern, dem Kindergarten, der Kirche und dem Friedhof bedeutet, bereitet uns große Sorgen.“ Mit der Unterschriftenaktion solle deshalb versucht werden, die Bewilligung einer Nutzungsänderung zu verhindern. „Jede Stimme macht den Erfolg unserer Initiative wahrscheinlicher!“
Aber, wie gesagt: Der richtige Adressat des Protests ist das Landratsamt. Dort weiß man über das mögliche Immobilienangebot aus Sonnefeld bereits Bescheid. „Das Objekt in Sonnefeld ist dem Landratsamt bekannt und als mögliche Unterkunft für geflüchtete Personen angeboten worden“, bestätigt der Pressesprecher des Landratsamts, Berthold Köhler. Sollte es einen Antrag auf Nutzungsänderung für das Gebäude geben, werde das Landratsamt diesen prüfen und „darauf achten, dass die Vorgaben eingehalten werden“. Über die baurechtliche Prüfung hinaus wird laut Köhler darauf geachtet, dass die sogenannten „Leitlinien zu Art, Größe und Ausstattung von Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber“ der bayerischen Staatsregierung eingehalten werden.
Was sagt das Landratsamt Coburg dazu?
Grundsätzlich gibt der Pressesprecher des Landratsamts zu bedenken, dass die Zahl der geflüchteten Personen, die den oberfränkischen Landkreisen zugeteilt werden, von Woche zu Woche steigen. „Deshalb sucht und braucht das Landratsamt Coburg dringend Unterkünfte, um diese Menschen unterbringen zu können.“ Bürgermeister Michael Keilich weiß um diese Not: „Das Landratsamt tut mir leid – die Verantwortlichen dort stehen mit dem Rücken zur Wand.“
Nichtsdestotrotz: Die Unterschriftenlisten liegen ab diesen Freitag in zahlreichen Geschäften in Sonnefeld aus. Zudem wollen die Initiatoren am Samstag, 30. September, persönlich informieren und sind deshalb von 10 bis 14 Uhr direkt neben dem besagten Gebäude in der Weidhäuser Straße anzutreffen.












