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Viele Schätze vom Dachboden
So faszinierend war die Barbie-Finissage in Lichtenfels
Barbie-Finissage in Lichtenfels
Am Ende des Tages wartete auf Bettina Dorfmann noch ein Geschenk in doppelter Ausführung: zwei Barbies, die ihr von einer Besucherin vermacht wurden. // Foto: Markus Häggberg
Signet des Fränkischen Tags von Markus Häggberg
Lichtenfels – „600 Euro? Ich verkaufe nicht!“ – Bei einer Ausstellung im Stadtschloss Lichtenfels bewertet eine Gutachterin Barbies – von Pfauenfeder- bis Rokoko-Puppen. Einblicke in eine außergewöhnliche Arbeit.

Die Barbie-Ausstellung sollte nur noch eine halbe Stunde dauern, da näherte sich der international bekannten Gutachterin Bettina Dorfmann ihr ganz persönliches Highlight des Tages: eine Frau aus dem Raum Lichtenfels, die ihr zwei außergewöhnliche Barbies schenkte. 

Seit dem 25. Januar sorgte die Barbie-Ausstellung im Stadtschloss Lichtenfels für Staunen bei Besuchern. Am vergangenen Sonntag, nach 224 Tagen und über 1000 zahlenden Besuchern, fand sie ein Ende. Aber eines, das einen besonderen Programmpunkt aufwies.

Finissage der Barbie-Ausstellung im Lichtenfelser Stadtschloss

Mit der international anerkannten und renommierten Barbie-Sachverständigen Bettina Dorfmann, saß ab 14 Uhr jene Düsseldorferin an einem Tisch, die all die hochwertigen Sammlerstücke zur Verfügung stellte. Doch dort saß sie oft nicht alleine, denn ihr gegenüber saßen Menschen, die ihr eigenes Spielzeug, vor allem aber ihre eigenen Barbies, mitgebracht hatten, um Schätzungen vornehmen zu lassen.

Barbie-Finissage in Lichtenfels
Einen kleinen Schatz brachte mit einer kleinen einstigen Bild-Lilli die Bambergerin Annette Schmitt-Kestel mit. // Foto: Markus Häggberg

Barbie-Fachfrau Bettina Dorfmann in Lichtenfels

Und Dorfmann? Die Frau, die Sachbuchautorin zu Barbie ist, die als Sachverständige für den US-Weltkonzern Mattel arbeitet, eine „Puppen-Klinik“ betreibt und darüber hinaus den Guinness-Rekord bezüglich des Besitzes der meisten Barbie-Puppen (über 20.000) hält, nahm sich Zeit für Gespräche, hörte sich verspielte Kindheitserinnerungen an, teilte mit den zumeist weiblichen Besuchern die Faszination für eine Puppe, die mehr ist als nur eine Puppe.

Barbie-Finissage in Lichtenfels
Am Ende des Tages wartete auf Bettina Dorfmann noch ein Geschenk in doppelter Ausführung: zwei Barbies, die ihr von einer Besucherin vermacht wurden. // 

Barbie begann 1952 eigentlich als Cartoon der Bild-Zeitung, wurde zur Puppe Bild-Lilli und schenkte der Mattel-Gründerin Ruth Handler 1956 anlässlich eines Schaufensterbummels durch Luzern ein Heureka-Erlebnis. Oder anders ausgedrückt: Dorfmann ist in einer Welt zu Hause, die Verknüpfungen zwischen Wirtschaftsgeschichte, Design, Gesellschaft und Zeitgeschehen bietet. Und jetzt?

Barbie-Finissage in Lichtenfels: Gäste scharren vor Stadtschloss

Jetzt war es 14 Uhr, gleich würde die Abschlussveranstaltung mit Dorfmann beginnen. Jetzt aber standen schon gut sieben Besucher vor dem Stadtschloss, die auf den Einlass warteten. In ihren Taschen, Koffern und Kartons: Teddybären und Barbies.

Barbie-Finissage in Lichtenfels
Eine Gutachterin bei der Arbeit und somit auch beim Sortieren. // Foto: Markus Häggberg

Ein besonderes Exemplar bestand in der Bild-Lilli, die Annette Schmitt-Kestel bei sich hatte. An Verkauf denkt die Frau nicht. „Mir geht es nur um die Schätzung“, sagt sie lächelnd. Dann, gut eine Viertelstunde später, wird das Barbie-Vorläufer-Püppchen der Bambergerin in Augenschein genommen.

