Bildung
11,5 Millionen Euro für NS-Doku-Zentrum
Im Chamberlain-Haus ist derzeit das Jean-Paul-Museum untergebracht. Doch das könnte sich bald ändern.
Im Chamberlain-Haus ist derzeit das Jean-Paul-Museum untergebracht. Doch das könnte sich bald ändern.
Foto: Roehrensee via Wikimedia
Martin Kreklau von Martin Kreklau Bayerische Rundschau
Bayreuth – In Bayreuth soll ein Dokumentationszentrum „Ideologiegeschichte des Nationalsozialismus“ geschaffen werden. Der Bund macht dafür nun Mittel locker.

Vom Komponisten Richard Wagner dürfte wohl jeder schon einmal gehört haben – bei seinem Schwiegersohn ist das allerdings etwas anderes: Houston Stewart Chamberlain. Der Rassist und Antisemit lebte ab 1908 in einer Villa in der Wahnfriedstraße 1 in Bayreuth, nachdem er Wagners Tochter Eva geheiratet hatte. Das „Chamberlain-Haus“ trägt nach wie vor seinen Namen, dort ist aber längst das Jean-Paul-Museum untergebracht.

Zwei Standorte geplant

Doch das könnte sich nun bald ändern: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat beschlossen, das Projekt zur Errichtung eines Dokumentationszentrums zur NS-Ideologiegeschichte mit 11,5 Millionen Euro zu fördern. Die Mittel stammen aus dem Bundesförderprogramm „KulturInvest“. Das Dokumentationszentrum könnte auf das Chamberlainhaus und auf das Geburtshaus von Hans Schemm in der Brautgasse aufgeteilt werden.

Aus der Vergangenheit lernen

„Es ist eine unverzichtbare Aufgabe, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu wahren und zugleich darüber zu informieren, wie die Nationalsozialisten es geschafft haben, mit ihrer Ideologie so viel Leid zu verursachen. Nur wer aus der Vergangenheit lernt, kann verhindern, dass Geschichte sich wiederholt. Umso mehr freue ich mich, dass das Bayreuther Projekt gefördert wird!“, teilte die Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Haushaltspolitikerin Dr. Silke Launert (CSU) mit.

"Wichtige kulturpolitische Vorhaben"

Auch der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und medienpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Thomas Hacker, begrüßt die Entscheidung. Das KulturInvest-Programm berücksichtige wichtige kulturpolitische Vorhaben für die Zukunft.„Besonders hervorzuheben ist die Errichtung eines Dokumentations-Zentrums ,Ideologiegeschichte des Nationalsozialismus’ in Bayreuth. Neben der Villa Wahnfried soll hier ein Museum entstehen, welches über die Ideologie des Nationalsozialismus und deren Bedeutung für die Machtergreifung der Nazis informiert.“

Einrichtung „längst überfällig“

Die Einrichtung sei längst überfällig gewesen und schließe eine wichtige Lücke in der Aufarbeitung und der Forschung zum Nationalsozialismus. „In einer Welt, in der Autoritarismus und Anti-Demokratische Tendenzen wieder um sich greifen, mahnt dieses kulturpolitische Vorhaben, wohin Totalitarismus und Diktatur führen können, wenn wir Demokratien nicht erneuern und den neuen Realitäten anpassen“, so Hacker weiter.

Gute Nachrichten für Bayreuth

Von „guten Nachrichten“ spricht auch die Parlamentarische Staatssekretärin und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Anette Kramme (SPD). Sie habe sich intensiv für die Förderung Bayreuths bei Kulturstaatsministerin Claudia Roth und den zuständigen Haushaltspolitikern eingesetzt. „Ich freue mich sehr, dass dieses wichtige Projekt nun in die Tat umgesetzt werden kann. Die Stadt Bayreuth ist einer der am stärksten belasteten Symbolorte des Nationalsozialismus in Deutschland. Umso wichtiger ist es, dass man diesen dunklen Fleck in der Geschichte der Festspielstadt endlich aufarbeitet“, teilt die Abgeordnete mit.

Authentische „Täter-Orte“

Das Dokumentationszentrum solle an authentischen Orten, an zwei wesentlichen „Täter-Orten“ des Nationalsozialismus und des antisemitischen Rassismus – wie es in dem Antrag der Stadt Bayreuth heißt – untergebracht werden. Die beiden Häuser sollen generalsaniert werden, wofür Kosten in Höhe von rund 23 Millionen Euro veranschlagt seien. Der Bund beteiligt sich zu 50 Prozent. Die andere Hälfte tragen die Oberfrankenstiftung und die Stadt Bayreuth.

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