Justiz
„Die Sucht steuert sein ganzes Verhalten“
Drei bis vier Mal soll der Lichtenfelser seine Ex-Freundin gegen den Kopf geschlagen haben.
Drei bis vier Mal soll der Lichtenfelser seine Ex-Freundin gegen den Kopf geschlagen haben.
Symbolbild/Rockafox/Adobe Stock
F-Signet von Markus Häggberg Fränkischer Tag
Lichtenfels – Ein 34-jähriger Lichtenfelser mit Drogenproblem muss sich vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung und dem Erschleichen von Leistungen verantworten.

Als der Angeklagte in Ketten aus der Haft zu seinem Gerichtsprozess vorgeführt wurde, hatte er einen Wunsch: Er wollte seine Mutter umarmen, die wartend im Saal 14 des Amtsgerichts saß. Es sollte ihm im Verlauf des Geschehens gestattet sein, doch worum es eigentlich ging, war sein vielfältige Erschleichen von Leistungen und die Faustschläge gegen den Kopf seiner einstigen Freundin.

Taxi und Bahn nicht bezahlt

Drei Anklagepunkte hielt Staatsanwältin Regina Bronsch gegen den 34-jährigen Lichtenfelser parat. So soll er am 12. Februar dieses Jahres gemeinsam mit einem Freund ein Taxi nach Coburg bestellt haben. 70 Euro seien als Festpreis vereinbart worden, doch gesehen hat der Taxifahrer sein Geld nie.

Auch die Bahn bestieg der Mann im vergangenen Februar ohne jedwede Absicht, für seine Fahrten zu bezahlen. Zwar kam es nur zu Kurzstrecken zwischen Coburg, Lichtenfels und Bayreuth, die insgesamt nur elf Euro Fahrpreis ausmachten, doch dahinter steckte fünfmal ein eigener Tatentschluss.

Mutmaßliche Gewalt gegen die Ex

Doch der Auftritt, bei dem am meisten hingehört wurde, gehörte der Ex-Freundin des Angeklagten. Diese versicherte gegenüber dem Gericht, dass es am 18. April dieses Jahres gegen 20 Uhr zu einem Streit in der gemeinsamen Wohnung kam.

Weil sie ihn nicht zum Bahnhof fahren wollte, sei die Sache eskaliert und er habe sie zu Boden gestoßen und ihr drei Faustschläge gegen den Kopf versetzt. Das bestritt der Angeklagte vehement, doch ebenso vehement beharrte die 41-jährige Frau auf ihrer Sicht der Dinge. So habe sie ihren Freund damals sogar „im Bad eingesperrt“, damit dieser ihr vom Leib bleibe. Doch der Mann habe „die Tür eingetreten“.

Staatsanwältin Regina Bronsch suchte zu ergründen, ob derlei gar öfter vorgekommen sei. „Ja, so drei- bis viermal“, antwortete die im Zeugenstand stehende Frau und versicherte, dass es dabei „meist gegen den Kopf“ ging.

Angeklagter mit langem Register

Rechtsanwalt Albrecht Freiherr von Imhoff hob hervor, dass sein Mandant vor allem eines hat: ein Drogenproblem. Und auch sein Mandant selbst gab zu, während mancher der angeklagten Taten „halt wieder unter Drogen“ gestanden zu haben.

Doch neben den angeklagten Taten gab es auch noch jene, derentwegen er einsitzt. Auf 13 Einträge lautet sein Strafregister und Richter Matthias Huber verlas die Posten. Sie lauteten von gefährlicher Körperverletzung über Diebstahl zu vorsätzlichem Fahren ohne Führerschein.

Zweimal ergingen Haftstrafen gegen den Mann wegen des Fahrens ohne Führerschein und eines massiven Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Was für Staatsanwältin Bronsch erschwerend hinzu kam, ließ sie in ihrem Plädoyer anklingen. Es war der Umstand, wonach der 34-Jährige seine nun angeklagten „Taten unter Führungsaufsicht“ beging.

Verurteilter soll in Therapie gehen

Doch auch die Staatsanwältin setzte Hoffnungen auf eine Therapie des Angeklagten und beließ es bei der Forderung nach einer neunmonatigen Haftstrafe zur Bewährung. Die Bewährungsauflage dabei: vier Jahre Bewährungszeit und 500 Euro Geldzahlung.

Die Anklagepunkte sah Bronsch für erwiesen an. „Die Sucht steuert sein ganzes Verhalten“, führte auch Freiherr v. Imhoff aus und zeichnete das Bild eines Mannes, der durch Scheidung und Trennung von seiner Frau „in ein Loch gefallen“ sei.

Sein Mandant selbst äußerte sich auch: „Ich kann mich für alles nur entschuldigen, ich war zugedröhnt.“ Das von Richter Matthias Huber gefällte Urteil sollte auf neun Monate zur Bewährung lauten, wobei die Bewährungszeit vier Jahre dauern wird.

 

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