„Liebe Jule, ich wünsche dir eine wunderschöne Regentschaft. Nutze die Möglichkeit“, sagte die scheidende Korbstadtkönigin Anna I. sichtlich ergriffen und gab damit die Krone weiter an Jule I. Sie wurde bei der Eröffnung des 45. Lichtenfelser Korbmarktes am Samstag, 19. September 2026, gekrönt.
Doch nicht, ohne dass Anna zuvor eine bewegende Rede gehalten hatte. „Ich habe es mit meiner ganz eigenen Art geschafft, Tradition mit der Moderne zu verbinden“, resümierte sie, nachdem sie einen Rückblick auf die zwei Jahre ihrer Regentschaft gegeben hatte.
Rückblick: Fallschirmspringerin Anna I. wurde 2024 Korbstadtkönigin
Dabei berichtete sie, die in ihrer Freizeit auch gern Fallschirm springt, zunächst, wie nervös sie war, als sie im September 2024 die Krone übernahm: „Ich hatte mehr Angst, auf diese Bühne zu gehen, als aus einem Flugzeug zu springen.“ Aber auch davon, dass sie gelernt hatte, immer Schlappen mit dabei zu haben, wenn sie den ganzen Tag auf hohen Schuhen unterwegs war.
Gesellschaftskritische Worte der Korbstadtkönigin a. D.
Auch gesellschaftskritische und politische Worte fand Anna. Sie sprach darüber, dass man als Korbstadtkönigin auch seine Grenzen kennenlernen müsse und dass Hass, Gewalt und Extremismus nie die Antwort sein könnten. Und sie konnte davon berichten, dass die Korbstadtkönigin nun eine neue Krone bekommt. „Haarspray konserviert“, sagte sie hierzu. „Aber die Zeit für eine neue Krone war nach 27 Jahren gekommen.“
47 Skizzen und acht Modelle bis zur neuen Krone
Sie selbst hatte zusammen mit Korbmachermeisterin Iris Schneider die neue Krone entworfen und am Prototyp getüftelt. 47 Skizzen, acht Modelle und zehn Geflechtsmuster wurden gemacht und an diesem Samstag war es nun so weit: Jule I. wurde mit der neuen Krone vom Schirmherrn Matthias Walz gekrönt.
Dieser hatte zuvor von Bürgermeister Andreas Hügerich den Flechtball und ein Lichtenfelser Körbla überreicht bekommen, was Matthias Walz direkt mit „Da tun wir aber noch was rein?“ kommentierte, bevor er sich dann ins Goldene Buch der Stadt Lichtenfels eintrug.
Matthias Walz krönte Jule I. zur Lichtenfelser Korbstadtkönigin
Was wahrscheinlich dann die wenigsten wussten: Auch in der Biografie von Matthias Walz findet sich das Flechthandwerk. „Mein Opa war im Nebenerwerb Korbflechter“, erzählte er in seiner Rede; und davon, dass er von ihm immer noch zwei Körbe zu Hause habe. „Das war noch echte Handwerkskunst“, sagte er. Dann schritt er zur Tat. Denn nachdem Jule I. in ihrer Sänfte von den Ringern des AC Lichtenfels auf dem Korbmarkt getragen worden war, war der Moment gekommen und Matthias Walz krönte sie zur neuen Korbstadtkönigin.
Die 19-Jährige aus Schney beschrieb sich dann in ihrer Antrittsrede als nett, offen und lachfreudig; als eine Korbstadtkönigin, die man gerne ansprechen dürfe. Aber auch gleichzeitig als jemanden, der Dinge anpacke. „Vor allem, wenn ich etwas will“, sagte sie. Sie findet, dass Flechten Wissen, Geduld und viel Geschick in den Fingern benötigt.
Lernen Sie hier die neue Korbstadtkönigin kennen:
„Ich freue mich auf die kommenden zwei Jahre“, schloss sie und fügte hinzu, dass die anwesenden Besucher des Korbmarktes einmal den hektischen Alltag vergessen sollen und den vielen Flechterinnen und Flechtern aus aller Welt über die Schulter schauen sollen.
45. Korbmarkt lockt Menschen von fünf Kontinenten nach Lichtenfels
Denn immerhin waren beim 45. Korbmarkt 100 Flechter und Aussteller aus 20 Nationen vertreten, wie auch Bürgermeister Andreas Hügerich in seiner Begrüßungsrede noch einmal betonte: „Lichtenfels ist heute der Mittelpunkt des Flechthandwerks. Fünf Kontinente. Eine Leidenschaft.“
Und auch der Geschäftsführer des Zentrums für Europäische Flechtkultur Lichtenfels, Manfred Rauh, lud die Besucher des Korbmarktes ein, den Ausstellern über die Schulter zu schauen und „sich ihren Lieblingskorb mit nach Hause zu nehmen“.




















