Interview
Warum es Bauern immer schwerer haben
Lukas Schütz in seinem Kälberauslauf vor dem Hof in Dörfles.
Lukas Schütz in seinem Kälberauslauf vor dem Hof in Dörfles.
Foto: Ulf Felgenhauer/AELF Coburg-Kulmbach
Mainleus – Lukas Schütz hat seinen Meister mit Bestnote gemacht. Der junge Landwirt sieht in Zukunft viele Herausforderungen auf die Branche zukommen.

Bei der Feier Ende Juli auf der Naturbühne Trebgast erhielten 52 oberfränkische Landwirtschaftsmeister der Jahrgänge 2020 und 2021 ihre Meisterbriefe. Unter ihnen war auch Lukas Schütz aus Dörfles bei Mainleus. Der Beste des Prüfungsjahrgangs 2021 berichtet im Interview über seine Motivation und seine Pläne für die Zukunft.

Warum haben Sie überhaupt den landwirtschaftlichen Bildungsweg eingeschlagen?

Lukas Schütz: Ich bin ja auf dem Bauernhof aufgewachsen, und da war es für mich einfach schon immer klar Landwirt zu werden. Deswegen habe ich die Ausbildung und dann den Landwirtschaftsmeister gemacht, da ich später mal den Betrieb führen will.

Könnten Sie den Betrieb kurz vorstellen?

Unseren Familienbetrieb im Mainleuser Ortsteil Dörfles im Landkreis Kulmbach führen wir mit drei Generationen. Es ist ein Milchviehbetrieb mit rund 140 Milchkühen und Nachzucht. Dazu bewirtschaften wir 170 Hektar Land und haben seit vergangenem Jahr eine Biogasanlage mit 100 kW.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Biogasanlage?

Grundsätzlich ist es eine sehr gute Anschaffung. Da aber Technik für eine 500-kW-Anlage verbaut ist, ist sie durch die Auflagen fast schon unattraktiv. Trotzdem war es eine gute Entscheidung, vor allem für die Zukunft: dünnere, homogenere Gülle, die nicht mehr so stinkt, was auch für die Bevölkerung gut ist. Und bei der bodennahen Gülleausbringung haben wir wesentlich weniger Probleme.

Würden Sie größeren Tierhaltungsbetrieben eine Biogasanlage empfehlen?

Auf jeden Fall. Die Gülle ist ja da – warum also nicht daraus Strom erzeugen und damit seinen Teil zur Energiewende beitragen?

Was sind die Ziele für die weitere Entwicklung des Betriebs?

Wir haben in den letzten Jahren viel investiert, so ist der Betrieb zunächst weitestgehend abgerundet. Ein Stalldach wäre noch für eine PV-Anlage frei, eventuell wird noch in diese Richtung investiert. Ansonsten ist die Auslastung für einen Familienbetrieb gegeben, und wenn man von Weiterentwicklung spricht, redet man auch immer von Fremdarbeitskräften. Wir machen also erstmal so weiter.

Wie gehen Sie mit den Herausforderungen der Trockenheit um, und wie wollen Sie sich betrieblich auf den Klimawandel einstellen?

Wenn man einen Fünfjahresrückblick macht, sieht man, dass das jetzt das dritte trockene Jahr ist. Es ist also zu befürchten, dass jedes zweite Jahr ein Trockenjahr wird. Gerade mit unserer großen Viehhaltung brauchen wir Futter. Das heißt, wir müssen uns so aufstellen, dass wir nicht anfällig sind, also einen großen Futtervorrat haben. Im Ackerbau müssen wir möglichst wassersparend arbeiten und keine unnötigen Bodenbearbeitungen vornehmen. Unsere 65 Hektar Grünland sind der Grund, warum wir in die Veredelung mit Kühen sind. Wenn wir jetzt aber nur noch einen guten und vielleicht noch einen halben zweiten Schnitt ins Silo fahren können, werden wir den Marktfruchtanbau reduzieren müssen, um die Futterversorgung zu gewährleisten. Auch das Tierwohl müssen wir in heißen Sommern sichern. Deswegen haben wir zwei große Deckenventilatoren im Stall.

Haben Sie überlegt auf Ökobetrieb umzustellen?

Wir wollten das mal durchrechnen, aber es würde aufgrund der Altgebäude hier nicht funktionieren. Gerade was die Auflagen beim Auslauf betrifft. Es wäre baulich nur sehr schwierig zu gestalten.

Wie viel Freizeit gönnen Sie sich und wie gestalten Sie Ihre Freizeit?

Jetzt in der Erntezeit rückt die Freizeit in den Hintergrund. Für mich ist es im Grunde genommen auch Freizeit, wenn ich darauf warte bis der Kipper beim Dreschen voll wird. Dann kann ich einfach ruhig auf dem Bulldog sitzen und dem Drescher zuschauen. Ansonsten lasse ich es am Wochenende etwas ruhiger angehen, um etwas mit Freunden zu unternehmen.