Ein rotes Backstein-Gebäude. Drei Etagen, die unterste etwas erhöht. An der roten Wand fallen die beiden blauen „Holiday“-Schilder besonders auf. Die ehemalige Holiday-Kneipe an der Ecke Marienstraße und Dr.-Martin-Luther-Straße in Neustadt trägt den einladenden Schildern schon länger nicht mehr Rechnung. Doch nun darf sich dem Gebäude auch keiner mehr nähern.
Wie die Stadt Neustadt bei Coburg am Dienstagabend in einem Pressegespräch erklärt, ist die Einfahrt in die Dr.-Martin-Luther-Straße von der Marienstraße kommend bis auf Weiteres voll gesperrt. Die Zufahrt zu den weiteren Gebäuden in der Dr.-Martin-Luther-Straße ist von der Bahnhofstraße aus möglich. Für Fußgänger ist der Durchgang beidseitig gesperrt. Auch sie müssen zum Kreuzen auf die Friedrichstraße darüber oder die Goethestraße darunter ausweichen.
Frank Röser, Leiter der Bauverwaltung, erklärt: „Das ist notwendig, da die vordere Wand keine Absteifung mehr hat und damit nach vorne einstürzen könnte“. Gemeint ist der mittlere Teil mit dem Giebel-Dach, welcher in Richtung Dr.-Martin-Luther-Straße zeigt. Nach umfangreicher Prüfung habe man keine andere Möglichkeit mehr gesehen, fügt Oberbürgermeister Frank Rebhan an. „Die Witterung hat im Inneren bereits die Böden einstürzen lassen und der Deckeneinbruch befördere die Instabilität nur noch weiter“, sagt Röser.
Das Problem: Das Gebäude ist nicht in der Hand der Stadt. Die Eigentümer hätten bisher nicht auf die Abrissaufforderungen der Stadt reagiert. Die Stadt bereitet nun einen entsprechenden juristischen Bescheid vor, der zum Abriss auffordert.
Die Stadt leitet also das gesetzlich vorgesehene, dreistufige Verfahren ein:
- Sperrung der Straße durch das Ordnungsamt, um unmittelbare Gefahr abzuwenden.
- Der Bescheid, der zum Abriss auffordert – mit einer entsprechenden Frist.
- Im Zweifel Abriss durch die Stadt und Rechnungsstellung an die Eigentümer, wenn der juristischen Aufforderung nicht nachgekommen wird.
Frank Rebhan zitiert Artikel 14 des Grundgesetzes: „Eigentum verpflichtet“ – daher sei die Stadt auch nicht gewillt, das Anwesen zu kaufen, um dann die Abrisskosten selbst zu tragen. Die Stadt sei stattdessen bereit, alle juristischen Maßnahmen zu ergreifen, um einen Abriss zu erwirken.
Die Anwohner bittet der Oberbürgermeister um Geduld und vor allem Verständnis. Auf den Verkehr hat diese Sperrung zunächst keinen größeren Einfluss. Eine weitere beeinträchtigende Sperrung wie die der B4 zwischen Unterlind und Heubisch ist somit nicht hinzugekommen. Fußgänger müssen auf der Marienstraße die Straßenseite wechseln und können genau wie Pkw nicht mehr in die Dr.-Martin-Luther-Straße einbiegen.



















