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Renovierung
Kloster Banz: 300.000 Euro für die Stiftskirche
Die Holztafeln des Banzer Mönchschores sind mit Intarsien aus Zinn, Horn, Perlmutt, Elfenbein und Schildpatt verziert, die Szenen aus dem Leben des Heiligen Benedikt zeigen. Die Gewänder der Figuren sind zumeist aus schwarz gefärbtem Birnbaumfurni...
Die Holztafeln des Banzer Mönchschores sind mit Intarsien aus Zinn, Horn, Perlmutt, Elfenbein und Schildpatt verziert, die Szenen aus dem Leben des Heiligen Benedikt zeigen. Die Gewänder der Figuren sind zumeist aus schwarz gefärbtem Birnbaumfurnier geschnitten. // Matthias Einwag
Kloster Banz – Der Mönchschor der Benediktiner in der Banzer Stiftskirche wird derzeit aufwändig restauriert.

Kirchenbesucher bekommen es leider so gut wie nie zu Gesicht, das Chorgestühl hinter dem Hochaltar der Stiftskirche. Der 1734 von dem Kunstschreiner Johann Georg Neßtfell für das Benediktinerkloster geschaffene, reich verzierte Mönchschor zeigt Szenen aus dem Leben des Heiligen Benedikt. Derzeit werden die farbenfrohen Intarsien von einem Restauratorenteam im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege aufgefrischt und ergänzt. Das ist möglich, weil die Messerschmitt-Stiftung dafür rund 300.000 Euro zur Verfügung stellt.

Nachdem Benedikt sich einer asketischen Gemeinschaft angeschlossen hatte, so die Legende, zog er sich in eine unbewohnte Gegend zurück. Dort lebte er drei Jahre einsam in einer Höhle und führte ein religiöses Leben, was der Teufel zu hintertreiben versuchte. Benedikt widerstand all den Versuchungen des Satans, der ihm als schwarzer Vogel oder als schöne Jungfrau erschien.

Farbenfrohe Intarsien

Einige dieser Szenen aus dem Leben Benedikts stellte Johann Georg Neßtfell (1694-1762) aufwändig in den 20 Holztafeln dar, deren Intarsien er mit Zinn, Horn, Perlmutt, Elfenbein und Schildpatt ausführte. Darunter ist auch eine Darstellung des geflügelten und geschwänzten Satans. Selten sind Intarsien so farbenfroh und kunstvoll ausgeführt wie diese, die nun von einem Restauratorenteam um Anja Fuchs gereinigt und von Schäden befreit werden. Fachlich betreut werden die Arbeiten von Mitarbeitern des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, die bereits im Vorfeld die Schäden aufgenommen und dokumentiert haben.

Restauratorin Anja Fuchs  (Mitte)
Restauratorin Anja Fuchs (Mitte) - sie ist eine von insgesamt sechs Restauratorinnen und Restauratoren. // Matthias Einwag

„Das Arbeiten ist ein Miteinander, wir sind dauernd am Kommunizieren“, sagt Anja Fuchs, die vor einigen Jahren ihre Diplomarbeit über den Banzer Chor geschrieben hat. Sie ist begeistert von Neßtfells handwerklichem Schaffen. Nicht umsonst, sagt sie, sei er Hofschreiner der Schönborns gewesen.

Das zweiköpfige „Team Holz“, das dreiköpfige „Team Vergoldung“ sowie ein Zinnrestaurator sollen dem Chorgestühl in den nächsten Monaten seinen ursprünglichen Glanz zurückgeben. Dabei werde „maximal substanzerhaltend“ gearbeitet, sagt Anja Fuchs.

Leim bindet bei Kälte nicht ab

Die sechs Restauratorinnen und Restauratoren leben derzeit im Gärtnerhaus neben der Stiftskirche und hoffen weiterhin auf mildes Herbstwetter, denn das Kirchenschiff kann nicht beheizt werden, doch Arbeiten wie das Leimen könne nicht bei Temperaturen unter zwölf Grad ausgeführt werden. Deshalb wird es wohl eine Winterpause geben müssen.

Entstanden seien die Tafeln wahrscheinlich in Neßtfells Werkstatt in Wiesentheid. Dann seien sie nach Banz gebracht und dort zusammengesetzt worden. Faszinierend sei vor allem, wie der Kunstschreiner und Mechanikus Neßtfell die Figuren aus verschiedenen Materialien schuf, wobei er Köpfe und Hände zumeist aus Elfenbein schnitt.

Holztafeln mit dem Fahrrad transportiert

Offenbar sei lange Zeit gar nichts am Chorgestühl restauriert worden, fährt Anja Fuchs fort. Darauf ließen unter anderem Fotos aus dem Jahr 1908 schließen. Die einzige Überarbeitung habe wohl der Döringstadter Schreiner Franz Knauer 1952 bis 1954 ausgeführt. Weil er kein Auto besaß, schnallte er immer zwei Tafeln auf sein Fahrrad und transportierte sie in seine Werkstatt nach Döringstadt. Dort ergänzte er die Intarsien so gut er konnte. Er ersetzte auf seine Art sogar fehlende Köpfe von Figuren.

Alle Tafeln seien Unikate, sagt Anja Fuchs. Durch einfallendes Sonnenlicht seien besonders die Holztafeln auf der linken Seite des Chors geschädigt. „Der Handlungsbedarf ist groß, auch wenn man’s nicht sofort sieht“, unterstreicht sie. Inzwischen sei an den Kirchenfenstern ein wirksamer UV-Lichtschutz angebracht, so dass keine weiteren Schäden entstehen können.

Ausfahrbare Laternenholme

Besonders beeindruckend findet Anja Fuchs mehrere ausfahrbare Holme im Chorgestühl, die der Mechanikus Neßtfell eingebaut habe. Diese dienen dazu, Laternen aufzuhängen, um nachts ein wenig Licht in die Dunkelheit des Chores zu bringen.

Die Messerschmitt-Stiftung mit Sitz in München wurde 1969 gegründet und ist die größte private Denkmalschutzstiftung in Deutschland. Ihr Gründer Willy Messerschmitt verband mit seiner Stiftung die klare Vision, Wissenschaft und Forschung im Bereich der Luft- und Raumfahrt zu fördern und deutsche Kunst- und Kulturdenkmäler im In- und Ausland zu pflegen und zu erhalten. Der Stiftung gehört zum Beispiel das Schloss Meseberg, das die Bundesregierung gern als Tagungsort und Gästehaus nutzt.

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