Hintergrund: Der Markt Kasendorf hat seit Jahren ein großes Interesse daran, dass die Ortsumfahrung Döllnitz so schnell wie möglich gebaut wird. Für einen Teil des Millionenprojekts ist der Freistaat zuständig, der andere Teil muss in kommunaler Sonderbaulast getätigt werden, das heißt, der Markt Kasendorf übernimmt die Realisierung.
Ortsumgehung Döllnitz würde sich um ein Jahr verzögern
Jetzt allerdings hat das Staatliche Bauamt Bayreuth mitgeteilt, dass der erste Abschnitt erst dann ausgeschrieben werden kann, wenn der Haushalt 2024 des Freistaats offiziell beschlossen worden ist. Das würde bedeuten, dass 2023 keine Ausschreibungen mehr erfolgen könnten. Für die Realisierung der Ortsumfahrung Döllnitz würden sich also Verzögerungen von einem Jahr ergeben.
Als Lösung schlug das Bauamt vor, dass der Markt Kasendorf auch die Bauherrschaft für den ersten Abschnitt – die Staatsstraße 2190 von Kulmbach bis vor Krumme Fohre und einen Teil der Staatsstraße 2689 bis zur eigentlichen Umgehung übernehmen könne. Ein schriftlicher Vertrag über eine spätere hundertprozentige Finanzierung könnte geschlossen werden.
Springt die Gemeine ein, kann die Umgehung 2024 ausgeschrieben werden
Bürgermeister Norbert Groß (CSU) betonte, dass die Verwaltung dann zwar eine Menge Mehraufwand hätte, dass durch dieses Vorgehen jedoch die Ausschreibungen noch heuer erfolgen könnten und dass man dann eine Chance habe, dass 2024 mit dem Bau der Umfahrung begonnen werde.
Allerdings, so Groß, müssten dann im Haushalt weitere 4,4 Millionen Euro als Verpflichtungsermächtigungen untergebracht werden. Konkret werden für dieses Jahr 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Im nächsten Jahr würden dann zehn Millionen Euro und im darauffolgenden Jahr noch einmal eine Million Euro als Verpflichtungsermächtigungen eingeplant. Der Kassenkredit wird auf 1,5 Millionen Euro festgesetzt.
Zuwendungen vom Staat sollen zeitnah fließen
Verwaltungsleiter Herbert Schmidt erläuterte, dass es eine Kunst sei, den Saldo zwischen Zuwendungen und Ausgaben möglichst gering zu halten. Doch das Bauamt habe zugesagt, dass die Zuwendungen zeitnah fließen werden. Durch die Veränderungen im Haushaltsplan sinke auch die Zuführungsrate um 150.000 Euro.
„Wir wollen, dass die Ortsumfahrung gebaut wird. Uns bleibt nichts anderes übrig“, kommentierte Roland Hübner (CSU). Nicht ganz so euphorisch zeigte sich Zweiter Bürgermeister Klaus Amschler (CSU). „Ich bin zutiefst enttäuscht von der Landesregierung. Sie lässt uns sehenden Auges in die Verschuldung rennen.“ Der Beschluss war schließlich einstimmig.
In Peesten soll ein neues Baugebiet entstehen
Im Ortsteil Peesten soll ein neues Baugebiet mit elf Parzellen zwischen 730 und 880 Quadratmetern entstehen. Norbert Köhler vom Ingenieurbüro IVS in Kronach stellte dem Kasendorfer Gemeinderat in der jüngsten Sitzung verschiedene Möglichkeiten der Realisierung vor.
Wichtig sei immer, eine günstige Erschließung zu erreichen, so der Planer. Auf der nördlichen Seite werde das Baugebiet von einem Biotop begrenzt. Das müsse erhalten werden. Außerdem gehe es darum, möglichst viel Niederschlagswasser auf den Grundstücken zu sammeln oder versickern zu lassen.
Erlaubt sein sollen Einfamilienwohnhäuser mit maximal zwei Vollgeschossen. Außerdem ist ein Spielplatz geplant. Auf jedem Grundstück soll pro 500 Quadratmeter ein heimischer Laubbaum angepflanzt werden müssen. Für die Häuser sind Sattel- und Pultdächer ebenso erlaubt wie Begrünungen und Photovoltaikanlagen – außerdem Dachgauben, wenn bestimmte Richtwerte eingehalten werden.
Wärmepumpen bei der Bebauung erwünscht
Im Bebauungsplan soll die Nutzung von Wärmepumpen festgelegt werden, auch um eine Lärmbelastung zu vermeiden. Die Einfriedung der Grundstücke soll eine Höhe von 1,20 Meter nicht übersteigen. Einstimmig beschlossen die Räte die Aufstellung eines Bebauungsplans zur Innenentwicklung.
Dorfgemeinschaft Welschenkahl contra Münchner Investor
Nicht ganz leicht tat sich der Gemeinderat Kasendorf mit einer Ergänzungssatzung in Welschenkahl. Denn die Dorfgemeinschaft macht gegen die Pläne eines Münchner Investors massiv Front. Geplant sind vier Gebäude auf 1500 Quadratmetern. „Es ist selten, dass eine Dorfgemeinschaft derart geschlossen gegen solch ein Bauvorhaben vorgeht. Die Welschenkahler haben Angst, dass ein Investor kommt und Preise aufruft, die die Oberfranken nicht zahlen können“, sagte Monika Brandt (ÜWG).
„Ich sehe aber keine Möglichkeit, wie wir den Bau verwehren könnten. Nur weil er aus München ist, geht das nicht. Wir hätten keine Chance“, entgegnete Rainer Macht (CSU). „Wir müssen gewisse Spielregeln einhalten“, pflichtete Roland Hübner (CSU) bei. Schließlich fiel der einstimmige Beschluss, das Verfahren in die Öffentlichkeitsbeteiligung zu geben. Dann können auch die Gegner Stellung beziehen.
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