Saftig grün liegen die Wiesen im Häslichgrund zwischen den bewaldeten Höhen. Ein Bach plätschert an einer Reihe von Teichen und Tümpeln vorbei. Eine Wasseramsel bezieht auf einem Zweig über dem Bach ihren Ansitz. „Der Grund hier ist ein echtes Kleinod geworden“, sagt Fabian Hecker. Als Revierleiter beim Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten ist er für den Bereich im Mönchrödener Forst zuständig. Mit einer weißen Kiste aus Styropor bahnt er sich den Weg zu einem der Teiche. In feuchter Holzwolle warten darin kleine Edelkrebse darauf, zu ihren Artgenossen im klaren Wasser des Biotopteiches zu stoßen, als Verstärkung gewissermaßen.
Schon im Herbst 2019 wurden hier Edelkrebse ausgewildert. Damals war das ein Erstbesatz mit der früher hier heimischen Art, die vollkommen verschwunden war. Die Aktion nannte Albert Schrenker, Leiter des Forstbetriebs Coburg der BaySf, eine BGWL. Das steht für besondere Gemeinwohl-Leistung. Gemeint sind Dinge, die nicht der Waldbewirtschaftung sondern dem Nutzen der Bevölkerung gewidmet sind. In diesem Fall eben dem Naturschutz. 1500 Krebse wurden damals in den Teich gesetzt, der nicht verpachtet und daher auch nicht bewirtschaftet ist. „Damit haben wir im Griff, dass er nicht etwa ausgelassen wird oder Raubfische eingesetzt werden“, sagt Fabian Hecker.
Die Krebse breiten sich aus
Es war für alle Beteiligten spannend, ob sich die Krebse in dem Gewässer halten, vielleicht gar vermehren würden. Inzwischen ist klar: Den Edelkrebsen gefällt es in ihrem Teich im Häslichgrund. Und nicht nur in dem. „Die bewirtschafteten Teiche werden immer wieder mal abgelassen. Daher wissen wir, dass sich die Krebse verbreitet haben und jetzt auch dort leben“, sagt Fabian Hecker. In ihrem ursprünglichen Teich allerdings bekamen die Krebse inzwischen Ärger. „Da waren Karpfen drin, die dann so groß waren, dass sie auch Krebse fressen konnten“, sagt der Förster. Daher musste der Teich abgelassen, die Karpfen gefangen werden. Das jetzt klare Wasser zeigt, dass keine Karpfen mehr da sind, die den Schlamm durchwühlen. Gut für die Krebse, die jetzt Verstärkung bekommen. 250 kleine Kneifer aus einer Aufzuchtstation hat Fabien Hecker in seiner Kiste. Sie dürfen jetzt in die Freiheit – und sich hoffentlich auch weiter vermehren. Der Lebensraum im Häslichgrund ist ganz offenbar für sie geeignet. Und sie können sich sogar in bewirtschafteten Teichen halten. So wie die Teichmuschel, die hier vorkommt. „Feuersalamander sind hier auch bestätigt“, sagt Fabian Hecker.
Extensive Bewirtschaftung
Dass sich der Häslichgrund so positiv entwickeln konnte, ist der extensiven Bewirtschaftung zu verdanken, die der Forstbetrieb hier seit Jahren praktiziert, wie Albert Schrenker sagt. Er spricht in diesem Zusammenhang von „integrierter Waldbewirtschaftung“. Zusammen mit dem Kehrgaben und Altbuchenbeständen im Mönchrödener Forst wurden Inseln als Trittsteine für den Naturschutz geschaffen. So wurde das Gebiet insgesamt aufgewertet und zum Lebensraum seltener Arten. „Im Zuge eines Bienenmonitorings wurden Schmuckbiene, und je zwei Arten von Schenkelbienen und Kegelbienen nachgewiesen“, sagt Fabian Hecker. „Es wurden verschiedene Blühflächen in Staatswäldern in Franken untersucht. Davon war der Häslichgrund die einzige Fläche mit Vorkommen von Kegelbienen.
So nach und nach sind alle kleinen Krebse aus der Box im Teich verschwunden. Dort dürfen sie jetzt zu stattlichen Edelkrebsen heranwachsen. Das ist auch gut für das Gewässer selbst, denn: „Krebse sind gewissermaßen die Hygienebeauftragten im Teich, sie halten ihn sauber“, sagt Albert Schrenker. Eine Gefahr durch den aus Nordamerika eingeschleppten Signalkrebs, der Bestände in Europa mit der Krebspest infizierte und teilweise fast ausgerottet hat, besteht hier bisher nicht. Die nächsten Vorkommen sind weit vom Häslichgrund entfernt. Und der Fischotter? „Da haben wir bisher keine Bestätigung, nur der Biber ist hier zu Gange, aber der tut den Krebsen nichts“, sagt Fabian Hecker. Menschlichen Feinschmeckern gelten die Tiere aber als Delikatesse, aber…: „Ich hab von denen hier noch keinen gegessen“, versichert Fabian Hecker.











