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LBV-Serie über fremde Arten
Niedlich, eingeschleppt – und gefährdet: Das Wildkaninchen
Das Paradoxe ist: Zwar zählt das Wildkaninchen immer noch zu den 100 gefährlichsten Neobiota weltweit. Trotzdem wird es mittlerweile als weltweit gefährdet eingestuft. Markus Glässel, LBV-Archiv
Das Paradoxe ist: Zwar zählt das Wildkaninchen immer noch zu den 100 gefährlichsten Neobiota weltweit. Trotzdem wird es mittlerweile als weltweit gefährdet eingestuft. Markus Glässel, LBV-Archiv // 
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Coburg – In diesem Teil der Serie geht es um Tiere, die viele für heimisch halten: Wildkaninchen. Die kleinen Tiere haben gegen viele Bedrohungen zuu kämpfen.
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Wer hätte gedacht, dass das Wildkaninchen nicht zu unserer ursprünglichen heimischen Tierwelt zählt, sondern erst in der frühen Neuzeit nach Deutschland gebracht wurde? Tatsächlich gilt der kleine Verwandte von Meister Lampe bei uns als eingeschleppt und mittlerweile dauerhaft etabliert, betont Gerhard Hübner vom LBV Coburg in diesem Teil der Serie über fremde Arten, Neobiota. Der LBV Coburg hat das Thema „Neobiota“, wie man eingeschleppte Arten nennt, als Jahresthema für 2026 aufgegriffen. Ursprünglich lebte das Europäische Wildkaninchen nach der letzten Eiszeit vor rund 11.600 Jahren auf der Iberischen Halbinsel, in Nordafrika und Südfrankreich. Seit der Antike wurde es durch den Menschen weiter in Europa verbreitet, zunächst im Mittelmeerraum. Insbesondere bei den Römern galt das zarte Fleisch als Delikatesse.

„Stallhasen“-Zucht

Im Mittelalter war das Fleisch junger Wildkaninchen als Fastenspeise erlaubt, daher wurden die Tiere in Klöstern gehalten. Französische Mönche begannen im 16. Jahrhundert mit der systematischen Zucht, wodurch aus dem Wildkaninchen die domestizierte Form des Hauskaninchens entstand. Der auch gebräuchliche Begriff „Stallhase“ ist etwas irreführend, denn Feldhasen lassen sich nicht in Ställen halten, und sie unterscheiden sich genetisch von Kaninchen doch so sehr, dass keine Kreuzungen untereinander möglich sind. Mit ihrer Domestizierung wurden Kaninchen zum beliebten Nutztier für die Fleisch- und Pelzproduktion, aber auch zum gerne gehaltenen Heimtier, von dem es inzwischen viele Zuchtrassen gibt.

In Deutschland wurden Kaninchen heimisch, weil den Mönchen vermutlich manche Tiere aus der Haltung entwischten und sich in freier Natur verbreiten konnten. Die sehr anpassungsfähigen Langohren legen unterirdische Baue an und leben gerne gesellig in Kolonien.

Apropos Kolonien: Nachdem englische Siedler Kaninchen im 18. und 19. Jahrhundert mit nach Australien brachten, entwickelten sie sich zu einem echten Problem für das dortige einzigartige Ökosystem. Mangels natürlicher Feinde − im spanischen Ursprungsland wäre das beispielsweise der Iberische Luchs − konnten sie sich in Australien ungebremst ausbreiten und vermehrten sich dort sprichwörtlich wie die Karnickel. Für Australien sind sie deswegen das Paradebeispiel für einen invasiven Neubürger. Zwischenzeitlich muss es dort einige Milliarden von Wildkaninchen gegeben haben, die nicht nur die natürliche Pflanzenwelt durch Fraß und die einheimischen Pflanzenfresser durch Nahrungskonkurrenz beeinträchtigten, sondern auch der Landwirtschaft immense Schäden zufügten.

Seuche reduziert Bestand

Erst ab den 1950er Jahren gelang die Eindämmung der Plage mittels biologischer Waffen in Form von Krankheitserregern. Ein wichtiger Regulator von Kaninchenpopulationen ist die Myxomatose, auch Kaninchenpest genannt. Auch in Deutschland gab es bis in die 1980er Jahre große Populationen. Ab den 1990er.

Jahren sind Freilandbestände jedoch großräumig zusammengebrochen infolge von Seuchen wie der Myxomatose sowie der 1984 erstmalig in China auftretenden „Rabbit Haemorrhagic Disease“, auf Deutsch „Chinaseuche“ oder „Kaninchen-Ebola“ genannt. Das ist ebenfalls eine hoch ansteckende Viruserkrankung für Kaninchen, vor der sich vor allem die Hobby-Kaninchenhalter fürchten. Ein guter Indikator für den Rückgang der Wildkaninchen ist das jährlich dokumentierte Jagdergebnis. In Bayern sind die Abschusszahlen von Wildkaninchen verglichen mit dem Jagdjahr 1990/91 mit etwa 27.000 Tieren auf ein Zehntel geschrumpft. In der Periode 2024/25 waren es nur noch rund 2500. Zum Vergleich: Beim Feldhasen hat sich im gleichen Zeitraum das Jagdergebnis von ausgangs über 100.000 „nur“ halbiert.

Im Coburger Land spielt der Kaninchenabschuss keine Rolle mehr, seit 2019 waren es nie mehr als 15 Tiere pro Jahr.

Noch steht das Europäische Wildkaninchen nicht auf Bayerns Roter Liste der bedrohten Tierarten. Aber deutschlandweit wird es seit 2020 bereits in der Vorwarnliste geführt. Und das Paradoxe ist: Zwar zählt das Wildkaninchen immer noch zu den 100 gefährlichsten Neobiota weltweit. Trotzdem wird es mittlerweile als weltweit gefährdet eingestuft.   

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