Dass der Bezirk Mittelfranken eine weitere Strophe fürs Frankenlied sucht, stößt beim Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) auf Unverständnis. «Die im Jahr 1859 verfassten sechs Strophen sind seit vielen Jahrzehnten die Landeshymne aller Franken. Ich verstehe nicht, warum man jetzt damit anfängt, zu diesen sechs Strophen noch eine weitere dazu dichten zu wollen», sagte Meißner laut Mitteilung.
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Hymnen hätten einen Schutzstatus, «man verändert diese nicht. Wir Oberfranken kommen ja auch nicht auf die Idee, die Bayern-Hymne um eine weitere Strophe zu ergänzen, nur weil wir der Meinung sind, dass es gerade an der Zeit wäre.»
Söder findet eine weitere Strophe gut
Hintergrund ist, dass der Bezirk Mittelfranken sich eine weitere Strophe für das Lied wünscht. Denn: Bislang wird dieser Bezirk nicht im Lied besungen. Der Bezirk Mittelfranken rief deshalb zu einem Liedwettbewerb auf. Etwa 315 Vorschläge sind demnach eingereicht worden.
Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU), ein Mittelfranke, findet die Idee gut: Am Rande eines Termins sagte er kürzlich: «Das ist eine wundervolle Hymne und eine Strophe mehr ist auch schön und es ist in der Tat so, Mittelfranken kommt da zu kurz. Insofern glaube ich, ist das eine schöne Idee.»
Mittelfranken vom Staffelberg aus nicht zu sehen
Verglichen mit der Bayern-Hymne und dem Deutschlandlied habe das Frankenlied ja schon jetzt «sehr viele Strophen», so Söder. «Man kann da wirklich sehr viel Zeit damit verbringen, das aus voller Überzeugung zu singen.» Söder selbst soll im Sommer darüber mitbestimmen, um welche mittelfränkische Strophe das Lied ergänzt werden soll.
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Das Frankenlied stammt aus der Feder von Victor von Scheffel, der beschreibt, was er vom Staffelberg - gelegen im Landkreis Lichtenfels - sieht. Und da geht der Blick eben nur ins Ober- und Unterfränkische. In seiner Mitteilung weist Landrat Meißner darauf hin, dass von Scheffel in seinem Lied ganz deutlich beschreibe, was er vom Staffelberg aus sieht. Und das seien eben "die Lande um den Main" und "von Bamberg bis Grabfeldgau". 1861 wurde das Lied veröffentlicht und stieg von da an zur Frankenhymne auf.
Jurymitglied Söder - ein Geschmäckle?
"Der Staffelberg liegt im Landkreis Lichtenfels und auch der Text des Frankenliedes wurde im heutigen Landkreis Lichtenfels verfasst und gerade deshalb haben wir auch eine besondere Verantwortung", erklärt der Lichtenfelser Landrat. Er fügt nicht ganz ernst gemeint hinzu, das Absingen einer neuen mittelfränkischen Strophe auf dem Staffelberg unter Strafe zu stellen. Dass mit Ministerpräsident Söder ein Mittelfranke in der Jury für die neue Mittelfranken-Strophe sitze, habe "einen besonderen Geschmack", schreibt Meißner in seiner Pressemitteilung. Ob er auch das augenzwinkernd meint, lässt er möglicherweise bewusst offen.












