„Man muss schon von einem guten Ergebnis sprechen, wenn die Situation irgendwo gleich geblieben ist.“ So fällt laut Monika Winkler die Bilanz der diesjährigen Amphibien-Aktion der beiden Naturschutzverbände im Landkreis Kulmbach aus.
Es steht schlecht um Kröte, Frosch und Co.
Die Tierschützerin ist Mitglied im Vorstand des örtlichen Bund Naturschutz und koordiniert gemeinsam mit Erich Schiffelholz vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) und Mareen Geyer von der Unteren Naturschutzbehörde ein Projekt, das Kröten, Frösche oder Molche während der jährlichen Wanderzeit vor dem Tod im Straßenverkehr schützt.
Sobald zwischen Februar und April die Nächte milder werden, gehen die Amphibien auf Wanderschaft: Von ihren Winterquartieren, meist geschützt in Wäldern, machen sie sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Wenn sie dabei eine Straße überqueren müssen, droht ihnen der Tod: Vor allem in der Nacht, in der Dämmerung und bei Regen sind die Tiere kaum zu sehen – Autofahrer haben oft keine Chance, rechtzeitig abzubremsen.
Um das Massensterben zu verhindern, stellen jedes Jahr Ehrenamtliche der Naturschutzverbände mobile Schutzzäune entlang den Straßen auf und graben in regelmäßigen Abständen Eimer in die Erde ein. Bei ihrer Suche nach einem Durchschlupf wandern die Tiere am Zaun entlang und fallen dann in einen dieser Eimer hinein.
Ehrenamtliche helfen Kröten jedes Jahr über die Straße
Die Helfer sind in der Amphibien-Wanderzeit täglich unterwegs, um diese Eimer abzusuchen. Sie laufen dabei viele Kilometer, sammeln die Tiere ein und tragen sie über die Straße, damit sie sicher in ihren Laichgewässern ankommen.
Bei diesen Einsätzen wird nicht nur gesammelt, sondern auch Buch geführt. Über Jahre hinweg haben die Amphibien-Retter Zahlen zusammengetragen. Das Ergebnis bewerten sie stellenweise als erschreckend.
Zahl der Amphibien massiv gesunken
So war schon im Frühling diesen Jahres darauf verzichtet worden, den Zaun entlang der Straße von Veitlahm nach Höfstetten aufzustellen. Ganze 12 Tiere sammelten die Tierschützer dort im vergangenen Jahr auf einer Strecke von 240 Metern ein – das waren nur noch halb so viele wie 2024, weiß Katrin Geyer vom LBV.
Im Vergleich zu einigen Jahren davor, sei das ein erschreckender Rückgang: Im Jahr 2008, zu Beginn der Aufzeichnungen, haben die Naturschützer 1482 Kröten, Frösche oder Molche registriert; vor 10 Jahren, 2016, waren es immerhin noch 528 Tiere.
Einen massiven Rückgang verzeichnen die Naturschutzverbände auch am Zaun bei Unterdornlach, der in überwiegend privater Initiative aufgebaut und betreut wird. Wohl zum letzten Mal, wie Monika Winkler ankündigt. „Es sind einfach zu wenig Tiere“. Zwölf, um genau zu sein. Vor 15 Jahren waren es noch an die Tausend.
Weniger Nahrung und Lebensraum für Amphibien
Der Grund für den Rückgang vermuten die Naturschützern, hier wie andernorts, in den veränderten Lebensbedingungen: Wo in immer heißeren Sommern Tümpel austrocknen, nehme die Zahl der Amphibien drastisch ab. "Im Raum Trebgast hat es einen Fall gegeben, in dem ein Weiher trockengefallen ist", erinnert sich Katrin Geyer. "Da fehlt den Tieren dann der Lebensraum."
Auch das Insektensterben wirkt sich auf die Amphibienpopulation aus. Geyer erklärt: "Die Reproduktion regelt sich gemäß dem Nahrungsangebot." Sind weniger Insekten – also Nahrung – für Kröten, Frösche und Co. vorhanden, vermehren sich diese seltener.
LBV kritisiert Störung der Winterstarre durch Waldarbeiten
Einen weiteren Grund sieht Geyer in der Störung der Lebensräume – etwa durch zunehmende Waldarbeiten. "Jede Erschütterung stört die Tiere in ihrer Winterstarre." Kröten hätten es außerdem schwerer, sich für die Winterstarre in den Boden einzugraben, wenn dieser durch menschliche Arbeiten verdichtet ist.
Das alles führe dazu, dass die Zahl der Amphibien erkennbar abgenommen habe. "Gut, wenn Naturschützer dann wenigstens den Tod im Straßenverkehr in vielen Fällen verhindern können."
570 Meter langer Zaun zwischen Leuchau und Lindau
Der längste Zaun stand auch in diesem Jahr zwischen Leuchau und Lindau an der Kreisstraße. 570 Meter Strecke haben die Sammler dort zu bewältigen – den Rückweg nicht eingerechnet. Eine derjenigen, die dort auch bei Wind unterwegs sind, ist Kerstin Hoppert. Die bezeichnet nicht nur den dort schnell fließenden Verkehr als besondere Herausforderung, sondern auch das Verhalten der Tiere, das in diesem Jahr bisweilen „rätselhaft“ gewesen sei.
Zwei Tage habe es gegeben, an denen sie insgesamt 473 beziehungsweise 392 Exemplare in den Eimern hatte. „Insgesamt ungefähr die Hälfte dessen, was wir dort insgesamt gefunden haben – und zwar unabhängig von der Temperatur, was ungewöhnlich ist.“
Helfer aus Trebgast: mehr Rücksicht von Autofahrern
Mit ganz anderen Herausforderungen hatte die Familie Hahn aus Trebgast zu kämpfen, die ein Straßenstück am Ortsausgang betreut. Manchmal hätten sie nicht nur um das Leben der Amphibien gefürchtet, sondern auch um das eigene, so rücksichtslos benähmen sich dort manche Autofahrer.
Ein allgemeiner Rückgang war auch an den Zäunen bei Schirradorf und Marktschorgast zu verzeichnen, heißt es von Vertretern von Bund Naturschutz, LBV und der Unteren Naturschutzbehörde. Bewährt habe sich hingegen der im vergangenen Jahr erstmals aufgestellte Zaun bei Tennach: Weit über 700 Tiere konnten dort jeweils auf einem etwa 100 Meter langen Straßenstück gerettet werden.
Und in Oberzettlitz, wo es, so Monika Winkler, „eine jahrelange Flaute“ gegeben hatte, wurden wieder einzelne Tiere registriert. Für die Amphibienretter ist das Ansporn genug, auch im nächsten Jahr wieder auszuschwärmen.
Das hilft den Amphibien
Wer Kröten, Fröschen und Molchen helfen will, kann sich jederzeit beim LBV und Bund Naturschutz melden, sagt Katrin Geyer. Weiter helfe es, Tümpel oder feuchte Gräben, die sich als Laichgebiet eigenen, nicht trockenzulegen, um Lebensraum zu erhalten.
Beim Bau neuer Straßen, die Wandergebiete der Amphibien durchschneiden, sollten außerdem von Anfang an Durchlässe für die Tiere eingeplant werden.
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