Sofagespräch
Die alte Heimat fast nicht wiedererkannt
Wolfgang Martin (links) hatte zum 6. Sofagespräch neben dem Wissenschaftler Horst Simon (rechts) den Künstler Harald Burger eingeladen. Beide trennen auf ihrem Lebensweg zwar Welten; sie haben allerdings zusammen in der gleichen Klasse Abitur gema...
Wolfgang Martin (links) hatte zum 6. Sofagespräch neben dem Wissenschaftler Horst Simon (rechts) den Künstler Harald Burger eingeladen. Beide trennen auf ihrem Lebensweg zwar Welten; sie haben allerdings zusammen in der gleichen Klasse Abitur gemacht und sich nach 50 Jahren wiedergesehen.
Foto: Klaus Klaschka
F-Signet von Klaus Klaschka Fränkischer Tag
Stadtsteinach – Horst Simon ist ein renommierter Wissenschaftler und lebt in den USA. Seine Heimatstadt Stadtsteinach besucht er nur noch selten.

Für seine Algorithmenforschung erhielt er 1988 und 2009 den Gordon Bell Prize, sozusagen den Nobelpreis für die exzellentesten Arbeiten an den schnellsten Computern der Welt. Horst Simon (69) ist seine wissenschaftliche Karriere dennoch nicht zu Kopf gestiegen. „Er war zwar einer unserer Besten, aber an sich immer ein Ruhiger“, sagen seine ehemaligen Klassenkameraden, mit denen er vor 50 Jahren das Abitur am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium abgelegt hat.

Der gebürtige Stadtsteinacher, vor 40 Jahren in die USA ausgewandert, ist inzwischen emeritierter Professor für Computerwissenschaften und bekennender Amerikaner, was er unumwunden einräumt. Seine Verbindungen zur einstigen Heimatstadt beschränken auf Besuche bei seiner 92-jährigen Mutter. Zahlen waren für ihn schon immer eine spannende Angelegenheit, erzählte er beim 6. Sofagespräch, das Wolfgang Martin kurzfristig im Frankenwaldtheater organisiert hatte. Dass ihn dieses Interesse letztlich zu einer Professur an der renommierten Universität von Kalifornien in Berkeley führte, war zwar so nicht konkret geplant, aber zumindest nicht ausgeschlossen. Die bloße Neugier, wie elektronische Maschinen funktionieren, führte ihn in die Forschung mit komplexen Computersystemen.

In der Schule sei er eigentlich ein braves Kind gewesen, beteuerte er. Naja, einen Verweis habe er am Gymnasium bekommen, weil er einem Mitschüler das Klassenbuch auf den Kopf gehauen hatte, dummerweise gerade, als der Lehrer das Klassenzimmer betrat. Wenn seine Mutter nicht mehr leben würde, wären die Verbindungen zu Stadtsteinach wohl verloren gegangen, räumte er ein.

Wie sieht Simon Stadtsteinach heute aus der zeitlichen und räumlichen Distanz? Die Antworte machte er an seinen Eindruck vom Besuch der 10-Uhr-Messe in Sankt Michael fest: „Es waren nur wenige da. Auch im anschließenden Kindergottesdienst. Früher waren die Bänke mit Kindern voll.“ Auf die Frage, wie man dies ändern könnte, hatte er nur ein Wort als Empfehlung: „Einwanderung.“

Mit mathematischen Fragen belästigte Wolfgang Martin das Publikum beim Sofagespräch vorsorglich nicht. Dennoch erklärte Simon verschiedene Begriffe anschaulich. Algorithmen zum Beispiel seien wie die Zutaten für einen Kuchen. Supercomputer seien deshalb immens schnell, weil sehr viele Schaltungen gleichzeitig an der gleichen Lösung arbeiten – schneller als das menschliche Gehirn Außerdem bräuchten Großcomputer Gigawatts an Energie, während das menschliche Gehirn mit nur wenigen Watt effektiver sei

An 20 US-Universitäten habe er einst sich um einen Studienplatz beworben, in Berkeley sei er schließlich angenommen worden. Die Universität von Kalifornien, in der Bucht von San Francisco gelegen, gilt als eine der weltweit renommiertesten Adressen mit derzeit gut 45.000 Studierenden und hat bislang 110 Nobelpreisträger hervorgebracht. Zuletzt war er stellvertretender Direktor des Lawrence Berkeley National Laboratory. Unter seiner Leitung wurden wichtige Entdeckungen für die Forschung in Bereichen der globalen Klimamodellierung bis zur Astrophysik ermöglicht.

Derzeit ist er noch Berater, unter anderem des US-Energieministeriums, nachdem er sich in den vergangenen Jahren der strategischen Planung von Großrechenanlagen gewidmet hatte. Zudem ist der frühere Stadtsteinacher Herausgeber der Liste der 500 schnellsten Computer der Welt.

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