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Traditionen und Brauchtum
Fastenzeit in Oberfranken bietet Rituale und Überraschungen
Vielerorts in den Kirchen werden in der Fastenzeit Kreuzwege gebetet. Mancherorts gibt es auch eine „Mauer der Klage“, wie hier in der Basilika Vierzehnheiligen.
Vielerorts in den Kirchen werden in der Fastenzeit Kreuzwege gebetet. Mancherorts gibt es auch eine „Mauer der Klage“, wie hier in der Basilika Vierzehnheiligen. // Fabian Brand
Signet des Fränkischen Tags von Fabian Brand
Kulmbach – Interessante Bräuche zur Fastenzeit in Oberfranken und ihre historischen Wurzeln. Und warum die Fastenzeit kürzer ist als angenommen.
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Mit dem Aschermittwoch hat nach den närrischen Faschingstagen die Fastenzeit begonnen. Sie dauert vierzig Tage und endet mit dem Osterfest. Die Zahl vierzig hat dabei schon in der Bibel eine wichtige Bedeutung: Es heißt, dass Jesus vierzig Tage und Nächte in der Wüste war, um dort zu fasten. Vierzig Tage dauerte aber auch die Sintflut, und vierzig Jahre wanderte das Volk Israel durch die Wüste, ehe es ins Gelobte Land einziehen durfte. 

Sonntags ist in Oberfranken Fastenpause

Wer übrigens einmal genau nachzählt, wird feststellen, dass die Fastenzeit in Wirklichkeit sogar 46 Tage dauert. Das hat damit zu tun, dass die sechs Sonntage in der Fastenzeit früher vom Fasten ausgenommen waren: Weil man am Sonntag der Auferstehung Jesu gedenkt, durfte man da nicht fasten.

 Im Christentum ist die Fastenzeit eine strenge Zeit. Das Symbol des Aschenkreuzes, das man am Aschermittwoch erhält, weist auf die Vergänglichkeit des Menschen hin. Man konzentriert sich in dieser Zeit auf das eigene Leben und blickt zugleich auf das Leiden und Sterben Jesu Christi.

Form der Breze religiös gedeutet

Ein klassisches Fastenessen war in früheren Zeiten die Breze. Während der Fastenzeit war es verboten, Eier, Milch und Fett zu konsumieren. Die Breze dagegen wurde aus einem sehr einfachen Teig hergestellt und passte perfekt zu den Vorschriften. 

Die typische Form der Breze hat man dann auch religiös gedeutet: Sie soll zwei Arme zeigen, die zum Gebet verschränkt sind. Auch das ein Zeichen für Buße und Umkehr. Schon auf dem Kloster Michelsberg in Bamberg wurde im Jahr 1580 Geld für die Fastenbrezen ausgegeben. 

Bayreuther Markgraf verbietet 1728 Gregorifest 

Ein besonderer Termin in der Fastenzeit war früher der Tag des heiligen Gregorius, den man am 12. März begangen hat. Gregor der Große war ein bedeutender Papst und starb in Rom im Jahr 604. Sein Tag wurde in früheren Zeiten vor allem in den Schulen groß gefeiert. Besonders feierlich scheint man den Tag in Coburg begangen zu haben: Dort gab der Rat der Stadt ein großes Festessen, und den Schülern wurde eine Breze geschenkt. 

Im 18. Jahrhundert stand man diesen Feierlichkeiten dann wiederum sehr kritisch gegenüber: Mit einem Schreiben des Bayreuther Markgrafen Georg Friedrich Karl aus dem Jahr 1728 wurde der alte Brauch des Gregorifestes verboten.

Todaustragen wird vielerorts in Franken praktiziert

Auch der vierte Fastensonntag wurde in vergangenen Zeiten mit einem großen Brauchtum begangen. Vielerorts wurde das Todaustragen praktiziert.

Obwohl dieses Brauchtum regional sehr unterschiedlich ist, wird doch überall eine Figur aus Stroh oder ähnlichem Material in einem festlichen Umzug durch das Dorf getragen. Dabei werden Lieder gesungen oder andere Sprüche aufgesagt. Der Höhepunkt ist das Hinaustragen der Figur  aus  dem  Dorf und die Zerstörung durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen.

Am Burgberg in Lichtenfels wird der Brauch noch gepflegt

Eindeutig lassen sich die Spuren der Geschichte nicht mehr zurückverfolgen. Das liegt wohl auch daran, dass hier zwei Traditionen verschmolzen sind und das Todaustragen mit der Austreibung des Winters verknüpft wurde. Welches Brauchtum älter ist, lässt sich dabei nicht mehr mit Gewissheit ausmachen. In Lichtenfels  wird das Todaustragen noch am Burgberg gepflegt.

Der vierte Fastensonntag ist auch als „Rosensonntag“ bekannt: Die Goldene Rose ist kein richtiges Brauchtum, sondern eine päpstliche Auszeichnung. Wohl erstmals um das Jahr 1096 wurde die Auszeichnung verliehen, bezeugt ist sie jedenfalls für dieses Jahr. Papst Urban II. schenkte sie zu dieser Zeit dem Grafen von Anjou. In späteren Jahren wurde die Anerkennung vor allem jenen zuteil, die sich um den Papst beziehungsweise den Kirchenstaat verdient gemacht hatten. Herrscher, aber auch Städte, Kirchen und Wallfahrtsorte wurden über Jahrhunderte mit der Goldenen Rose ausgezeichnet.

In Oberfranken heißt vierter Fastensonntag oft  nur „Mittfasten“

Die Rose  besteht übrigens aus vergoldetem Silber, das in Form eines Rosenstrauches gearbeitet ist; das Innere   ist mit duftenden Ölen gefüllt, so dass die Rose des Papstes auch duftet. Zuletzt hat Papst Franziskus  2024 den Wallfahrtsort zur Trösterin der Betrübten in Luxemburg mit der Goldenen Rose geehrt. In Oberfranken heißt dieser vierte Fastensonntag oft  nur „Mittfasten“. Das hängt damit zusammen, dass an diesem Tag die Fastenzeit ihre Hälfte erreicht hat. 

Noch heute gibt es in Bamberg rund um diesen Sonntag den großen Mittfastenmarkt auf dem Grünen Markt. Wohl seit  1407 war der Mittfastensonntag auch der Hauptbeichttag in den Bamberger Kirchen. Es war vor allem die Landbevölkerung, die zu diesem Anlass in die Stadt strömte, um  ihre Sünden zu bekennen. Praktischerweise ging man dann gleich auf den Markt zum Einkaufen und nahm mit, was man für die Saison brauchte.

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