Fulminante Premiere bei den zehnten Thurnauer Schlossfestspielen. Kerstin Krefft und René Oltmanns boten in der Komödie „Zwei wie wir“ höchste Schauspielkunst und verzauberten ihr Publikum im unteren Schlosshof von der ersten Sekunde an.
Date im Baseballstadion
Das Bühnenbild ist eher spärlich. Ein Tisch, zwei Stühle, dazu einige Taschen voller kleiner Requisiten – mehr brauchen die beiden Protagonisten, die auch gemeinsam Regie führen, nicht, um die Besucher teilhaben zu lassen an ihrer Beziehung. Die Zuschauer fiebern mit, leiden mit, lachen mit, weinen mit.
Jahre nach der Trennung treffen sich Nora und Rudy in einer Gaststätte wieder – zufällig, so scheint es. Sie kommen ins Gespräch und arbeiten in der Folge in fließend wechselnden Szenen und Rückblicken die Phasen ihrer Zweisamkeit auf.
Die Besucher nehmen teil am Kennenlernen im Blumenladen, am ersten Date im Baseballstadion, am ersten flüchtigen Kuss in der Achterbahn (Er: „Willst du mir den Absturz versüßen?“), am ersten Mal und an den Stunden danach, am Heiratsantrag, der Hochzeit, dem bitteren Verlust des Kindes, der Trennung, der Scheidung und schließlich dem Wiedersehen – alles verpackt in köstliche Dialoge. Beispiel: Sie: „Du schläfst mit keiner anderen Frau, solange wir zusammen sind.“ Er: „Mach‘ dir keine Sorgen, das ist mir viel zu anstrengend.“
Warum der Cousin nur eine Zwei-Tage-Ehe hatte
Ganz nebenbei lernt man Noras Vater kennen, aber auch ihren Ex und erfährt so einiges über Rudys Eltern – und Affären. Und man kommt zu dem Schluss, dass die Sichtweisen der beiden mitunter unvereinbar sind.
Er zum Beispiel findet die zwei Jahre ihrer festen Beziehung „gar nicht so schlecht“, schließlich sei sein Cousin nur zwei Tage verheiratet gewesen. Ihr Konter: „Der ist in den Flitterwochen von der Klippe gestürzt.“
Der Kanadier Norm Foster hat eine Komödie geschrieben mit Tiefgang und Tragik, voller Wortwitz und dem richtigen Riecher für Zwischentöne. Apropos Riecher: Den hat einmal mehr Intendant Wolfgang Krebs bewiesen, als er das Jubiläumsstück herausgesucht hat. Der Stoff ist genau richtig für einen unterhaltsamen Sommerabend – mal leicht und beschwingt, mal nachdenklich, aber immer fesselnd. Es fügt sich nahtlos ein in die Reihe der Inszenierungen, die 2014 mit Shakespeares „Romeo und Julia“ begannen.
Fraglos sind Kerstin Krefft von der Neuen Bühne Bruck und der aus Film und Fernsehen bekannte René Oltmanns eine Idealbesetzung.
Grandiose Mimik
Die beiden kennt man in Thurnau bereits bestens - gemeinsam standen sie hier schon 2024 in der französischen Komödie „Die Tür nebenan“ auf der Festspielbühne. Die beiden harmonieren prächtig, die Mimik ist grandios. Man merkt dem Duo an, welchen Spaß es selbst hat. Das kommt rüber, das kommt an.
„Zwei wie wir“ ist ein Stück über Liebe und Glücklichsein, über Beziehungen und Trennungen, über (Not-)Lügen und Ausreden. Ein Stück zum Zurücklehnen und Genießen. Einfach wunderschön.












