Obwohl der Kalender noch Winter anzeigt, hat der Frühling meteorologisch bereits begonnen. Damit startet auch die beste Zeit für den Pflegeschnitt von Obstbäumen. Im Landkreis Kulmbach läuft aktuell wieder eine umfassende Pflegeaktion für Streuobstbestände.
Kulmbacher Verband hat Obstbaumpfleger beauftragt
Der Landschaftspflegeverband Landkreis Kulmbach e.V. hat derzeit acht zertifizierte Obstbaumpflegerinnen und -pfleger beauftragt, ausgewählte Streuobstbäume im Stadtgebiet und im Landkreis fachgerecht zu schneiden. Ziel der Maßnahmen ist es, ältere Obstbäume zu entlasten und zu vitalisieren, damit sie möglichst lange erhalten bleiben.
Gerade alte Bäume bieten mit ihren Baumhöhlen und Totholzstrukturen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig können fachgerechte Pflegeschnitte auch zu höheren Erträgen bei der Obsternte führen.
Freistaat Bayern finanziert Projekt mit
Grundlage für die Auswahl der zu pflegenden Bestände ist eine Obstbestandskartierung, die von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Kulmbach in Auftrag gegeben wurde. Gepflegt werden vor allem ökologisch besonders wertvolle Streuobstwiesen und -weiden. Dabei spielt es keine Rolle, wem die Flächen gehören: Neben privaten Grundstücken werden auch kommunale Obstalleen berücksichtigt.
Finanziert wird die Aktion vor allem durch den Freistaat Bayern über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie. Ergänzend fließen Fördermittel der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie Bundesmittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) ein. Diese Mittel unterstützen die Umsetzung des bayerischen Streuobstpakts. In dieser Allianz hat sich die Staatsregierung gemeinsam mit Naturschutzverbänden und weiteren Organisationen das Ziel gesetzt, bestehende Streuobstbestände zu sichern und bis zum Jahr 2035 zusätzlich eine Million neue Streuobstbäume in Bayern zu pflanzen.
Klaus Schaumberg: Eine Anlaufstelle kümmert sich
Bei der Umsetzung spielt der Landschaftspflegeverband eine zentrale Rolle. „Von der örtlichen Beratung über die Antragstellung bis zur Abwicklung und Abrechnung ist alles in einer Anlaufstelle gebündelt. Dadurch werden Eigentümer finanziell und bürokratisch deutlich entlastet“, erklärt Klaus Schaumberg, Biologe und Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Landkreis Kulmbach e.V. Auch die Bestellung der Obstbäume und des Pflanzmaterials kann über den Verband organisiert werden. Auf Wunsch übernehmen Landwirte des Maschinen- und Betriebshilfrings Kulmbach e.V. zudem die fachgerechte Pflanzung.
Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung ist die Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege. Kreisfachberater Tizian Schwarz unterstützt Grundstückseigentümer bei der Auswahl geeigneter Obstsorten, die an den jeweiligen Standort angepasst sind und einen regionaltypischen Bezug haben.
Der Kontakt für Kulmbacher
Wer sich für die Pflege bestehender Streuobstbäume oder für Neupflanzungen interessiert, kann sich bis zum 31. März 2026 melden oder direkt über die Internetseite des Landratsamtes Kulmbach in der Rubrik „Streuobstförderung“ registrieren.
Kontakt:
· Förderung und Abwicklung: lpv.kulmbach@landkreis-kulmbach.de / Telefon 09221 / 707-401
· Obstsortenberatung: schwarz.tizian@landkreis-kulmbach.de / Telefon 09221 / 707-555
Streuobstwiesen zählen seit 2021 zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. Die traditionelle Kombination aus Baum- und Bodennutzung gilt als besonders nachhaltige Form der Landbewirtschaftung und ist zugleich ein bedeutender Hotspot der Artenvielfalt.
Vielfalt der Obstsorten in Bayern
Durch ihre strukturreichen Lebensräume und den Verzicht auf Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutz bieten Streuobstwiesen zahlreichen Arten einen Lebensraum. Schätzungen zufolge finden dort bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten Platz in der Kulturlandschaft.
Auch die Vielfalt der Obstsorten ist beeindruckend: In Bayern wurden bislang rund 2000 verschiedene Sorten in Streuobstbeständen nachgewiesen. Darunter finden sich ebenso klangvolle wie ungewöhnliche Namen wie „Geflammter Kardinal“, „Bleiche Jungfernschenkel“, „Gelbe Schafsnase“ oder „Gräfin von Paris“.
Die Pflege und Neuanlage von Streuobstflächen fördert das Bayerische Umweltministerium über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie. Der Landschaftspflegeverband Landkreis Kulmbach e.V. bündelt die Anfragen interessierter Grundeigentümer und Landwirte und beantragt anschließend die entsprechenden Fördermittel bei der Regierung von Oberfranken.
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