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Nahversorgung
Verein fährt mit dem vollen Hänger raus aufs Dorf
Ralf Groß, Vorsitzender des Fördervereins, und Beisitzerin Sieglinde Gelfert lieben regionale Lebensmittel.
Ralf Groß, Vorsitzender des Fördervereins, und Beisitzerin Sieglinde Gelfert lieben regionale Lebensmittel. // Uschi Prawitz
Signet des Fränkischen Tags von Ursula Prawitz
Landkreis Kulmbach – Der Förderverein für regionale und nachhaltige Lebensmittelerzeugung im Raum Kulmbach hat eine Idee, wie auch Bewohner entlegener Orte ohne eigene Läden nachhaltig einkaufen können.

Der Förderverein für regionale und nachhaltige Lebensmittelerzeugung im Raum Kulmbach (RE+NA) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Lebensmittelkreislauf zu erhalten, regionale Rohstoffe zu fördern, Aufklärungsarbeit zu leisten und Nachfolger für Lebensmittelbetriebe zu suchen. Jetzt wollen die engagierten Mitglieder auch die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln auf dem Land sicherstellen.

Wie es zur Idee kam

„Wenn du regional einkaufen willst, ist das auf dem Dorf, wo es keinen Laden gibt, schwierig“, erklärt Bäckermeister Ralf Groß, der den Förderverein 2019 ins Leben rief. „Wir haben festgestellt, dass viele Leute auf Märkte kommen und kaufen, aber nicht jeder ist mobil.“

Daher entstand die Idee: „Alles auf einen Hänger packen und auf die Dörfer fahren.“ Von Kartoffeln bis Zwiebeln, von Mehl bis Brot, von Schwarzgeräuchertem bis Wurst. „Wir haben das einmal mit einem eingeschränkten Sortiment in einem Dorf versucht, und 25 Prozent kauften ein“, sagt Groß. „Davon könnte einer leben“, ist er überzeugt.

„Einer“, damit ist jemand gemeint, der sich gerne selbstständig machen oder in einem Nebenerwerb tätig sein würde. Denn der Förderverein unterstützt ein solches Vorhaben finanziell, kann es aber nicht selbst durchführen.

Die Idee: Der Förderverein kauft einen Wagen und stellt ihn dem Interessenten zur Verfügung. Bestückt wird der Kastenhänger, der von einer Firma aus dem Landkreis ausgebaut wird, mit Lebensmitteln aus der Region von Erzeugern, die dem Verein angeschlossen sind. Die Produkte umfassen zum Beispiel Käse, Mehl, Metzgerwaren, Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten, Öle und Getreide, Bäckerprodukte sowie Obst und Säfte. Für den Betreiber des Hängers entstehen dabei überschaubare Kosten.

„Der Hänger kostet etwa 30.000 Euro“, erklärt Ralf Groß. Dafür sucht der Förderverein noch Investoren, die sich mit Anteilen zu 500 oder 1000 Euro einkaufen, die mit 4,2 Prozent verzinst werden. „Diese Zinsen werden dann in Lebensmitteln ausgezahlt, ähnlich wie bei einer Genossenschaft.“ Der potenzielle Betreiber müsste also 105 Euro o, Monat in Lebensmitteln an die Anteilseigner ausgeben, weitere Kosten entstehen ihm seitens des Fördervereins nicht.

Zwei Touren am Tag

Die Verantwortlichen fänden es gut, wenn der Hänger an fünf Tagen pro Woche unterwegs wäre und dabei zwei Mal täglich Dörfer anfährt, vormittags und nachmittags. „Letztendlich sind wir aber offen, alles kann noch besprochen werden“, sagt Ralf Groß.

Der Förderverein werde sich mit den Bürgermeistern in Verbindung setzen, damit Standorte geplant werden können, „möglichst kostenfrei“. Dörfer, in denen bereits eine bestehende Ladenstruktur besteht, sollen nicht angefahren werden. „Sobald genügend Anteile für den Hänger gezeichnet wurden und wir jemanden haben, der ihn betreiben will, kann der Hänger in Auftrag gegeben werden“, erklärt Ralf Groß.

Ihm und dem Förderverein liegt besonders am Herzen, regionale Erzeuger zu stärken und dadurch die Lebensmittelversorgung zu sichern.

„Wir müssen unsere Landwirte und Mühlen unterstützen, damit das erhalten wird“, sagt Ralf Groß und kritisiert zugleich, dass beispielsweise Mehl andernorts billig eingekauft wird, etwa in Rumänien oder der Ukraine. „Außerdem wollen wir erreichen, dass sich die Menschen durch handwerklich hergestellte Lebensmittel und Rohstoffe gesünder ernähren.“

Aktuell 55 Mitglieder

Der Verein RE+NA zählt aktuell 55 Mitglieder. Durch Vorträge und Verbraucherberatung, Weiterbildungen, Hilfen bei Finanzierungen und auch konstruktive Gespräche mit der Politik will der Förderverein das Bewusstsein schärfen und zum Erhalt der regionalen Lebensmittelversorgung beitragen.

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