Der Marktgemeinderat beschloss am Montagabend einstimmig die neuen Wasser- und Abwassergebühren für die kommenden vier Jahre. Zuvor hatte sich allerdings eine längere Diskussion darüber entwickelt, wie die Gemeinde angesichts anstehender Investitionen künftig finanziellen Spielraum schaffen könnte.
Alle Zahlen und Daten
Grundlage ist eine Kalkulation des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes (BKPV) für den Zeitraum bis Ende Oktober 2030. Demnach steigt die Gebühr für Frischwasser von bisher 2,31 auf 2,62 Euro pro Kubikmeter zuzüglich Mehrwertsteuer, also auf 2,80 Euro brutto.
Die Schmutzwassergebühr erhöht sich geringfügig von 2,41 auf 2,43 Euro pro Kubikmeter, die Niederschlagswassergebühr von 44 auf 48 Cent pro Quadratmeter. Auch die jährlichen Grundgebühren steigen um jeweils 25 Prozent. Für die kleinste Zählergröße werden künftig sowohl bei der Wasser- als auch bei der Abwasserversorgung 60 statt bisher 48 Euro fällig, beim Frischwasser zuzüglich Mehrwertsteuer.
In der Kalkulation sind auch erhebliche Investitionen berücksichtigt: Rund 2,9 Millionen Euro für die Wasserversorgung und 2,8 Millionen Euro für die Abwasserentsorgung sind für die Jahre 2026 bis 2030 vorgesehen. Dazu zählen unter anderem die Sanierung von Leitungsnetzen, Hochbehältern und Brunnen sowie Maßnahmen am Kanalnetz.
Die Diskussion eröffnete Harald Unger (FW) mit der Frage, ob sich durch moderate Gebührenerhöhungen nicht ein finanzieller Puffer für künftige Investitionen schaffen ließe. Sein Fraktionskollege Erwin Schneider wurde deutlicher: „Wir schieben einen riesigen Finanzierungsstau vor uns her.“
Dem widersprach Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) nicht grundsätzlich. Allerdings bedauerte er, dass diese Fragen nicht bereits in der zuständigen Ausschusssitzung gestellt worden seien. Dort habe es auf Nachfrage keine Einwände gegeben.
Auch Kämmerer Richard Kemnitz habe den Fraktionsvorsitzenden die Präsentation zur Kalkulation mit der Bitte um Rückfragen zukommen lassen. Die Kalkulation jetzt zu einem politischen Thema zu machen, sei schade, sagte Bernreuther. Den Investitionsstau könne man nicht wegdiskutieren, „aber den bringen wir nicht durch Schimpfen weg.“
Auch Verbesserungsbeiträge, mit denen Grundstückseigentümer an den Kosten größerer Investitionen beteiligt werden können, ließen sich nicht ohne Weiteres erheben. Nach Auskunft der Fachleute müssten dafür mindestens 15 Prozent des gesamten Netzes erneuert werden, erläuterte Bernreuther.
Veit Pöhlmann (SPD) verwies zudem auf die gesetzlichen Vorgaben. Überschüsse aus der bisherigen Gebührenkalkulation, etwa durch Einsparungen bei den Stromkosten, müssten an die Verbraucher zurückgegeben werden.
CSU-Fraktionschef Christian Schwarz bezeichnete den Wasserpreis in Thurnau als stabil und wirtschaftlich. Dietmar Hofmann (SPD) sprach sich ebenfalls gegen weitere Diskussionen aus und verwies auf die Vorteile des Anschlusses an Kulmbach. Bernreuther erinnerte an hohe Investitionen der vergangenen Jahre sowie die Notwendigkeit, Fördermittel oft vorzufinanzieren. Am Ende wurden beide Satzungsänderungen einstimmig beschlossen.
Neben den Gebührenbeschlüssen informierte Bernreuther über die Bewerbung Thurnaus als „Landmusikort 2027“. Im Erfolgsfall soll im kommenden Jahr ein großes Musikfest stattfinden.
Außerdem findet vom 22. Oktober bis 1. November erneut die Veranstaltungsreihe „Oberfranken leuchtet in Thurnau“ mit Illuminationen, Führungen, einem Fotorundgang, einem Reformationsgottesdienst und weiteren Angeboten statt. Das vollständige Programm ist unter www.thurnau.de abrufbar.














