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Stadtsteinacher Zeitreise
Wenn das Museum nachts lebendig wird
Bürgermeister Roland Wolfrum stellte den Besuchern das mittelalterliche Stadtsteinach vor.Klaus Rößner
Bürgermeister Roland Wolfrum stellte den Besuchern das mittelalterliche Stadtsteinach vor.Klaus Rößner // Foto: Klaus Rößner
Signet des Fränkischen Tags von Klaus Rößner
Stadtsteinach – In Stadtsteinach wurde zu einer besonderen Zeitreise eingeladen. Das Heimatmuseum wurde nachts lebendig. Der Bürgermeister trat als Magistrat auf, der Landrat war der Museumswärter.
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Nachts im Museum: Den Titel dieses US-Blockbusters hatten sich die Verantwortlichen der Stadt Stadtsteinach für einen besonderen Themen-Abend ausgesucht. Wie im Hollywood-Streifen gab es im Heimatmuseum für die Zuschauer so manche Überraschung.

Ein schrulliger Landrat, ein strenger Lehrer, ein geschäftiger Schuster und eine Köchin, die keine Zeit für die Besucher hatte: Bei „Nachts im Heimatmuseum“ war viel geboten. Und wer glaubte, om Museum würden alte Gegenstände still herumstehen, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt.

Jonas Gleich begrüßt als Museumswärter

Schon am Eingang wurde schnell klar: Hier läuft heute einiges anders als gewöhnlich. Denn ausgerechnet Landrat Jonas Gleich hatte sich als Museumswärter verdingt. Mit seiner etwas zerstreuten, schrulligen Art begrüßte er die Besucher und warnte schon mal davor, dass im Museum nachts merkwürdige Dinge vor sich gehen. Alte Figuren würden sprechen, aus längst verlassenen Werkstätten seien Geräusche zu hören, und überhaupt scheine einiges nicht mit rechten Dingen zuzugehen.

Josef Batzer als gestrenger Lehrer. // Foto: Klaus Rößner

Kaum hatte die Reise durch die Vergangenheit begonnen, wurde es lebendig. Bürgermeister Roland Wolfrum lud zur Reise in die Vergangenheit. Als Magistrat der Stadt Steinach nahm er die Besucher am historischen Stadtmodell in Empfang. Mit einem Blick auf Straßen, Gebäude und Plätze erzählte er von der Entwicklung der Stadt und davon, wie das Leben hier einst aussah.

Beim bloßen Zuhören blieb es nicht. Besonders bei den Erwachsenen stellte der Magistrat das historische Wissen seiner Gäste mit kniffligen Fragen auf die Probe. Wer die richtige Antwort wusste, war fein raus. Wer ins Stocken geriet oder danebenlag, musste sich auf eine ganz besondere Konsequenz gefasst machen: Kurzerhand wurden Freiwillige für eine Henkerführung mit anschließender Vorführung gesucht.

Besuch bei Schneider Christian Pajok

Wenige Schritte weiter wartete Christian Pajok als Schneider. Die historische Kleidung seiner Kundschaft musste ordentlich sitzen. Hier wurde gezupft, dort gerichtet und kritisch begutachtet. Nebenbei erfuhr man, welche Bedeutung Kleidung früher hatte und was sie über Beruf und gesellschaftliche Stellung verriet. Auch die heutige Wegwerfgesellschaft wurde kritisch unter die Lupe genommen, landet doch so manches gute Stück schnell im Müll.

Aus der nächsten Werkstatt war das Klopfen eines Hammers zu hören. Zwischen Leder, Werkzeugen und alten Schuhen erklärte Erich Eckert als Schuster, wie das Handwerk früher funktionierte. Schließlich wurden Schuhe nicht einfach weggeworfen, wenn die Sohle durchgelaufen war. Da wurde geflickt, genäht und repariert, bis sie wieder zu gebrauchen waren.

Die Köchin hatte viel zu tun

Und wer glaubte, anschließend in der alten Küche eine gemütliche Pause einlegen zu können, hatte die Rechnung ohne Hilde Madl gemacht. Die stand als Köchin mitten in ihren Backvorbereitungen. Ein kurzer Blick in die Backstube war gerade noch erlaubt, dann ging es auch schon wieder weiter. Im Obergeschoss wurde es danach geschichtsträchtig. Wolfgang Bobek nahm die Besucher mit auf eine Reise zur Burgruine Nordeck. Anhand des großen Modells, historischer Tonscherben und Bildern des Steinachtals ließ er vergangene Zeiten wieder aufleben.

Die Akteure der Themennacht // Foto: Klaus Rößner

Einige düstere Orgeltöne erfüllten den nächsten Raum. Kaum hatten sich die Besucher auf die geheimnisvolle Stimmung eingelassen, ertönte plötzlich ein lauter, aufgeregter Ruf: „Feuer? Feuer! Die Kirche brennt!“ Für einen Moment dürfte so mancher zusammengezuckt sein. Ministrant Manuel Steinl ließ die dramatischen Ereignisse rund um den Stadtsteinacher Kirchenbrand lebendig werden. Das Modell der ausgebrannten Kirche machte deutlich, welche Zerstörung das Feuer in Stadtsteinach angerichtet hatte.

Wer sich von diesem Schrecken erholen wollte, hatte wenig Gelegenheit dazu. Denn im nächsten Raum wartete Josef Batzer – und der verstand als strenger Lehrer keinen Spaß, wenn es um Ordnung und Disziplin ging. Kurzerhand wurden die Besucher wieder zu Schulkindern erklärt. Gerade sitzen, aufpassen und bloß nicht dazwischenreden! In der historischen Schulstube erfuhren Jung und Alt, wie der Unterricht früher ablief.

Die streng bewachte Grenze

Zum Abschluss führte die Reise in eine Zeit, an die sich viele noch selbst erinnern können. Sepp Madl berichtete als ehemaliger Angehöriger des Bundesgrenzschutzes von seiner Dienst-Zeit. Eindrucksvoll war ein Originalstück der ehemaligen innerdeutschen Grenze aus dem Landkreis Kronach. Was für jüngere Besucher heute kaum noch vorstellbar ist, gehörte für viele Menschen einst zum Alltag: ein geteiltes Deutschland und eine streng bewachte Grenze ganz in der Nähe. Mit persönlichen Erinnerungen schlug Sepp Madl die Brücke zwischen der Geschichte im Museum und der erlebten Vergangenheit.

Nach der Zeitreise wartete noch eine Belohnung. Hilde Madl hatte ihre Arbeit in der Backstube erledigt, und die Besucher durften sich zum Abschied eine kleine Leckerei mitnehmen. Mit „Nachts im Heimatmuseum“ wurde in Stadtsteinach eindrucksvoll gezeigt, dass Heimatgeschichte alles andere als trocken und langweilig sein muss.

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