„600 Euro? Ich verkaufe nicht“

Jetzt sieht man eine fröhliche Gutachterin bei der Arbeit, das Material prüfend, den Zustand der Kleidung und selbst noch den der Haare. „Bis auf die Haare ist alles gut“, so Dorfmann eine erste Einschätzung vornehmend. Was Annette Schmitt-Kestel außerdem erfährt: Ihre Lilli gab es eigentlich mit einer kleinen Bild-Zeitung unterm Arm und einer Stele von Bild. Wenn sie die alle noch hätte, wäre alles zusammen gut 1200 Euro wert. Aber jetzt?

Barbie-Finissage in Lichtenfels
Da konnte Besucherin Annette Schmitt-Kestel nur schmunzeln - was die Gutachterin ihr alles zu ihren Spielsachen erzählte, machte sie staunen. // Foto: Markus Häggberg

Jetzt sind es noch 600 Euro. Aber auch diesen Tipp hat Dorfmann für die Bambergerin: „Wenn Sie sie in die USA verkaufen, kriegen Sie wesentlich mehr.“ Doch an Verkauf denkt die Bambergerin nicht, ihr ging es ums Vergnügen. Die kleine Lilli kommt wieder in die Vitrine und bleibt Maskottchen.

Auch Teddybären wurden geschätzt

Die Roses sind auch da – Erich-Otto Rose und seine Frau Dagmar. Sie kamen aus Marktzeuln, und was sich in ihrer großen blauen Tüte befindet, gibt ihnen auch schon lange Rätsel auf: ein großer Teddybär. Vor gut 40 Jahren haben Roses ein Haus gekauft und den Bewohner, eben jenen Teddy, gleich mit. Aber man weiß nichts über seine Fabrikation und wer der Hersteller war.

Barbie-Finissage in Lichtenfels
Eine weitere Besucherin war die Schneyerin Martina Dötzer. Zu ihrer Barbie und den Köfferchen aus Kindertagen erfuhr sie allerhand. // Foto: Markus Häggberg

Dorfmann weiß mehr. Ihr fällt auf, dass er ungewöhnlich „liebe Gesichtszüge besitzt, was nicht unbedingt üblich war für die damalige Zeit“. Ihre starke Vermutung: Dieser Teddy wurde gefertigt, um auf Schützenfesten als Verlosungsgewinn oder als Trophäe bei Schießständen an den Mann bzw. die Frau zu kommen. An Verkauf denken Roses gleichfalls nicht, schließlich hat der Teddy in ihrem Haus ja einen eigenen Sitzplatz.

Besonderes Fundstück: Barbie von 1970

Dann schlägt die Stunde der „Living-Barbie“ von 1970. Sie wird Dorfmann vorgelegt und die zeigt sich auch gleich angetan. Warum? Eigene Erinnerungen. „Die gab es in rot, in blond und in brünett, die ist im Original von Mattel, ich hatte auch eine Living Barbie – in blond“, sprudelt Dorfmann los.

Aber im nächsten Moment breiten Dorfmann und die Barbie-Eigentümerin all die Kostüme und Kleidungsstücke aus, die zu dieser Barbie gehören und jetzt wird es wieder erstaunlich. Dorfmann weiß von all den tausenden Barbies nämlich auch, welche Kleidungsstücke es zu ihnen gab.

Was ihr jetzt sofort auffällt: „Hier fehlen die gelben Socken.“ Ansonsten sind die Outfits ziemlich komplett und einen Pflegetipp für die durch Staub eingedunkelten Plastikbeine hat sie auch: „Das kriegt man mit Spüli hin.“ Auf 150 Euro benennt sie den Wert des Püppchens, weil – gelbe Socken hin oder her – die drei Outfits doch noch ziemlich komplett sind. Und während sie das sagt, rollt der Nachschub und weitere Besucher betreten das Stadtschloss. Jetzt, gegen 16.20 Uhr, dürften es schon 60 gewesen sein.

Kein Ken, aber Pfauenfeder- und Rokoko-Barbie

Am Ende des Tages sitzt der Gutachterin eine Frau gegenüber, die ein Anliegen hat. Sie zieht jetzt in ein sogenanntes Tiny House, will sich also verkleinern und darum auch Besitztümer loswerden. „Das befreit“, sagt ihr unweit stehender Mann. Dorfmann ist baff, Dorfmann lebt eine Art Gegenkonzept: „Ich bräuchte eher ein Hochhaus“, sagt sie zu sich und all ihre Barbies.

Dann bedankt sie sich herzlich und nimmt die beiden Barbies in die Arme – eine Pfauenfeder-Barbie und eine Rokoko-Barbie. Zu den jeweiligen Designern weiß sie alles. Und auch, wie die Pfauenfedern aufgehübscht werden können. Sie kennt da nämlich so einen Tierpräparator.

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