Besuchsdienst
Ehrenamtliche helfen Senioren
Heike Siegel ist gern für andere da. Bei einem gemeinsamen Ausflug mit einem der von ihr Betreuten ist dieses Bild entstanden.
Heike Siegel ist gern für andere da. Bei einem gemeinsamen Ausflug mit einem der von ihr Betreuten ist dieses Bild entstanden.
Archivbild: BRK-Mehrgenerationenhaus / Frank Gerstner
Ramona Popp von Ramona Popp Fränkischer Tag
Michelau – Das BRK-Mehrgenerationenhaus in Michelau vermittelt Helfer, die nach Hause kommen. Heike Siegel ist schon seit zehn Jahren eine davon. Von dem unkomplizierten Angebot wissen viele nicht.

Von Leuten wie Heike Siegel könnte Frank Gerstner ein paar mehr brauchen. Die 63-Jährige ist Teil einer ehrenamtlichen Besuchergruppe, und der Leiter des BRK-Mehrgenerationenhauses (MGH) in Michelau teilt diesen Dienst ein. „Es ist eine Möglichkeit der Entlastungshilfe, die viele Familien gar nicht auf dem Schirm haben“, erklärt er.

Mit dem Begriff „Tagespflege“ könne wohl jeder etwas anfangen. Es gibt mittlerweile einige solche Einrichtungen im Landkreis Lichtenfels. Dorthin werden alte Menschen zur Betreuung gebracht, während ihre Angehörigen zur Arbeit gehen. Doch nicht für alle kommt dieses Modell in Frage. Manche älteren Menschen möchten nicht weg von zu Hause, manchmal ist auch das Bringen und Holen schwierig. Oder den Angehörigen würde es reichen, wenn mal jemand zu bestimmten Zeiten vorbeischaut, damit sie einige Stunden unbesorgt weggehen können – für Arztbesuche, Erledigungen oder um selbst einfach einmal rauszukommen.

Individuelle Unterstützung

Betroffen sind vor allem Familien von Demenzkranken. Frank Gerstner erinnert an den oft gehörten Satz „Die Oma kannst du nicht mehr alleine lassen.“ Für solche Fälle bietet das MGH Hilfe an. Und diese Hilfe sei individueller, als es in der klassischen Tagespflege möglich sei. „Es funktioniert auf Zuruf, ohne große Verträge, ist in der Regel von jetzt auf gleich zu kündigen und einzuführen.“ Gerade Ältere scheuten auch vor Bürokratie zurück. Damit dieses System aber funktioniert, braucht Gerstner entsprechende Kräfte. Alle halbe Jahre organisiert das MGH deshalb einen zertifizierten Kurs zur Ausbildung von „Betreuungs- und Entlastungshelfern“. Die Corona-Pandemie hat jedoch auch in diesem Bereich zu Einschnitten geführt. Viele Helfer sind selbst schon älter und sehr vorsichtig. Natürlich waren und sind auch die Familien bemüht, ihre betagten Angehörigen keinem höheren Ansteckungsrisiko auszusetzen.

Aktuell nur vier Helfer

Die anfänglichen Gruppenbetreuungsangebote im MGH sind der Einzelbetreuung gewichen. Seit 2010 wurde in der Einrichtung offiziell die Fachstelle für pflegende Angehörige gegründet. Während Leiter Frank Gerstner in den besten Zeiten rund 20 Helfer einsetzen konnte, verfügt er aktuell nur über vier, alles Frauen. Aber es werden auch Männer gebraucht, wie er betont. So hätten sich Senioren explizit jemanden zum Kartenspielen gewünscht oder um gemeinsam ein Dorffest zu besuchen. Je mehr Ehrenamtliche verfügbar sind, desto besser kann Gerstner auswählen, wer zu wem am ehesten passen würde.

Entscheidend sei es, Zeit zur Verfügung stellen zu können, sagt Heike Siegel, die am längsten dabei ist. Sie ist frühverrentet, ihre Kinder leben weiter weg. Zuvor hatte sie schon lange Jahre ihre Schwiegermutter gepflegt und sei mit ihr immer gut ausgekommen, erzählt die Frau aus einem Lichtenfelser Stadtteil.

Ihre Einsätze variieren, ganz nach den Bedürfnissen der „Kunden“, die alle an Demenz leiden, aber in unterschiedlichen Stadien. Vor einem Besuch macht sie sicherheitshalber jedes Mal einen Corona-Schnelltest. Freilich gehe einem manches nahe, aber als Belastung empfindet es Heike Siegel nicht. Sie versteht es, sich zu gegebener Zeit mit anderen Tätigkeiten, die ihr Freude bereiten, abzulenken. „Ich schaue bei den Menschen nicht darauf, was nicht mehr geht, sondern auf das, was sie noch wissen und können. Ganz wichtig ist es, von den Angehörigen zu erfahren, was sie in gesunden Jahren gern gemacht haben, was ihr Hobby oder Beruf war, denn das haben sie nicht vergessen.“

Erinnerungen wecken

So gelang es ihr beispielsweise, einen ehemaligen Postmitarbeiter durch ein Stempelspiel zu erreichen. „Man muss in ihre Welt gehen, in der sie jetzt sind“, betont Heike Siegel. Es bringe nichts, alles, was nicht stimmt, berichtigen zu wollen – „da macht man sie nur aggressiv“. Unterhaltungen, Spaziergänge, vorlesen oder malen sind Möglichkeiten. Wenn nicht mehr viel geht, komme Musik und Singen gut an. Das MHG möchte Helfer hierfür mit geeigneten Materialien ausstatten, wofür Spenden erbeten werden. Die Helfer selbst erhalten eine Aufwandsentschädigung entsprechend der „Übungsleiterpauschale“ (bis 3000 Euro im Jahr steuerfrei).

„Franken helfen Franken“-Spendenaktion

Spenden fürs Mehrgenerationenhaus: Viele Angehörige leisten großen Einsatz, um ältere Angehörige zu pflegen. Um sie zu entlasten, gibt es im Mehrgenerationenhaus des BRK eine Gruppe von Freiwilligen, die Besuchsdienste übernimmt, so dass sich die Angehörigen eine Auszeit gönnen können. Um die Senioren zu unterhalten und Abwechslung sowie Beschäftigung zu bieten, nehmen die ehrenamtlich Tätigen Brettspiele oder Bildbände mit zu den Besuchen. Damit man beim BRK diese Dinge vorhalten und auch weitere sinnvolle Dinge anschaffen kann, werden Spenden dringend benötigt. Verwendungszweck: Mehrgenerationenhaus

Spendenverein: Die Mediengruppe Oberfranken (mgo) erreicht über ihre lokalen Tageszeitungen wie den Fränkischen Tag sowie digitale Informations- und Service-Portale jeden Tag rund 600.000 Menschen. Außerdem ist die mgo als Multimediaunternehmen mit Tochterfirmen wie dem Marketing-Komplettdienstleister mgo360, den mgo Fachverlagen oder mgo Digital Ventures breit aufgestellt. Diese Vielfalt nutzt die Unternehmensgruppe, um mit dem Spendenverein „Franken helfen Franken“ seit 2009 Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen. Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an in Not geratene Menschen oder gemeinnützige Organisationen und Projekte in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die mgo. Insgesamt wurde seit 2009 rund eine Million Euro von Franken helfen Franken vergeben.

Spendenkonto: Mediengruppe Oberfranken – Franken helfen Franken e.V.

Sparkasse Bamberg

IBAN DE62 7705 0000 0302 1945 01

BIC BYLADEM1SKB

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