Austausch
Warum Thomas Kemmerich in Coburg war
Thomas Kemmerich, FDP-Landtagsabgeordneter aus Erfurt, war am Donnerstag einer Einladung der Coburger FDP-Politiker gefolgt.
Thomas Kemmerich, FDP-Landtagsabgeordneter aus Erfurt, war am Donnerstag einer Einladung der Coburger FDP-Politiker gefolgt.
Foto: Christoph Winter
F-Signet von Winter Christoph Fränkischer Tag
LKR Coburg – Die Liberalen in Hildburghausen und Coburg haben sich für ein Treffen in Coburg zwei schwierige Themen ausgesucht. Vieles bleibt vage.

Proteste gegen den Auftritt des Thüringer FDP-Abgeordneten Thomas Kemmerich bei den Coburger Liberalen am Donnerstagabend gab es nicht. Thomas Kemmerich war im Frühjahr 2020 einen Monat lang Ministerpräsident des Freistaates Thüringen. Gewählt wurde er damals auch mit Stimmen der AfD, was seinerzeit allgemein als Tabubruch angesehen wurde. Einen Tag nach der Wahl im Erfurter Landtag kündigte der Politiker seinen Rückzug an.

Einen kurzen Diskurs gab es mit den freidemokratischen Urgesteinen Dr. Jörg Meißner und Dr. Hans-Heinrich Eidt über mögliche Störungen der Veranstaltung. Aber es blieb verhältnismäßig ruhig. Vermutlich sei der Tabubruch vor zwei Jahren in Erfurt längst aus den Köpfen verschwunden, hieß es. Eventuell mag es an der Bedeutung der Protagonisten liegen. Gleichwohl war auf dem Werbeplakat für die Veranstaltung, das sich in der Spitalgasse befand, ein schmaler Oberlippenbart auf Kemmerichs Konterfei gemalt worden.

Würde nicht mehr in Hildburghausen, sondern nur noch in der Vestestadt entbunden, wären ja alle Neugeborenen automatisch Coburger

Es ging bei dem Treffen nicht um die Vergangenheit, sondern um die Zukunft und um die bayerisch-thüringische Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene. Der Schienenlückenschluss und der länderübergreifende Klinikverbund Regiomed waren die beiden bestimmenden Themen am Donnerstagabend im „Münchner Hofbräu“. Als profunder Kenner der Zustände und der Geschichte des Klinikkonzerns zeichnete FDP-Stadtrat Hans-Heinrich Eidt ein wenig optimistisches Bild der Zukunft. Regiomed leidet nach Eidts Darstellung an „chronischer Unterfinanzierung“ und negative Betriebsergebnisse würden von den Gesellschaftern nicht aufgefangen. Das Medizinkonzept mit einem möglichst breiten Angebot an allen Standorten sei ebenfalls nicht zukunftsfähig. Ohne eine Zentralisierung sei eine Zahlungsunfähigkeit nicht ausgeschlossen. „So wie jetzt kann es aber nicht weitergehen.“

Dass in Sonneberg und Hildburghausen das Unbehagen über eine Verlagerung von Abteilungen in das Klinikum Coburg sehr groß sei, bestätigte Kemmerich. In der Stadt an der Werra gebe es das Gefühl „untergebuttert zu werden“. Darüber hinaus gebe es noch lokalpatriotische und Ost-West Befindlichkeiten. Er nannte ein Beispiel: Würde die Geburtsstation in Hildburghausen geschlossen und die Frauen müssten zur Entbindungen in die Vestestadt , wären die Neugeborenen ja Coburger! Lösungen der verfahrenen Lage haben die Liberalen nicht.

Der Lückenschluss im Schienennetz zwischen Coburg und Eisfeld sei absolut notwendig

Den Lückenschluss im Schienennetz zwischen Coburg und Eisfeld sehen die Liberalen in beiden Freistaaten als nötig an. Diese Verbindung, die nach dem Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde, ist im Reaktivierungsprogramm der Bahn enthalten. Für die FDP bevorzugte Jens-Uwe Peter die Streckenführung durch das Lautertal. Natürlich nicht auf der alten Trasse. Darauf sind in der Vergangenheit Häuser gebaut worden. Vielmehr soll die Gleiskurve auf die ICE-Strecke bei Dörfles-Esbach genutzt werden, um von einem dritten Gleis in Richtung Eisfeld abzubiegen. Die Ortschaften könnten mit einem Tunnel umgangen werden. Zusammen mit Verbänden, den Industrie- und Handelskammern und den betroffenen Landkreisen soll für die Strecke beim Bundesverkehrsministerium geworben werden.

Thomas Kemmerich sprach die Energiekrise an und gab der Bundesregierung die Schuld daran

Thomas Kemmerich hatte eingangs der Veranstaltung über die Angst der Betriebe vor den explodierenden Energiekosten und der mangelnden Planungssicherheit gesprochen. Wohlstand und Wirtschaft seien bedroht. Schuld an der Misere habe selbstverständlich die Bundesregierung. Er forderte weiter eine schnellere Digitalisierung und eine Reform des Bildungssystems.

„Wir müssen zueinander kommen und mehr miteinander reden.“ Dieser Quintessenz wollen die Freien Demokraten aus Südthüringen und Coburg nun verstärkt folgen.

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