0
Einweihung
Das ist für Diakoneo mehr als nur eine neue Werkstatt
Dominik Bieringer kennt sich mit der „Ameise“ aus, ebenso wie Julia Lippold und Michelle Aschoff.Uschi Prawitz
Dominik Bieringer kennt sich mit der „Ameise“ aus, ebenso wie Julia Lippold und Michelle Aschoff. // Uschi Prawitz
Neuenmarkt – In Neuenmarkt hat Diakoneo seine neue Integrierte Arbeitslandschaft offiziell eingeweiht. Warum hier vieles anders läuft - das steckt dahinter.
Artikel anhören

Dominik Bieringer kennt sich aus in seinem neuen Reich. Der 30-Jährige arbeitet im Lager der Werkstatt und ist zugleich Vorsitzender des Werkstattrats. Zwischen Regalen, Waren und Flurförderfahrzeugen zeigt er, was sich gegenüber dem früheren Standort in Himmelkron verändert hat.

Werkstatt schon mit Leben gefüllt

Vor allem: Es ist mehr Platz da. „Heute früh haben wir noch aufgeräumt und gekehrt“, erzählt er und deutet auf den Gabelstapler und die „Ameise“, mit denen die fünf Beschäftigten in der Logistik arbeiten.

Die neue Integrierte Arbeitslandschaft in Neuenmarkt ist längst mit Leben gefüllt. Am Freitag wurde der Neubau von Diakoneo nun auch offiziell eingeweiht. Erstmals hat das Sozialunternehmen dabei eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung und eine Förderstätte unter einem Dach zusammengeführt.

Ein Modell, das in dieser Form bislang einzigartig ist und Förderung, Betreuung und Arbeit stärker miteinander verbinden soll. Schon beim Betreten wirkt der Komplex anders, als man sich eine klassische Werkstatt vielleicht vorstellt.

Viel Holz, breite Gänge und große Fenster prägen das Gebäude. Der 305 Quadratmeter große Speisesaal öffnet sich mit Panoramafenstern nach draußen. Insgesamt stehen auf einer Netto-Raumfläche von 6440 Quadratmetern 250 Werkstatt- und 48 Förderstättenplätze zur Verfügung.

Steffi Scheler hat viel Freude an ihrer Arbeit in der Werkstatt.
Steffi Scheler hat viel Freude an ihrer Arbeit in der Werkstatt. // Uschi Prawitz

Der entscheidende Unterschied zum früheren Standort liegt für Betriebsleiterin Katrin Medick jedoch weniger in Quadratmetern als in den kurzen Wegen. In Himmelkron seien die Verhältnisse beengter gewesen, vieles habe über einen Aufzug organisiert werden müssen, in Neuenmarkt liegt alles auf einer Ebene. Vor allem aber befinden sich Werkstatt und Förderstätte unmittelbar nebeneinander und sind lediglich durch einen Gang getrennt.

Damit wird möglich, was bisher durch die räumliche Trennung erheblich schwieriger war: Menschen aus der Förderstätte können leichter Angebote der Werkstatt kennenlernen und dort mitarbeiten. Umgekehrt bleiben auch andere Wege offen.

Das Konzept versteht die Arbeitslandschaft bewusst als durchlässiges System, in dem Übergänge von der Förderstätte in die Werkstatt ebenso möglich sein sollen wie von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt – oder, wenn sich Unterstützungsbedarfe verändern, auch in die andere Richtung. Im Mittelpunkt sollen dabei die Fähigkeiten und Potenziale des einzelnen Menschen stehen.

Manuela Füller, Vorständin Dienste für Menschen bei Diakoneo, brachte diesen Gedanken bei der Einweihung auf eine einfache Formel: „Übergänge sind keine Grenzen. Sie sind Entwicklungsmöglichkeiten.“

Ihr macht die Arbeit Spaß

Nicht jeder Mensch müsse dabei dasselbe Ziel erreichen. Teilhabe bedeute vielmehr, die Chance zu bekommen, den eigenen Weg zu gehen. Arbeit könne Struktur und Gemeinschaft schaffen, Selbstvertrauen geben und das Gefühl vermitteln, gebraucht zu werden.

Wie handfest dies sein kann, zeigt ein paar Räume weiter Steffi Scheler. Die 33-Jährige arbeitet derzeit an Autofilterelementen, in ihrem Alltag bringt sie Dichtungen an. „Da muss man gut aufpassen, dass sie ganz gerade sind“, sagt sie.

Ihre Arbeit mache ihr Spaß. Und was ist für sie das Beste am neuen Standort? Scheler überlegt nicht lange: „Die Toiletten sind jetzt schöner“, sagt sie lachend. Auch der große Speisesaal gefällt ihr. Überhaupt fühle sie sich wohl in der neuen Umgebung.

Die Arbeit in Neuenmarkt ist vielfältig. Ein Beispiel dafür ist die Schreinerei, die sich unter anderem auf die Herstellung von Sitzbänken spezialisiert hat. Mitfahrbänke stammen ebenso aus der Werkstatt wie Bänke für Parkanlagen oder Friedhöfe. Gefertigt wird auch für Privatkunden. „Aktuell bauen wir zum Beispiel einen Carport für ein Privathaus“, erzählt Medick.

Dass auch das Gebäude selbst eine Rolle spielt, wurde bei der Einweihung immer wieder deutlich. Rund 1500 Kubikmeter Holz wurden verbaut, hinzu kommen unter anderem der Anschluss an das Neuenmarkter Nahwärmenetz, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und energieeffiziente LED-Technik.

Architekt Markus Högner, der zur symbolischen Schlüsselübergabe einen aus Brot gebackenen Schlüssel mitgebracht hatte, erinnerte kurz an die Dimension des Projekts und die Herausforderungen während der Bauzeit.

Dass am Ende nicht nur der Bau fertig, sondern auch der Kostenrahmen deutlich unterschritten wurde, hob anschließend Bezirkstagspräsident Henry Schramm hervor: Ursprünglich waren 42 Millionen Euro veranschlagt, tatsächlich beliefen sich die Kosten auf rund 36 Millionen Euro. Es sei gut angelegtes Geld. „Unsere Gesellschaft wird eines Tages daran beurteilt werden, wie wir mit den Schwächeren umgehen“, sagte Schramm.

Neuenmarkts Zweiter Bürgermeister Stefan Grieshammer hob neben der sozialen Bedeutung auch die Rolle der Einrichtung für die Gemeinde hervor. Die Arbeitslandschaft leiste einen wertvollen Beitrag zur beruflichen Teilhabe und sei verlässlicher Partner für Industrie und Handwerk.

Inhalt teilen
  • kopiert!