0
Nachruf
Trebgast nimmt Abschied von einem Original
Hellmuth Müller war der  Posaunenchor sehr wichtig.
Hellmuth Müller war der Posaunenchor sehr wichtig. // Dieter Hübner
Signet des Fränkischen Tags von Dieter Hübner
Trebgast – Es gab ihn Trebgast wohl niemanden, der Hellmuth Müller nicht gekannt hat. Eine große Trauergemeinde nahm Abschied. Der Trebgaster starb kurz vor seinem 85. Geburtstag.

Obwohl Hellmuth Müller eigentlich Lokführer werden wollte, erlernte er in Bayreuth das Sattlerhandwerk und fand dort eine Anstellung als Sattlermeister.

Händler im Ort

1964 übernahm er das elterliche Lebensmittelgeschäft, das zunächst im Untergeschoss des Wohnhauses in der Kulmbacher Straße, und ab 1972 bis zur Schließung 2001 in einem angrenzenden Neubau untergebracht war. Ab 1968 wurde er dabei von seiner Frau Ingeborg unterstützt.

Urlaubsreisen waren nicht das Ding des geselligen, immer gut gelaunten und stets hilfsbereiten Jubilars. Er war halt gern daheim, genoss bis 2020 regelmäßig sein Feierabendbier in der „Dorfschänke“.

Blick zur Kulmbacher Plassenburg

Bleiben Sie mit der Bayerischen Rundschau auf dem Laufenden und holen Sie sich jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

Und da war ja noch die „Bank der guten Nachbarschaft, gleich unten am Treppenaufgang zur Kirche. Die hat er 1965 mit seinen Nachbarn Heinz und Max dort aufgestellt. Und die ist bis heute im Sommer fast täglich noch Anlauf- und Treffpunkt der Nachbarn.

Trotzdem kannte sich Hellmuth Müller theoretisch überall aus, auch wenn er noch nicht dort war. Denn neben dem „Kicker“ war ein Atlas seine Lieblingslektüre. Darin blätterte er fast täglich. Loks und Erdkunde hatten ihn bis zuletzt immer interessiert.

Mitgründer des Posaunenchors

Seit seiner Jugendzeit widmete sich Hellmuth Müller dem Posaunenchor. Er war einer der zwei verbliebenen Gründungsmitglieder. Mit 14 Jahren war er bereits dabei, als der Chor 1954 gegründet wurde.

Nach den Proben im alten Gemeindesaal, der späteren Bücherei, wurde hinterher gleich um die Ecke bei der Haberstumpf-Kuni noch eingekehrt. 70 Jahre lang war er, zuerst mit Trompete und Zugposaune, danach mit seinem Bass-Bariton, bis zuletzt eine Stütze der Bläser und gewissermaßen die graue Eminenz des Chores.

Zweite Leidenschaft: Fußball

Das kam nicht von ungefähr. Schließlich fungierte er 48 Jahre lang als Chorobmann und vertrat den Chorleiter bei dessen Abwesenheit. 30 Jahre als Kirchenvorstand zeugen davon, dass Hellmuth Müller darüber hinaus immer für alle Belange der Kirchengemeinde ansprechbar war.

Seine zweite Leidenschaft war der Fußball. Noch mit 39 Jahren spielte der Jubilar, in Trebgast und Umgebung meist besser bekannt als der „Betscher“ oder der „Sattlers-Hellmuth“, beim örtlichen TSV. Als „Stopper“ und letzter Mann verschaffte er sich dabei im eigenen Strafraum bei den Gegnern den nötigen Respekt.

Auch Enkel kicken gern

Nach der Schließung seines Geschäfts hatte er Zeit, sich mit seinen Enkeln zu beschäftigen und zu freuen. Die hatten glücklicherweise auch das Fußballgen in ihren Adern.

Hellmuth Müller war ein Kämpfer. Seinen letzten Kampf gegen eine heimtückische Krankheit hat er nun verloren.

Inhalt teilen
  • kopiert!